VonWolfgang Fischerschließen
Am Kalten Markt haben Nelek und Merlüt Genc einen Lebensmittelladen eröffnet. Die Stadt wartet auf die Übertragung von Fördergeldern aus dem Bundesprogramm für die Belebung der Zentren.
Schwäbisch Gmünd. Lebensmittel und frische Backwaren: Der Istanbul Bazar, das nach Angaben der Betreiber einzige türkische Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt, hat am Donnerstag am Kalten Markt 28 eröffnet.
Ezgi Pala, Leerstandsmanagerin bei der städtischen Wirtschaftsförderung, freute sich, dass es gelungen sei, wieder ein leerstehendes Ladenlokal im Zentrum zu vermitteln. Dazu beigetragen habe auch hier das Förderprogramm ZiZ (Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren, das vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen initiiert wurde und in das auch Gmünd aufgenommen wurde.
Seit Herbst vergangenen Jahres stand das Erdgeschoss des kleinen Häuschens direkt neben dem City-Center leer, berichtet Pala. Bis dahin hatte dort ein Optiker sein Geschäft, der einer Brille nachempfundene Griff der Eingangstür kündet noch von dieser früheren Nutzung.
Mehrere Interessenten fragten an
Seitdem habe es einige Interessenten für die Nachnutzung gegeben, erzählt die Leerstandsmanagerin. Den Besitzern habe jedoch schließlich das Konzept des Lebensmittelladens am besten gefallen, sagt sie.
Der Istanbul Bazar ist ein Familienbetrieb, das sieht man schon beim Eintreten: Merlüt Genc organisiert das Befüllen der Regale, seine Frau Nelek Genc kommt aus der hinter dem Laden liegenden Backstube und Tochter Sinem Genc richtet die EDV-Kasse ein. Wobei Merlüt Genc gleich die Hierarchie klarstellt: „Meine Frau Nelek ist die Chefin.“ Merlüt Genc erzählt, dass er das Ladenlokal direkt bei einer Bushaltestelle als idealen Platz gesehen habe, um den Traum von einem Lebensmittelladen zu verwirklichen. Seither habe er einen Obst- und Gemüsestand auf dem Gmünder Wochenmarkt gehabt, davor in einem Sägewerk gearbeitet.
Traditionelles Backwerk selbst gemacht
Neben dem Handel mit Lebensmitteln bietet der Laden auch eine Besonderheit: Während die normalen Brote vom Bäcker geliefert werden, backt Nelek Genc an allen Verkaufstagen traditionelles türkisches Backwerk wie Lahmacun (Fladenbrot) selbst. Und Merlüt Genc nennt noch ein weiteres Angebot: Ältere Kunden oder Kunden mit Gehproblemen, die ohne Auto kommen, werden nach dem Einkauf auf Wunsch mit ihren Waren kostenlos nach Hause gefahren.
Das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ hat auch bei der Ansiedlung des Istanbul Bazar am Kalten Markt geholfen wie bei einigen anderen Vermittlungen in der jüngeren Vergangenheit auch. Doch momentan muss die städtische Wirtschaftförderung auf dieses Hilfsmittel, das eigentlich bis Ende Januar 2025 laufen soll, verzichten. „Ich kann aktuell nicht über das Förderprogramm vermitteln“, sagt Leerstandsmanagerin Ezgi Pala. Denn derzeit fehle die Bestätigung des Fördergebers, dass die Stadt Geld, das ihr aus dem Programm 2023 zur Verfügung gestellt worden war, auch in diesem Jahr verwenden kann. Pala hofft, dass dies nur eine Formalie ist und die Förderung weiterhin eingesetzt werden kann.
Ziel: Das Zentrum stärken
Das Förderprogramm bietet den teilnehmenden Städten verschiedene Unterstützung zur Belebung der Zentren, zum Beispiel bei der Wiederbelebung leerstehender Ladenlokale. Unter anderem kann die Stadt so eine zeitlich befristete Mietreduzierung finanzieren, wenn auch die Vermieter auf 15 Prozent der bisherigen Miethöhe verzichten. Der Mieter müsste noch 30 Prozent der Miete tragen.
Das Leerstandsmanagement ist einer von vier Bausteinen des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Aus diesem Programm hat Gmünd knapp 2,5 Millionen Euro erhalten. Die Stadt Gmünd steuert etwa 826 000 Euro bei. Bis Jahresanfang waren so 18 Leerstände vermittelt und angemietet worden, so Ezgi Pala.
