OB Dambacher zum Varta-Stellenabbau: „Eine ganz bittere Pille“

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Varta, Zentrale, von oben. Der Batteriehersteller Varta wird nach eigenen Angaben in den kommenden zwei Jahren 390 Stellen in Ellwangen, Dischingen und Nördlingen streichen.
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Ellwangens Oberbürgermeister und die vier Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen äußern sich zum geplanten Stellenabbau beim Batteriehersteller Varta.

Ellwangen. Der Batteriehersteller Varta wird in den kommenden zwei Jahren 390 Arbeitsplätze abbauen. Betroffen sind die drei Standorte Ellwangen, Nördlingen und Dischingen. Unsere Zeitung fragte OB Michael Dambacher und die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen nach einer Einschätzung.

Der Ellwanger Oberbürgermeister reagierte am Mittwoch betroffen. „Das ist eine ganz bittere Pille, vor allem für die Mitarbeiter, die nun ihren Job verlieren werden“, so Dambacher. Gleichwohl käme die Entscheidung für die Stadtverwaltung nicht überraschend. Man habe in den letzten Monaten im engen Kontakt mit der Unternehmensleitung gestanden. Eine „Restrukturierung“ der Varta sei dringend geboten und würde jetzt auch vollzogen. „Das wird ein harter, steiniger Weg. Aber ich bin froh, dass er eingeschlagen wird. Damit setzen sowohl der Konzern als auch die beteiligten Banken das wichtige Signal, dass es weitergeht“, unterstreicht Dambacher mit Nachdruck. Das Unternehmen müsse sich jetzt breiter aufstellen, um wieder in die Erfolgsspur zu finden.

Für die betroffenen Mitarbeiter, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren werden, sieht Dambacher grundsätzlich gute Chancen, in Ellwangen schnell eine neue, adäquate Beschäftigung zu finden.

Ähnlich wie der OB lassen sich auch die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen ein. Herbert Hieber (SPD) sprach von einer „ganz schlimmen Nachricht für alle betroffenen Mitarbeiter der Varta“. Gleichwohl ist er auch davon überzeugt, dass das Unternehmen wieder zum Erfolg zurückfinden kann - schließlich agiere die Varta in dem wichtigen Zukunftssegement der Speichertechnologie.

Für Armin Burger (CDU) ist die Varta  „ein Stück Ellwangen“, auf das man in der Stadt immer stolz gewesen ist. Umso bedauerlicher sei nun diese Entwicklung. Es sei tragisch, dass - „wie so oft in wirtschaftlichen Krisenzeiten“ - viele Beschäftigte aufgrund des Kostendrucks ihren Arbeitsplatz verlieren werden, teilt Burger mit. Er fordert in diesem Zusammenhang, dass die Kündigungen „sozial ausgewogen“ erfolgen; ein Sozialplan müsse aufgestellt werden.

„Mit großer Bestürzung“ haben auch die Ellwanger Grünen den geplanten Stellenabbau bei der Varta zur Kenntnis genommen, erklärt der Fraktionsvorsitzende Berthold Weiß. Die Grünen betrachteten die Entwicklung seit vielen Monaten „mit großer Sorge“. Der Investitionsstopp an den Standorten Nördlingen und Ellwangen lasse auf größere Schwierigkeiten „in der Grundausrichtung“ des Unternehmens schließen, so Weiß. Die Stadt Ellwangen müsse sich indes auf einen schmerzhaften Ausfall bei den Gewerbesteuereinnahmen einstellen - und das „bei einer extrem angespannten kommunalen Haushaltslage“. Weiß erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die umstrittene Erweiterung des Gewerbegebiets Neunheim für eine ursprünglich geplante Fertigungsstraße der Varta erfolgt sei.

Gunter Frick (Freie Wähler) teilt mit, dass seine Fraktion die Situation „außerordentlich bedauert“ - zumal mit der aktuellen wirtschaftlichen Schwäche mindestens vorübergehend ein wichtiger Arbeitgeber zurückfällt und gleichzeitig ein Auftraggeber für das hiesige Handwerk und Dienstleister fehle. Negative Auswirkungen habe das „natürlich“ auf die Kaufkraft im Einzelhandel und die Steuereinnahmen der Stadt. „Deshalb können wir alle nur hoffen, dass Varta bald wieder auf Kurs ist.“

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