Cem Özdemir will Winfried Kretschmann nachfolgen. Grüne aus dem Ostalbkreis schätzen ihn wegen seiner Erfahrung, regionalen Verbundenheit und nachhaltigen Politik.
Ostalbkreis. Martina Häusler begrüßt die Kandidatur von Cem Özdemir. „Weil er etwas Verbindendes hat und hohes Vertrauen genießt", sagte die 2021 erste direkt gewählte Gmünder Grünen-Abgeordnete im Stuttgarter Landtag. Özdemir lebe eine Grundidee der Grünen: Ökonomie mit Ökologie und Sozialem zu verbinden. Der in Bad Urach geborene Politiker mit türkischen Wurzeln könne „mit unterschiedlichsten Menschen" kommunizieren. Häusler nennt die Proteste der Landwirte vor einem Bürgerdialog der Grünen-Landtagsfraktion im Januar in Erlenbach bei Heilbronn als Beispiel. Da habe Özdemir es geschafft, die Proteste in einen guten Dialog zu führen.
Dieses „Ausgleichende" begrüßt auch Gabriel Baum, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Gmünder Gemeinderat. Özdemir sei ein „gestandener Schwabe", ein „kompromissbereiter Mensch" und eine „integrative Person". Genau dies brauche es angesichts der aktuellen Zersplitterung der Gesellschaft, sagte Baum.
Es sei „großartig", dass Özdemir bei der Landtagswahl antrete, sagte der Vorsitzende des Grünen-Kreisverbandes Gmünd, Dario Thiem. Er trete dafür an, was Baden-Württemberg brauche: den Blick für das Städtische und den ländlichen Raum. Özdemir stehe für eine pragmatische Politik und sei damit nahe bei Winfried Kretschmann.
Kreisvorsitzender Asbrock: Özdemir „kann die Ära Kretschmann in die Zukunft führen"
Alexander Asbrock, mit Ulrike Richter Kreisvorsitzender der Grünen für Aalen und Ellwangen, ist sich sicher: „Das ist eine Riesenchance für Baden-Württemberg und die Grünen." Denn Özdemir vereine vieles, das in dieser Zeit notwendig sei. Er habe politische Erfahrungen auf allen Ebenen. „Er ist ein waschechter Schwabe", was sich für Asbrock auch in dem Ergebnis bei der vergangenen Bundestagswahl gezeigt hat. Da holte Özdemir das Direktmandat in Stuttgart mit dem bundesweit besten Ergebnis für die Grünen. Für Asbrock verkörpert Özdemir das Land: „Er ist von hier und weltoffen."Er habe als Bundesminister Regierungserfahrung und könne mit den „Leuten schwätzen". Asbrock traut Özdemir Großes zu: „Er kann die Ära Kretschmann in die Zukunft führen."
Besonders gefällt Asbrock die Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Das „klare Bekenntnis zum Wirtschafts- und Forschungsstandort Baden-Württemberg sei wichtig, auch Industrie gehöre dazu - „auch wenn manchen Grünen das unangenehm ist". Ziel müsse ein „gesunder Wohlstand für alle" sein, wandelt Asbrock im Gespräch mit unserer Redaktion das Motto von Ludwig Erhard ab. Aber ist der mögliche Kandidat dann noch grün genug? Schließlich wird im Wahlkampf die Unterstützung der jüngeren Parteimitglieder gebraucht. „Artenschutz und Klimaschutz bleiben oben auf unserer Agenda", so Asbrock Aber man müsse sie politisch durchsetzen. Und dazu gehörten Mehrheiten und Kompromisse. Auch dürfe man die Gesellschaft nicht überfordern. Asbrock sagt: „Es gibt einen Sättigungsgrad für unsere Themen."
Bennet Müller, Grünen-Stadtrat in Aalen und Kreisrat, schreibt auf Instagram: „Was für eine großartige Nachricht! Ich freue mich sehr, dass Cem Özdemir Ministerpräsident werden möchte." Mit Pragmatismus, Bodenständigkeit und „der richtigen Erfahrung ist Cem genau der Richtige für dieses Amt": Müller meint: „Er nimmt die ganze Gesellschaft in den Blick und ist Schwabe durch und durch." Auf der Ostalb sei er schon so oft gewesen, dass er die Menschen und ihre Anliegen gut kenne.
Bürgermeister und Freund Volker Grab: Özdemir geht auf die Menschen zu
Ellwangens Bürgermeister und Vorsitzender der Grünen-Kreistagsfraktion, Volker Grab, kennt Cem Özdemir seit rund 30 Jahren. Anfang der 90er saßen die beiden Realos erstmals bei einer Grünen-Veranstaltung gemeinsam in der Ellwanger „Kanne“ – damals noch zusammen mit einer Handvoll Zuhörer. Seitdem pflegen die beiden Männer ein gutes Verhältnis. Dank Grabs Unterstützung konnte der Kreisbauernverband Özdemir als Bundeslandwirtschaftsminister Anfang dieses Jahres wieder nach Ellwangen lotsen – dieses Mal zum Kalten Markt, wo sich der Politiker persönlich der teils harschen Kritik der Bauern stellte.
Genau das sei es, was Özdemir letztlich auch auszeichnet, findet Grab: „Cem Özdemir geht auf die Menschen zu, er hört sie an und er nimmt ihre Anliegen ernst.“ Er sei deshalb „der genau richtige Spitzenkandidat“ für die Grünen in Baden-Württemberg. „Ich freue mich wirklich sehr über seine Kandidatur. Ich hatte gehofft, dass er diese Verantwortung übernimmt und bereit ist, nach Baden-Württemberg zurückzukehren“, so Grab im Gespräch mit unserer Redaktion.



