VonDavid Wagnerschließen
Drei Stunden diskutieren die Mögglinger Bürgerinnen und Bürger bei der Einwohnerversammlung am Samstag. Bürgermeister legt Vor- und Nachteile dar. Kritik zu Standort und Auswahlverfahren.
Mögglingen. Eine breite Mehrheit der Mögglinger ist gegen die Klinik an diesem Standort“, fasste Bürgerin Mechthild Stritzelberger die Beiträge in der Einwohnerversammlung am Samstag zusammen.
Nach einer etwa halbstündigen Ortsbegehung des potenziellen Klinik-Standorts zwischen Reithalle und Westtangente hatten sich die Mögglinger anschließend zwei Stunden lang in der TV-Halle mit dem Thema beschäftigt. Den Befund von Mechthild Stritzelberger ordnete Bürgermeister Adrian Schlenker so ein: „Wenn die Meinung hier in der Versammlung denn repräsentativ ist.“
Schlenker hatte zuvor erläutert, warum Mögglingen überhaupt als Klinik-Standort des vom Landkreis gewollten „Regionalversorgers“ infrage komme. Der Landkreis wolle einen verkehrlich gut angebunden Standort zentral im Kreis. Die Anfrage seitens des Landkreises sei am 29. September in Mögglingen eingegangen. Die Frist zur Rückmeldung ging bis 10. November. „Das war schon eher knapp bemessen“, so Schlenker. Im Oktober habe der Gemeinderat nicht öffentlich beschlossen, sich mit einer Fläche, nämlich rund zehn Hektar zwischen Westtangente, Friedhofstraße und Rossweg, zu beteiligen und dies dem Landkreis anzubieten.
Warum nicht öffentlich?
Schlenker betonte, bei einem so wichtigen Thema müsse es bei erstmaliger Befassung möglich sein, dem Gemeinderat den geschützten Rahmen einer nicht öffentlichen Sitzung zu geben. „Danach wurde, auch über die Gmünder Tagespost, Öffentlichkeit hergestellt“, sagte Schlenker. Auch in Aalen und Essingen sei es mit der öffentlichen Beratung nicht weit her gewesen.
Wieso dieser Standort?
Laut Schlenker sei die verkehrliche Erschließung des Areals an der Westtangente hervorragend möglich, und zwar sowohl für Autos als auch für den öffentlichen Nahverkehr. Zum Bahnhof sei es zu Fuß knapp einen Kilometer. Zudem sei davon auszugehen, so Schlenker, dass es „kaum zusätzlichen Verkehr im Ort“ geben werde, weil das meiste über die B 29 gehe. Auch topografisch und regionalplanerisch sei die Fläche gut geeignet. Sie sei zwar nicht ganz eben, aber doch ebener als andere Flächen in Mögglingen. Vor allem habe die landwirtschaftliche Nutzung hier laut Regionalplan keinen Vorrang. Schlenker betonte, er persönlich wünsche sich, dass die eigentlichen Klinik-Gebäude möglichst nah an der Westtangente und möglichst weit entfernt von der Wohnbebauung, etwa dem Wohngebiet Kreuzäcker, geplant werden sollte. Bei einer Info-Fahrt des Gemeinderats zum vergleichsweise neuen Rems-Murr-Klinikum in Winnenden sei deutlich geworden, dass nicht die gesamten acht Hektar bebaut würden, sondern rund die Hälfte. Die andere Hälfte sei „grün“, etwa in Form eines Klinik-Parks. So etwas könne er sich auch im Bereich der Streuobstwiesen neben der Reithalle vorstellen.
Wieso beteiligt sich Mögglingen?
Der Landkreis wolle die Gesundheitsversorgung verbessern. „Können wir uns dem von vorneherein verweigern? Ich meine, nein“, so Schlenker. Es gebe durchaus eine „gewisse moralische Verpflichtung“. Zudem könne Mögglingen noch von dem Angebot zurücktreten. Umgekehrt, eine spätere Bewerbung nach Ende der Frist, sei nicht möglich. Nun gelte es, Pro und Contra abzuwägen. Auch dazu sei diese Einwohnerversammlung da, damit die Verwaltung und die Gemeinderäte die Anregungen und Meinungen der Bürgerinnen und Bürger in die weitere Planung und Diskussion mitnehmen könnten.
Was gegen die Klinik spricht:
Der große Flächenverbrauch, der auch im Widerspruch zum Leitbild der Gemeinde stehe. Allerdings höre Klimaschutz nicht an der Gemeindegrenze auf, so Schlenker. In Essingen würden ebenfalls Flächen verbraucht und in Aalen bräuchte es „eine Straße mitten durch den Wald“. Das Leitbild müsse man in dem Fall „flexibel auslegen“.
