Kliniken Ostalb: Aalen hat jetzt zwei Eisen im Feuer

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Das Ostalb-Klinikum in Aalen.
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Das Aalener Ostalb-Klinikum soll Regionalversorger werden. Darauf will Oberbürgermeister Brütting den Gemeinderat einschwören. Was das mit dem Triumph-Areal zu tun hat.

Aalen. Die Reihen sollen geschlossen werden. Und so möchte die Aalener Stadtspitze, dass sich der Gemeinderat in der Klinik-Debatte hinter den Vorschlag von Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Frederick Brütting stellt: die sogenannte Kombi-Lösung. Dazu hat Brütting nun eine Vorlage erstellen lassen, die zunächst im Ausschuss für Kultur, Bildung und Finanzen (KBFA) und dann im Gemeinderat beschlossen werden soll. Konkret lautet der Beschlussvorschlag: „Der Gemeinderat unterstützt die 'Kombi-Lösung' zur Weiterentwicklung des Ostalb-Klinikums zum Regionalversorger.“  Neuigkeit am Rande: Offenbar hat die Stadt auch das Triumph-Areal an der Industriestraße ins Standort-Rennen geschickt.

Was bislang geschah

Die Vorgeschichte: Im vergangenen Jahr hat der Kreistag des Ostalbkreises ein Zukunftskonzept für die Kliniken im Ostalbkreis beschlossen. Kern dieses Konzepts ist der Bau eines zentralen Klinikums, eines sogenannten Regionalversorgers. Flankiert wird dieser Regionalversorger von Kliniken zur Grundversorgung in Mutlangen und Ellwangen sowie ein Gesundheitszentrum in Bopfingen. Vier Vorschläge gibt's, wo dieser Regionalversorger gebaut werden könnte: in Mögglingen oder Essingen jeweils auf der grünen Wiese – oder in Aalen dadurch, dass das Ostalb-Klinikum zu einem Regionalversorger ausgebaut und durch Neubauten ergänzt wird – die Kombilösung.

Und jetzt: das Triumph-Areal

Zudem hat, wie jetzt bekannt wurde, die Stadt Aalen auch das sogenannte Triumph-Areal an der Industriestraße als möglichen Standort ans Landratsamt gemeldet. Aus Sicht der Stadtverwaltung aber habe der Standort des Ostalb-Klinikums Priorität, „da hier die vorhandene Klinik-Infrastruktur sowie die vorhandenen Vermögenswerte bei Grundstücken und Gebäuden des Ostalbkreises ressourcenschonend und zeitnah zum Regionalversorger weiterentwickelt“ werden könnten.

Derzeit prüft das Landratsamt zusammen mit externen Gutachtern die Standorte und wie es jeweils mit den Kosten aussieht. Danach entscheidet der Kreistag. Eine erste Entscheidung dazu wird für Ende Februar erwartet.

Wie die Stadt argumentiert

In der Vorlage für den Gemeinderat weist die Stadt darauf hin, dass ins Ostalb-Klinikum in den vergangenen zehn Jahren knapp 55 Millionen Euro investiert wurden. Ebenso erwähnt die Stadt den Beschluss des Kreistages aus dem Jahr 2020, ein neues Zentralgebäude mit OP-Sälen fürs Ostalb-Klinikum zu bauen, weil die alten in die Jahre gekommen sind. Es wird auch auf die Bedeutung des Klinikums für Aalen und die Arbeitsplätze hingewiesen. Hauptargument aber sei, „dass die Defizite der Kliniken und auch der Neubau auf der grünen Wiese aus dem Kreishaushalt und damit auch über die Kreisumlage“ finanziert werden müssten.

Aalen bezahle im Vergleich den größten Betrag an Kreisumlage - 44 Millionen Euro in diesem Jahr. Dadurch habe die Stadt „ein gesteigertes Interesse“ daran, dass die Defizite der Kliniken - aktuell 36 Millionen Euro - „zeitnah und nachhaltig“ reduziert würden.

Pluspunkte aus Sicht der Stadt

Die Gründe, die für den Standort Aalen am Ostalb-Klinikum sprechen, aus Sicht der Verwaltung:

Aalen werde bis ins Jahr 2030 mehr als 73 000 Einwohner haben - und da sei die geplante Zeiss-Ansiedlung in Ebnat noch nicht einmal berücksichtigt.

Dann gebe es an der Hochschule in Aalen einen Studienschwerpunkt im Bereich Gesundheitswesen.

Kombi-Lösungen seien zeitgemäß. Im Krankenhausbauprogramm 2023 des Landes setzten 15 der insgesamt 16 aufgenommenen Projekte auf Erweiterungsneubauten oder Sanierungen. Damit sei die Kombi-Lösung kein Sonderweg, sondern die übliche Praxis in Baden-Württemberg.

Zudem nennt die Stadt die Grundstückspotenziale: Für den Regionalversorger wird gemäß Vorgabe des Landratsamts eine Fläche von acht bis zehn Hektar benötigt. Die Fläche sei am aktuellen Standort vorhanden. Die Grundstücke für die Kombi-Lösung seien im Eigentum des Ostalbkreises und der Stadt. Flächen für die Straßenanbindung gehörten der Stadt Aalen und dem Land. Auch seien Erweiterungsflächen vorhanden.

Unabhängige Überprüfung

Übrigens scheint die Aalener Stadtverwaltung nicht restlos von der Neutralität des vom Landratsamt beauftragten Gutachterbüros Endera überzeugt zu sein. Denn der Gemeinderat soll ferner beschließen, dass die Stadt „eine unabhängige Überprüfung der Kostenangaben für die Varianten 'Kombi-Lösung' und 'Neubau Grüne Wiese“ einholen soll.

Die Vorberatung: Im KBFA der Stadt Aalen wird das Thema am kommenden Mittwoch, 17. Januar, vorberaten. Die Sitzung beginnt um 15 Uhr. Nächste Sitzung des Aalener Gemeinderates ist am 25. Januar. Zwar steht die Tagesordnung noch nicht fest. Es ist aber davon auszugehen, dass der Beschluss dann dort gefasst werden soll. Bereits informiert ist der Ältestenrat.

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