USA statt The Länd

Drohender „Rückschlag“ für Baden-Württemberg: Baut Porsche seine neue Batteriefabrik doch im Ausland?

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Porsche könnte seine Fabrik für Hochleistungs-Batteriezellen doch nicht wie geplant in Baden-Württemberg, sondern im Ausland errichten. Das legen zumindest Medieninformationen nahe.

Stuttgart/Reutlingen - Mit dem vollelektrischen Sportwagen Taycan ist Porsche mit großem Erfolg in das Zeitalter der Elektromobilität gestartet und plant, die gesamte Produktpalette nach und nach zu elektrifizieren. Vor wenigen Tagen präsentierten die Stuttgarter nach einiger Verzögerung das elektrische Pendant zum Erfolgs-SUV Macan. Bislang stammen die Batterien für die E-Autos hauptsächlich von Mutterkonzern Volkswagen, Porsche hat aber bereits im Jahr 2021 angekündigt, zusammen mit dem Joint-Venture Cellforce eine Fabrik für Hochleistungs-Batteriezellen in Baden-Württemberg errichten zu wollen.

Im Sommer 2021 hatte Porsche-Chef Oliver Blume, der inzwischen auch den gesamten VW-Konzern leitet, in Beisein von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) die Pläne für eine eigene Batteriefabrik erläutert. Der Regierungschef hatte betont, dass wer die moderne Speichertechnologie beherrsche, auch „Wohlstand und Arbeitsplätze“ sichern könne. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (faz) soll die Batteriefabrik von Cellforce, inzwischen ein 100-prozentiges Tochterunternehmen von Porsche, aber doch nicht in Baden-Württemberg, sondern in den USA errichtet werden.

Baden-Württemberg setzt große Hoffnung in Porsche-Batteriefabrik – „sichert qualifizierte Arbeitskräfte“

Die ursprünglichen Pläne für eine Batteriefabrik von Porsche in Baden-Württemberg sahen eine Kooperation mit Customcells, einem Batteriehersteller mit Sitz in Tübingen, vor. „Beim Elektroauto kommt der Batterie eine tragende Rolle zu, deswegen ist es für Porsche wichtig, leistungsfähige Batterien zu haben“, hatte Porsche-Vorständin Barbara Frenkel im BW24-Interview erklärt. „Mit unserem Joint Venture Cellforce in Reutlingen peilen wir voraussichtlich ab Ende 2024 eine Kapazität von mindestens 1.000 MWh pro Jahr an.“ Inzwischen ist Customcells aber aus dem Joint-Venture ausgestiegen und Porsche hat Cellforce vollständig übernommen.

Name Cellforce Group GmbH
Gründung 21. Mai 2021 als Joint Venture von Porsche und Customcells
Sitz Tübingen, Baden-Württemberg
Branche Batterieproduktion
Tätigkeit Entwicklung und Produktion von Hochleistungs-Lithium-Ionen-Zellen für Automobilanwendungen
Zugehörigkeit Tochter-Unternehmen der Porsche AG (seit Mitte 2023)

Die Bundesrepublik Deutschland und das Land Baden-Württemberg hatten das Pilotprojekt bei Reutlingen mit rund 60 Millionen Euro gefördert. „Baden-Württemberg wird mehr und mehr zu einem Batteriehotspot und sichert somit qualifizierte Arbeitskräfte an einem hochinnovativen Standort“, hatte der damalige Staatssekretär Thomas Bareiß bei der Gründung der Cellforce-Gruppe gesagt. Der Pilotanlage soll eine Gigafactory mit einer Kapazität von bis zu 20 Gigawattstunden folgen. Dass diese nicht wie erwartet auch in Baden-Württemberg, sondern in den USA errichtet werden könnte, wäre ein herber Rückschlag für den Südwesten.

Entscheidung zu Standort der Customcell-Batteriefabrik soll in Kürze getroffen werden

Den Informationen der faz zufolge soll eine endgültige Entscheidung zum Standort der Fabrik für Hochleistungs-Batteriezellen in Kürze getroffen werden. Dass die VW-Tochter die Fabrik nach Nordamerika verlagern könnte, macht aus wirtschaftlicher Sicht allerdings Sinn. Zum einen locken die USA durch Subventionen, zum anderen würden die derzeitigen Energiepreise in Deutschland den Betrieb immens kostspielig machen. Deshalb hat auch Maschinenbauer Stihl seine Neubaupläne in Ludwigsburg gestrichen und überlegt, die geplante Fabrik in der Schweiz zu errichten.

Die Batteriefabrik von Porsche-Tochter Cellforce könnte in den USA statt in Baden-Württemberg entstehen.

Im Wirtschaftsministerium hofft man aber offenbar weiterhin, dass die Fabrik von Cellforce in Kirchentellinsfurt errichtet wird. „Wenn die Ansiedlung nicht in Baden-Württemberg stattfindet, ist dies ein Rückschlag“, erklärte ein Sprecher der faz. Porsche selbst erklärte, dass sich die Pilotanlage bei Reutlingen weiterhin im Bau befinde und eine Fertigstellung bis Mitte des Jahres anvisiert werde. „Die Porsche AG prüft gemeinsam mit der Cellforce Group dar­über hinaus eine potenzielle Skalierung auf mehr als 20 Gigawatt an einem zweiten Standort“, erklärte ein Sprecher. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Die Hochleistungs-Batteriezellen, die Cellforce für Porsche produzieren wird, sind für den Einsatz im Motorsport und in Hochleistungsfahrzeugen gedacht. Die Kompetenz bleibt demnach in Baden-Württemberg, der erhoffte Wohlstand und die Arbeitsplätze würden durch die Ansiedlung in den USA, aber außerhalb des Landes entstehen. Auch der schwäbische Batteriekonzern Varta hatte Ende 2022 aus Kostengründen die Reißleine bei einer geplanten E-Auto-Batteriefabrik gezogen.

Rubriklistenbild: © Porsche AG

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