Die Zunahme des Verkehrs, wobei Schlenker davon ausgeht, dass sich das meiste außerhalb auf der B 29 abspiele.
Die Belastung während der Bauzeit. Hier sei eben zu fragen: „Ist es uns das wert?“
Veränderung des Ortsbildes: Ja, dies sei bei vier- bis sechsstöckigen Klinikgebäuden sicher ein Thema. Schlenker verwies nochmals auf den Neubau in Winnenden und meinte, „wir müssen das einordnen und Ängste nehmen“. Den Rosenstein werde der Neubau jedenfalls nicht verdecken. Der Einwand, dass das Areal in der Einflugschneise des Heubacher Flugplatzes liege, sei übrigens nicht richtig. Diese tangiere Mögglingen nicht, so Schlenker.
Was für die Klinik spricht
Die Sicherung der Gesundheitsversorgung für mindestens die nächsten 50 Jahre,
die Notfallversorgung vor der Haustüre,
elektive Eingriffe, also terminlich aufschiebbare Behandlungen,
begleitende Praxen, die zusätzlich zur Klinik entstehen,
begleitendes Gewerbe,
Schaffung von Arbeitsplätzen im Gesundheitssektor und im begleitenden Gewerbe,
Sicherung des Bahnhalts und Ausbau des ÖPNV,
Gewerbesteuer durch begleitende Praxen und begleitendes Gewerbe,
Einwohnerzuwachs, dadurch höherer Anteil an Finanzausgleich und höhere Einkommenssteuer und ein Anstieg der Kaufkraft im Ort,
Außenwahrnehmung und höherer Bekanntheitsgrad, dadurch leichterer Zugang zu Fördermitteln,
Standortvorteile durch Zuzug und Gewerbeansiedlung,
sinkende Klinikdefizite im Kreis und für Mögglingen eine sinkende Kreisumlage.
Fazit des Bürgermeisters
„Die Beteiligung Mögglingens ist richtig“, betonte Schlenker, und zwar „ohne politische Spielchen“. Ein objektives Verfahren solle das beste Ergebnis für den Landkreis bringen. „Es gibt sehr gute Argumente für Mögglingen, wir sind der richtige Standort“, betonte Schlenker - allerdings könnte die Gemeinde wohl auch mit den Alternativen leben.
Fragen und Ansichten der Bürger
Schlenker lud die Bürgerinnen und Bürger ein, Fragen zu stellen und Meinungen zu äußern. „Wir nehmen diese Anregungen mit“, versprach er. Viele Wortmeldungen waren kritisch, vor allem in Bezug auf den vorgeschlagenen Standort. Wäre ein Standort im Osten, im Bereich Zollhof bei der Deponie, nicht besser geeignet, wollten etwa Bernd Schweizer und Dieter Zich wissen. Warum sich der Gemeinderat gegen diese Fläche und für die jetzt vorgeschlagene entschieden habe? Dazu könne er persönlich nichts sagen, weil er in dieser Sitzung krankheitsbedingt nicht dabei gewesen sei, so der Bürgermeister. Timo Pfänder, Anwohner der Kreuzäcker, meinte, genau dieses intransparente Auswahlverfahren sei „die Krux an der Sache“. Niemand wisse, welcher Gemeinderat wie abgestimmt habe. Diese Fläche auszuwählen sei jedenfalls „ein Unding“, so Pfänder.
Eberhard Bär meinte, eine Klinik in Mögglingen sei für die Gemeinde eine Nummer zu groß. Ein Neubau auf der vorgeschlagenen Fläche blockiere die dörfliche Entwicklung. Er wolle nicht, dass sich Mögglingen „zum Besuchermagneten“ entwickle und die Straßen mit den Autos der Mitarbeiter und Besucher der Klinik zugeparkt seien. Er verspüre dem Landkreis gegenüber „keine moralische Verpflichtung“, so Bär. Er bezweifle, dass wirklich nur die Hälfte der Fläche bebaut werde. Die von Schlenker vorgebrachten Vorteile seien „alle spekulativ“ und der Preis für die Gemeinde zu hoch. Dafür erhielt Bär Applaus.
Heidrun Epp bezweifelt, dass sich kleine Gewerbetreibende im Zuge des Klinik-Neubaus im Ort ansiedeln würden. Wenn, dann nur die „großen Player“. Und diese würde es eher auf weitere Flächen im Außenbereich ziehen.
Mechthild Stritzelberger appellierte an die Gemeinderäte, die Sache genau zu überdenken und auf ihr Herz zu hören. „Niemand macht euch einen Vorwurf, wenn ihr am Ende sagt, ok, wir finden eine andere Entscheidung.“

