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Mit einer spektakulären Aktion beginnt die für die Bürger sichtbare Sanierung des einstigen Kaufhauses am Gmünder Marktplatz.
Schwäbisch Gmünd. Noch sehen die Gmünder nicht wirklich, dass die Bauarbeiten beim einstigen Kaufhaus Woha begonnen haben. An diesem Donnerstag jedoch änderte sich dies mindestens für einen Tag. Der Marktplatz war beim Rathaus für mehrere Stunden zwischen Rinderbacher Gasse und Marktplatz 6 gesperrt. Die Baufirma Wolf hievte dort mit Unterstützung einer weiteren Firma mit einem Baukran einen zweiten, einen gefalteten Kran in den Hinterhof des ehemaligen Woha-Kaufhauses. „Die Herausforderung bei dieser Baustelle ist die Bereitstellung des Baumaterials“, erklärt Bauunternehmer Fabian Wolf im GT-Gespräch, weshalb diese spektakuläre Aktion nötig war. Zwar hätte man das Baumaterial auch mit einem Kran vom Marktplatz aus bereitstellen können. Dies jedoch hätte im Frühjahr Veranstaltungen auf dem Marktplatz gestört. Nun wird das Baumaterial über die Rinderbacher Gasse in den Innenhof des einstigen Kaufhauses gebracht. Und von dem nun dort platzierten Kran an die Stellen gehoben, wo es benötigt wird.
Brauereigaststätte, Praxen und Wohnungen: Was am alten Woha entsteht
Im Erdgeschoss des einstigen Kaufhauses entsteht eine Brauereigaststätte. Im ersten Stock wird es einen etwa 100 Quadratmeter großen Saal geben, der auch Bürgern zur Verfügung stehen soll. In den weiteren Obergeschossen sind Räume für Praxen und Büros geplant. Der hintere Teil des Kaufhauses zur Franziskanergasse hin wird abgerissen. Dort sollen in einem zweiten Bauabschnitt Wohnungen entstehen. Aktuell verbindet diese beiden Teile noch ein – vom Radgässle aus gut sichtbares – Zwischengebäude. Dieses diente einst als Durchgang vom einen Kaufhausteil zum anderen. Dieser Zwischenbau wird nun abgerissen. Dort entstehen ein Aufzug und ein Treppenhaus, über die die Büros und Räume in den oberen Stockwerken dieses zentralen Gebäudes am Marktplatz erreicht werden. Diese Teilbaustelle wird dann durch den Kran im Innenhof mit Baumaterial versorgt. Und der Marktplatz wird auf diesem Weg vom Baustellenverkehr entlastet.
Umbau des Woha-Kaufhauses: Fassade wird saniert
Architekt Thomas Sonnentag, der die Sanierung und den Umbau des Woha-Kaufhauses betreut, nennt im GT-Gespräch weitere auch für die Bürger deutlich sichtbare Schritte dieses Innenstadtprojektes: Bis April wird das Gebäude eingerüstet. Dann wird die Fassade des einstigen vornehmen Hotels „Gmünder Hof“ zum Marktplatz hin saniert. Diese soll möglichst so gestaltet werden, wie sie zu Hotelzeiten ausgesehen hat. Vor den bodentiefen Fenstern des Saals sind französische Balkone vorgesehen. Im Gebäude fanden sich noch Betten und Badewannen aus Hotel-Zeiten, und die Original-Buchstaben, mit denen das Hotel an der Fassade für sich geworben hatte. Sie sollen an der Fassade angebracht werden.
Parallel zur Gestaltung der Fassade beginnen die Sanierung des Dachs und der Innenausbau. Der Eingang zur künftigen Brauereigaststätte erfolgt vom Marktplatz her.
Die Sanierung dieses Areals im Herzen der Stadt wird von der Städtebauförderung des Landes Baden-Württemberg mit 1,6 Millionen Euro unterstützt. Dennoch bleibe für den Besitzer noch ein „stolzer Kostenanteil“, sagte Anfang des Jahres Gmünds Wirtschaftsförderer Alexander Groll bei einer Pressekonferenz zum Start der Sanierung des Woha-Kaufhauses.
Aus der Geschichte des Kaufhauses Woha
Das Kaufhaus Woha, das 1932 am Marktplatz 32 als „Wohlfeile Handelsgesellschaft“ gegründet worden war, ist 1936 ins Erdgeschoss des Gebäudes am Marktplatz 6 gezogen. An dieser Stelle war von 1635 an das Gasthaus „Das goldene Rad“. Später war dort ein Hotel. Dieses wurde, als das Kaufhaus 1936 einzog, in die oberen Etagen verlegt. Das Hotel schloss 1960, das Kaufhaus übernahm von da an die oberen Stockwerke.
Das Ende des Kaufhauses Woha kam im Jahr 2008, als der Betreiber Insolvenz für das Kaufhaus anmeldete. Seither sucht die Stadt nach einer neuen Nutzung für das insgesamt 3000 Quadratmeter große Areal im Herzen der Gmünder Altstadt. Die Eigentümerfamilien konnten sich jedoch über viele Jahre hinweg nicht einigen. Nach einer Einigung hatte der Eigentümer im März 2023 einen Bauantrag gestellt. Im August 2023 erhielt er die Baugenehmigung.


