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Wirtschaftsförderung sieht das Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ positiv. 18 Leerstände seit Anfang 2023 vermittelt.
Schwäbisch Gmünd. Einen Trend zu inhabergeführten Geschäften in Schwäbisch Gmünd sieht Gmünds Leerstandsmanagerin Ezgi Pala. Solche Geschäfte könnten künftig das Stadtbild prägen, sagte sie am Mittwoch vor Stadträten. Pala bezieht sich dabei auch darauf, dass in jüngerer Vergangenheit weniger Ketten angefragt hätten. Leerstände seien aber weiterhin eine Herausforderung, weshalb sie eine Notwendigkeit sieht für ein „gezieltes und langfristiges Leerstandsmanagement“.
Erfolgskonzept Showroom
Das Leerstandsmanagement ist einer von vier Bausteinen des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Aus diesem Programm hat Gmünd knapp 2,5 Millionen Euro erhalten. Die Stadt Gmünd selbst steuert etwa 826 000 Euro bei. Im Bereich des Leerstandsmanagements setzt Gmünd Geld aus diesem Programm für eine Software ein, mit der die Stadt Leerstände erfassen und sich so einen Überblick verschaffen kann. Zudem finanziert die Stadt aus diesem Topf seit Februar 2023 in der Bocksgasse 16 einen Showroom, in dem Start-ups ihre Ideen ausprobieren können. Dies über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten, die Stadt übernimmt dabei die vollen Mietkosten. Dieser Showroom sei ein „Erfolgskonzept“, sagte Pala. Auch deshalb sei die Stadt auf der Suche nach Räumen für einen zweiten Showroom.
Mietkosten von Gastronomen und Einzelhändlern
Der dritte Baustein sind reduzierte Mietkosten. Die Stadt übernimmt dabei 70 Prozent der Mietkosten von Gastronomen und Einzelhändlern, die einen Leerstand neu anmieten. Dieser müsse in der Innenstadt liegen, und der Vermieter müsse bereit sein, 15 Prozent vom bisherigen Mietpreis nachzulassen. Hier hakte auch Oberbürgermeister Richard Arnold ein: Die Stadt sei auf diesen Mietnachlass angewiesen, sagte er. Allerdings klappe dies nicht immer, das wolle er nicht verhehlen, sagte der OB. Die Stadt mietet diese Leerstände bis zum 31. Januar 2025 an, der Mieter selbst trägt 30 Prozent der Mietkosten.
18 Leerstände in Gmünd vermittelt
Insgesamt hat Gmünds Leerstandsmanagement mit diesen Bausteinen bislang 18 Leerstände vermittelt und angemietet, sagte Pala. Teils mit, teils ohne Förderung. Sie nannte einige jüngere Beispiele. Mit dem Förderprogramm habe das Leerstandsmanagement einen Leerstand im Café bührs verhindert, und in der früheren Mohren-Apotheke laufe der Umbau für die „Kostbar“. In die Augustinerstraße 1 ziehe „Handmade by Jana“, die zuvor sogar vier Monate im Showroom war. Am Kalten Markt 28, bis vor einiger Zeit ein Optikgeschäft, eröffne ein türkischer Lebensmittelhändler. Und im früheren Teppichgeschäft am Ende der Bocksgasse eröffne ein Geschäft für Elektrohausgeräte. Der „Subway“ im City-Center sei ohne Förderung, dafür mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung entstanden. Die meisten Vermittlungen gebe es im Gastronomie-Bereich, dann folge der Einzelhandel, sagte Pala.
Die Stadt habe noch Geld im Topf, sagte Wirtschaftsförderer Alexander Groll auf Nachfrage von Hannes Barth (CDU). Sie wolle, bis das Programm auslaufe, noch einige Leerstände vermitteln. In sechs Fällen, sagte Groll, hätten Mieter nach Auslaufen des Vertrags zwischen Stadt und Vermieter selbst mit dem Vermieter einen Folgevertrag abgeschlossen. Vermieter zeigten zunehmend eine Bereitschaft, Mieten zu verringern.
Die Stadt sei bei diesem Programm im „engen Austausch“ mit dem Handels- und Gewerbeverein HGV, sagte Groll auf Nachfrage von Gabriel Baum (Grüne). Dr. Uwe Beck (SPD) erläuterte den Eindruck der SPD, dass es bei Mietern immer wieder auch an der „langfristigen Betriebsführung“ fehle. Hier biete die Industrie- und Handelskammer Unterstützung, sagte Groll.
Masterplan fürs Wohnen
"Auf gutem Weg“ sah Sebastian Fritz (söl) das Leerstandsmanagement. Er erinnerte dennoch an den fraktionsübergreifenden Antrag „Lebenswerte Altstadt“ und wollte wissen, ob nun alles bleibe „wie gehabt“ oder ob es auch „neue Wege“ gebe. Was Fritz damit meinte: eine veränderte Nutzung leerstehender Ladengeschäfte, zum Beispiel fürs Wohnen. Mit dem Förderprogramm begleite die Stadt diejenigen, die bei ihr vorstellig würden, sagte dazu Arnold. In Bezug aufs Wohnen sei Baubürgermeister Julius Mihm beauftragt, einen Masterplan zu erstellen, wo Wohnen am schnellsten geht.

