VonKatharina Scholzschließen
Die 56-Jährige spricht über das Parteiausschlussverfahren und warum sie weder für den Kreistag noch den Gemeinderat kandidiert.
Aalen. Eine überraschende Ankündigung hat Inge Birkhold gemacht. Viele haben erwartet, dass sie noch einmal auf der CDU-Liste für den Kreistag kandidiert, und dass sie für den Aalener Gemeinderat mit einer eigenen Liste ins Rennen geht. Sie hat sogar schon damit angefangen, Kandidatinnen und Kandidaten zu suchen. „Die Liste hätte ich locker vollbekommen“, sagt sie. Doch nach reiflicher Überlegung habe sie sich nun anders entschieden. Sie kandidiert dieses Jahr weder für den Kreistag noch für den Gemeinderat.
„Es gibt noch so viel, das mich interessiert“, sagt Birkhold. Sie möchte ihren Betrieb, das Stadthöfle, weiterentwickeln. Sie möchte Angebote für Kinder und die Genusswanderungen für Erwachsene weiter ausbauen. Fremdsprachenkenntnisse in Englisch, Französisch und Spanisch möchte sie vertiefen und Russisch lernen. „Ich will Bücher lesen“, sagt Birkhold. Die vergangenen Jahre sei sie zwischen der Arbeit auf dem Stadthöfle, den Sitzungen und der Vorbereitung auf die Sitzungen kaum dazu gekommen.
Rückkehr nicht ausgeschlossen
„Es ist gut, wenn man mal einen Schritt zurücktritt und schaut, wie es die anderen machen“, sagt die 56-Jährige. Als Zuhörerin möchte sie gerne Gemeinderatssitzungen in Ulm oder Tübingen besuchen und bei Prof. Dr. Stefan Fröhlich an der Universität Erlangen Politikvorlesungen hören. „Ich mache eine kreative Pause“, sagt Birkhold. Eine Rückkehr in die Kommunalpolitik will sie nicht ausschließen.
Zehn Jahre saß sie im Gemeinderat, fünf Jahre im Kreistag. 2021 wollte Inge Birkhold als Aalener Oberbürgermeisterin kandidieren. Doch daraus wurde nichts. „Gewisse einflussreiche Kreise“ hätten Birkholds Kandidatur verhindert. So drückte sie sich damals aus. „Wer genau mich bearbeitet hat, will ich auch heute nicht sagen“, erzählt sie. Sie möchte nicht nachtreten. „Die Personen müssen das selbst mit ihrem Gewissen vereinbaren.“
Die Aalener CDU schickte 2021 Catherine Rommel ins Rennen. Sie fuhr mit 20,08 Prozent ein mäßiges Ergebnis ein. Frederick Brütting (SPD) gewann haushoch mit 71,22 Prozent. Aalener Industrielle standen damals im Verdacht, die „gewissen Kreise“ zu sein, die Birkholds Kandidatur verhindert haben. Sie schweigt darüber und darüber, was in der CDU-Fraktion im Gemeinderat vorgefallen ist.
Tatsache ist, dass sie nach der OB-Wahl aus der Fraktion ausgetreten ist. „April bis Juni 2021: Das war die schlimmste Zeit“, sagt Birkhold. Da habe sie für sich schon entschieden, auszutreten, aber sie habe noch bis zur Wahl gewartet, um weder Rommels Kandidatur noch der Partei zu schaden.
Birkhold bleibt CDU Mitglied
Daher hat es sie schwer getroffen, dass der CDU-Stadtverband und der CDU-Kreisverband anschließend ein Parteiausschlussverfahren gegen Birkhold angestrengt haben. Der Vorwurf: Indem sie aus der Fraktion ausgetreten und anschließend immer wieder anders als die CDU-Fraktion abgestimmt hat, habe sie sich parteischädigend verhalten.
Vor allem den Vorwurf wegen ihres Abstimmungsverhaltens konnte Birkhold nicht nachvollziehen. „Ich bin nur meinem Gewissen verpflichtet“, sagt sie. Birkhold hat sich entschieden, nicht auszutreten, sondern sich vor dem Parteigericht in Stuttgart zu verantworten. „Diese Ungerechtigkeit musste ich klären“, sagt Birkhold. „Es ging um meine Reputation und die Reputation meiner Familie.“ Damit meint sie ihren Großvater Johannes Birkhold, der die CDU in Aalen mitgegründet hat und ihren Vater Hans Birkhold, der sich ebenfalls für die CDU engagiert hat.
Ein anderes Leben
Vor Kurzem hat das Parteigericht zugunsten Birkholds entschieden. Sie ist froh, dass sie das Verfahren über sich ergehen ließ. Denn sie sei gerne Mitglied der CDU, verstehe sich selbst als „modern konservativ“. „Nur ein Teil des Bodenpersonals will mich loswerden“, sagt Birkhold.
Es habe auch einen Versuch gegeben, sie aus der Kreistagsfraktion auszuschließen. Nicht von der Fraktion selbst, sondern von außerhalb. Auf die CDU-Kreistagsfraktion lässt sie nichts kommen und lobt die Mitglieder sowie die Zusammenarbeit dort. Das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Birkhold zufolge hat die Fraktion entschieden, sie nicht auszuschließen, weil sie ein wertvolles Mitglied sei. Obwohl sie mit Kommunalpolitik mit Herzblut betrieben habe, freut sie sich nun auf die kommende Zeit. „Es wird ein anders Leben.“
