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Die lange geplante Chipfabrik von ZF Friedrichshafen und Wolfspeed im Saarland verzögert sich. Das hat einen entscheidenden Grund.
Friedrichshafen/Saarlouis - Der hoch verschuldete Technologiekonzern ZF Friedrichshafen wurde in jüngerer Zeit dafür kritisiert, in Fabriken im Ausland zu investieren, während deutsche Standorte geschlossen werden sollen. Der schwäbische Autozulieferer plant allerdings in Kooperation mit dem US-Halbleiterhersteller Wolfspeed seit langem eine hochmoderne Chipfabrik auf heimischem Boden, die rund 1.000 neue Arbeitsplätze schaffen soll. Geplant ist der Neubau im saarländischen Ensdorf nahe der Großstadt Saarlouis. Einem Medienbericht zufolge verzögert sich das engagierte Vorhaben allerdings.
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Die ZF Friedrichshafen ist einer der größten Autozulieferer Welt und befindet sich wie auch Bosch, Mahle und Co. mitten in der Transformation zur E-Mobilität. Bosch hatte Ende 2021 eine hochmoderne Chipfabrik in Dresden eröffnet, ZF setzt bei den obligatorischen Bauteilen der E-Mobilität dagegen auf eine Partnerschaft mit dem US-Branchenführer. Genau der stellt sich nun aber offenbar quer. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (faz) berichtet, fordert Wolfspeed weitere Subventionen.
Chipfabrik von ZF und Wolfspeed im Saarland auf der Kippe – US-Hersteller will mehr Geld
Die Saar-Wirtschaft hat derzeit mit so einigen Herausforderungen zu kämpfen. Der US-Autoriese Ford will seinen Standort in Saarbrücken mit tausenden Arbeitsplätzen schließen und auch am Standort der ZF Friedrichshafen in der saarländischen Landeshauptstadt gibt es immer wieder die Angst vor Stellenabbau. Die „weltweit modernste und größte 200-mm-Siliziumkarbid-Halbleiterfertigung“ von ZF und Wolfspeed in Ensdorf, die eben tausende neue Arbeitsplätze im Saarland schaffen soll, ist demnach auch ein Hoffnungsschimmer. Die Saar-Regierung hat bereits 155 Millionen Euro zugeschossen, weitere 360 Millionen Euro kommen vom Bund. Doch das US-Unternehmen will offenbar mehr.
European Chips Act
Das europäische Chip-Gesetz trat nach Billigung durch das EU-Parlament am 21. September 2023 in Kraft und soll zur Stärkung und Verwirklichung des digitalen und ökologischen Wandels beitragen. Die EU mobilisiert dafür 43 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Maßnahmen und verfolgt mit dem Gesetz die folgenden Ziele:
- den Ausbau der europäischen Führungsrolle in Forschung und Technik auf dem Weg zu kleineren und schnelleren Chips.
- die Schaffung eines Rahmens für die Steigerung der Produktionskapazitäten auf 20 Prozent des Weltmarkts bis 2030.
- den Auf- und Aufbau der Innovationsfähigkeit in den Bereichen Entwurf, Herstellung und Packaging hochmoderner Chips.
- die Erlangung eines umfassenden Verständnisses der globalen Halbleiter-Lieferketten.
- die Beseitigung des Fachkräftemangels, Anziehen neuer Talente und Förderung der Heranbildung qualifizierter Arbeitskräfte.
(Quelle: commission.europa.eu)
Die Chipfabrik im Saarland wird von Wolfspeed realisiert und soll rund 2,75 Milliarden Euro kosten. Die ZF Friedrichshafen steuert nach Angaben einer früheren Mitteilung einen dreistelligen Millionenbetrag bei und erhält im Tausch Wolfspeed-Aktien und damit eine Minderheitsbeteiligung an der Fabrik. Wie die faz berichtet, fordert Wolfspeed vor dem Spatenstich aber mehr Geld und hat zusätzlich zu den bereits genannten Subventionen Hilfen aus dem „European Chips Act“ beantragt. Aus Konzernkreisen soll es sogar geheißen haben, dass das ganze Projekt nicht realisiert werden könne, sollte das US-Unternehmen nicht mehr Geld bekommen.
Saar-Regierung für mehr Zuschüsse offen, ZF zeigt sich weiterhin positiv
Eigentlich war der Baubeginn der Halbleiterfabrik in Ensdorf nach langer Planungsphase im Sommer 2024 geplant. Inzwischen heißt es jedoch, dass ein Spatenstich frühestens 2025 zu erwarten sei, der Produktionsbeginn ist für 2027 angesetzt. Die Saar-Regierung zeigt sich dennoch positiv und erklärte auf Anfrage der faz, weitere Zuschüsse zahlen zu wollen, sofern Wolfspeed einen entsprechenden Antrag stelle und dieser genehmigt werde. Auch die ZF Friedrichshafen rechnet trotz Verzögerungen weiterhin mit der Realisierung des Projektes. „Wir sind optimistisch“, erklärte ein Sprecher.
Wie wichtig Halbleiterkomponenten für die Autoindustrie sind, zeigte sich in den vergangenen Jahren durch die Konsequenzen der Chipkrise mehr als deutlich. Aufgrund eines Lieferengpasses konnten weltweit tausende Autos und Nutzfahrzeuge nicht fertig produziert werden. „Wenn auch nur ein kritischer Chip fehlt, können wir das Auto in der Regel nicht fertig bauen“, hatte Porsche-Vorständin Barbara Frenkel im BW24-Interview in Bezug auf die Auswirkungen auf den Absatz des elektrischen Sportwagens Taycan erklärt.
Chipfabriken wie die von Bosch in Dresden oder der erst kürzlich von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Heide (Schleswig-Holstein) eröffneten Halbleiterfabrik des schwedischen Unternehmens Northvolt sind demnach integrale Bestandteile der Transformation. Durch das hochmoderne Werk im Saarland hofft die Bundesregierung nach früheren Medienberichten, weitere ausländische Hersteller von Investitionen in Deutschland überzeugen zu können.
Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen AG

