VonBernhard Hamppschließen
Kurt Abele, Joachim Bläse, Frederick Brütting, Katja Maier, Claudia Prusik und Jochen Wörner sammeln beim Neujahrsempfang der VR-Bank Ostalb Ideen, wie sich der Fachkräftemangel stemmen lässt.
Aalen. Wenn die VR-Bank Ostalb Gäste aus Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben zum Neujahrsempfang in den Aalener Kulturbahnhof lädt, stehen große gesellschaftlichen Themen auf dem Programm. In diesem Jahr diskutierte das Podium über „Personal als Erfolgsfaktor.“ Denn: Der Wirtschaft gehen die Fachkräfte aus, spätestens, wenn in einigen Jahren die Baby-Boomer in Rente gehen. „Die Uhr tickt ganz brutal, und ich habe Angst, dass wir auch das Thema demografischer Wandel verpennen, so wie wir Digitalisierung und Dekarbonisierung verpennt haben“, brachte es Podiumsgast und Landrat Dr. Joachim Bläse auf den Punkt.
Jedes Jahr 100 neue Mitarbeitende einstellen
Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting hinterlegte den Trend mit Zahlen: Etwa die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seiner Stadtverwaltung ist über 50: „Um die Abgänge auszugleichen, müssen wir ab sofort jedes Jahr circa 100 Kolleginnen und Kollegen neu einstellen.“ Kurt Abele, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank-Ostalb, moderierte das Forum. Auch seine eigene Branche werde nicht mehr von Bewerberinnen überrannt, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall gewesen sei: „Die Attraktivität und das öffentliche Ansehen des Bankberufs haben inzwischen abgenommen“, sagte er. Gemeinsam mit den Diskutantinnen und Diskutanten machte er sich auf die Suche nach konkreten Lösungsvorschlägen. Wie kann Nachwuchs auch für vermeintlich unattraktive Berufe gewonnen werden?
Vermeintlich unpopuläre Berufe vorstellen
Zunächst, in dem klar wird, dass diese Beruf gar nicht unattraktiv sind: „Wir können stolz sein auf unseren Job, in dem wir uns tagtäglich bemühen, Herzenswünsche unserer Kunden zu erfüllen“, verdeutlichte Abele. Auch Claudia Prusik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit Aalen, ist hier mit von der Partie: „Wir planen eine Woche in unserem Berufsinformationszentrum, in dem wir nur vermeintlich unpopuläre Berufe vorstellen“, sagte sie.
Ohne Zuwanderung geht's nicht
Für das Handwerk saß Katja Maier, Zimmerermeisterin in Lippach und Kreishandwerksmeisterin, auf dem Podium. Sie berichtete von erfreulicherweise steigenden Azubi-Zahlen im Handwerk. Das reiche aber längst nicht aus: „Wir müssen etwas tun und ohne Zuwanderung schaffen wir das nicht“, sagte sie. Gerade die kleinen Handwerksbetriebe hätten als Arbeitgeber unschätzbare Vorteile: „Viele Handwerksbetriebe auf der Ostalb haben ja Angst, dass ihre Beschäftigten von Zeiss abgeworben werden“, erzählte die Praktikerin. Das Plus dieser kleinen Betriebe sei jedoch, dass sie viel individueller und persönlicher auf die Mitarbeiter zugehen könnten als ein Großkonzern. Oft mache die Unternehmenskultur den Unterschied aus, so Kurt Abele.
Jochen Wörner. Leiter der Kaufmännischen Schule Aalen, wies auf die wichtige Rolle der Ausbildungsmessen hin.
Was bringt eine Vier-Tage-Woche?
Wie Automatisierung und Digitalisierung einen ersten Beitrag gegen den Fachkräftemangel leisten können, skizzierte OB Brütting: Im Eisregen der vergangenen Tage sind vernetzte Glättesensoren und Meldeanlagen zum Einsatz gekommen: „So konnte der Winterdienst schon abends streuen und musste nicht nachts raus.“ Im Bauhof der Stadt gilt im Sommer nun alle zwei Wochen die Vier-Tage-Woche, wie der Schultes berichtete: „Der Impuls kam vom Personalrat, das war problemlos möglich.“
Kritische Wortmeldung
Kritisch meldete sich in der anschließenden Fragerunde der Aalener Unternehmer Mattias Seydelmann aus dem Publikum zu Wort: „Wenn alle eine Vier-Tage-Woche einführen, geraten wir in einen Teufelskreis“, sagte er. Angesichts der demografischen Entwicklung müsse künftig von allen wieder mehr, nicht weniger gearbeitet werden.
Zuversicht ist die Botschaft der VR-Bank
„Mit Begeisterung und Zuversicht geht es leichter“, sagte VR-Bank-Vorstandsvorsitzender Kurt Abele zur Begrüßung: „Wir können stolz auf unsere Arbeit, unser Unternehmen und unsere Region sein.“ Zur zuversichtlichen Neujahrsbotschaft passte, dass sich die VR-Bank-Genossenschaftsmitglieder nach einem „ordentlichen Jahr 2023“ auf eine „spürbare Anhebung der Dividende“ freuen dürfen.

