Im Westen nichts Neues

Zulieferer sieht für zwei deutsche Werke keine Zukunft mehr

  • schließen

Die ZF Friedrichshafen stellt ihre Standorte auf den Prüfstand – auch in Deutschland. Für zwei sieht der Konzern offenbar keine Zukunft mehr. Der Betriebsrat kämpft.

Friedrichshafen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen musste durch die weltwirtschaftlichen Probleme im vergangenen Jahr ein deutliches Umsatzminus einstecken. Im bisherigen Geschäftsjahr 2023 konnte sich der große Autozulieferer aus Baden-Württemberg unter dem neuen CEO Holger Klein wieder deutlich steigern, die Transformation stellt jedoch weiterhin eine große Herausforderung dar. Deshalb hatte ZF bereits im August angekündigt, den Verkauf von Sparten zu prüfen, wodurch auch ein Standort nahe Stuttgart auf der Kippe stand.

Für die meisten deutschen ZF-Standorte hat der Konzern mit der IG Metall sogenannte Zielbilder ausgehandelt, die die Zukunft der Werke und vor allem auch die Arbeitsplätze während der Transformation sichern sollen. Zwei Standorte des Weltkonzerns vom Bodensee wackeln aber bereits seit langem. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass ZF das Werk im nordrhein-westfälischen Eitdorf schließen will und erst vor wenigen Wochen hieß es, der Standort in Gelsenkirchen stehe auf der Kippe.

Autozulieferer ZF sieht für die Standorte in Gelsenkirchen und Eitdorf (beide NRW) offenbar keine Zukunft mehr (Archivbild).

ZF-Werke in NRW vor dem Aus – Betriebsrat will nicht kampflos aufgeben

Im Falle des ZF-Werks in Eitdorf wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, dass der Standort – der seit Jahren rote Zahlen schreibt – nicht mehr zukunftsfähig sei und deshalb 2025 geschlossen werden soll. Der Betriebsrat des nach Bosch zweitgrößten deutschen Autozulieferers hatte diese Entscheidung massiv kritisiert und auch im Falle des Werks im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke gab es deutlichen Protest. Dort ist das große Problem offenbar das Ausbleiben von Kundenaufträgen. Eine Zukunft sieht die ZF Friedrichshafen für beide Standorte laut übereinstimmenden Medienberichten nicht mehr, der Betriebsrat will jedoch nicht kampflos aufgeben.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl164.869 (Stand: 2022)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz43,8 Milliarden Euro (2022)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Für die Werke in Eitdorf und Gelsenkirchen wurde lange versucht, ebenfalls Zukunftsbilder zu erstellen, was wegen des hohen Kostendrucks und ausbleibender Aufträge aber nicht gelang. Laut der Schwäbischen Zeitung laufen deshalb an beiden Standorten die Beschäftigungsgarantien zum Jahresende aus, sodass insgesamt fast 1000 Mitarbeiter vor dem Aus stehen. Im Falle von Gelsenkirchen bekommen Werk und Mitarbeiter aber Unterstützung aus der regionalen Politik. Die SPD hat das drohende Aus des Werks in Schalke im Wirtschaftsausschuss besprochen und auch die Stadt Gelsenkirchen hat angekündigt, den Konzern von einem Verbleib überzeugen zu wollen.

Probleme der Zuliefererindustrie: ZF will offenbar auch im Saarland massiv Stellen abbauen

Für die beiden deutschen ZF-Standorte ist die Sorge vor Schließung und Stellenabbau nicht neu. Der Betriebsrat kämpft wie erwähnt bereits seit rund einem Jahr für den Verbleib des Werks in Eitdorf und die Fabrik in Gelsenkirchen stand schon 2018 vor dem Aus, was die IG Metall aber verhindern konnte. Die ZF Friedrichshafen hat – wie auch die anderen Autozulieferer – derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Zu den hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal kommen noch die Hürden der Transformation hinzu.

Der ZF-Standort in Gelsenkirchen konnte 2018 gerettet werden, steht aufgrund ausbleibender Aufträge aber erneut vor dem Aus.

Dadurch ist der Konzern gezwungen, ganze Standorte und Sparten auf den Prüfstand zu stellen, was in der über 100-jährigen Geschichte der ZF zuvor nicht notwendig war. Der Autozulieferer hatte sich zwar eindeutig zum Hauptsitz in Friedrichshafen bekannt, bei einem anderen großen und wichtigen Standort im Südwesten herrscht aber seit einiger Zeit Ungewissheit. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass ZF in Saarbrücken offenbar tausende Stellen abbauen will. Der Konzern selbst hat diese Zahl zurückgewiesen, jedoch Probleme eingeräumt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Olaf Ziegler

Kommentare