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Autokonzern Mercedes-Benz stellt den Vertrieb um. Das hat offenbar auch Auswirkungen auf rund 60 Niederlassungen und 8.000 Mitarbeiter in Deutschland.
Stuttgart - Beim ältesten Autokonzern der Welt ist derzeit einiges im Wandel. Mercedes-Benz richtet sich immer deutlicher auf die E-Mobilität aus und hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, in diesem Jahr die wichtigsten Motorenwerke auf Elektro umstellen zu wollen. Zudem soll sich auch im Vertrieb des Stuttgarter Autobauers viel ändern. Wie aktuell mehrere Medien übereinstimmend berichten, erwägt Mercedes-Benz, alle verbleibenden Niederlassungen in Deutschland zu verkaufen, wovon rund 8.000 Mitarbeiter betroffen wären.
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Bereits Mitte 2022 hatte Mercedes-Benz erklärt, die Verkaufsflächen deutlich reduzieren zu wollen. Stattdessen sollten „Online-Autohäuser“ ans Netz gehen. Laut dem Autobauer selbst betreibt Mercedes derzeit über 60 Niederlassungsstandorte „von Lübeck bis München“, die laut den Medienberichten nun allesamt auf dem Prüfstand stehen sollen. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigte der Konzern, dass auch renommierte Händlergruppen davon nicht ausgeschlossen sein sollen.
Mercedes-Betriebsratschef kritisiert Pläne - „Schlag ins Gesicht“
In der modernen Welt sind Autos bequem online konfigurier- und bestellbar, was für die klassischen Autohäuser immer mehr zum Problem wird. Der von Mercedes-Benz angepeilte Verkauf der rund 60 Niederlassungsstandorte bedeutete aber nicht, dass diese geschlossen werden, machte der Konzern deutlich. Zudem wollen sich die Stuttgarter auch an die sogenannte „Zusi 2030“ halten, die betriebsbedingte Kündigungen für einen Großteil der Mitarbeiter in Deutschland bis 2029 ausschließt. Demnach werden die rund 8.000 Mitarbeiter der Niederlassungen nicht ihren Job verlieren, sondern sollen von neuen Eigentümern übernommen werden.
Mercedes-Betriebsratschef Ergun Lümali, der bereits einen Kündigungsschutz bis 2035 gefordert hatte, kritisiert die Pläne des Konzerns dennoch. „Nach Jahren des Verzichts und damit einhergehend zahlreicher Zugeständnisse seitens der Beschäftigten sind die Niederlassungen profitabel und leisten ihren Beitrag zum Konzernergebnis“, erklärte er und bezeichnete die Pläne deshalb als „Schlag ins Gesicht“ der Angestellten. Gerade in Zeiten der Transformation bräuchten die Beschäftigten Rückhalt, Konstanz und Zuversicht.
Mercedes-Benz will Prüfung für jede Niederlassung einzeln vornehmen
Mercedes-Benz will nach eigenen Angaben seine Niederlassungen in Deutschland nicht nur an reine Finanzinvestoren verkaufen, zudem werde die Prüfung ergebnisorientiert und für jede Niederlassung einzeln vorgenommen. Die Schwaben konzentrieren sich seit einiger Zeit verstärkt auf den Luxusbereich und können dabei große Erfolge erzielen. Dauerkonkurrent BMW kann Mercedes im Luxussegment nicht das Wasser reichen. Dementsprechend müssen aber auch potenzielle Käufer der Autohäuser gewisse Qualifikationen mitbringen, unter anderem eine ausgewiesene Expertise und ein langfristiges unternehmerisches Konzept sowie nachhaltige Investitionsbereitschaft und die Aufgeschlossenheit gegenüber Arbeitnehmervertretungen.
Wie das Manager Magazin berichtet, hat der Aufsichtsrat den Überprüfungsplänen bereits zugestimmt. Die Manager der Mercedes-Autohäuser sollen kurzfristig nach Stuttgart einberufen werden, wo ihnen erklärt werden soll, wie sie die Folgen für die Mitarbeiter einordnen sollen. Zustimmen muss allerdings noch der Betriebsrat des Weltkonzerns, was angesichts der Reaktion von Ergun Lümali wohl weniger reibungslos verlaufen dürfte. Mercedes-Benz hatte bereits vor rund 10 Jahren mehrere Autohäuser in Ostdeutschland an externe Gruppen verkauft und setzt diesen Weg nun offenbar konsequent fort.
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