Interview

Kiesewetter nach Pöbel-Attacke: "Ich bin schon ein wenig konsterniert"

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Schockmoment am Samstagmorgen (01. Juni) auf dem Aalener Wochenmarkt: CDU-Politiker Roderich Kiesewetter wurde nicht nur verbal attackiert, sondern auch geschlagen.

Aalen. Auch Stunden nach der Attacke in direkter Nähe eines Wahlkampfstandes der CDU in Aalen ist Roderich Kiesewetter (60) schockiert. Im Interview erklärt der Bundestagsabgeordnete, wie es dazu kam, berichtet von seinen Verletzungen und reicht dem mutmaßlichen Täter dennoch die Hand.

Herr Kiesewetter, Sie hatten einen turbulenten Vormittag: Was ist passiert?
Roderich Kiesewetter: Am Infostand der CDU kam jemand und hat sich sehr echauffiert über die Ukraine-Politik. Ich persönlich wurde verbal attackiert, als Kriegstreiber beschimpft, dann angerempelt. Ich wusste nicht, wer die Person gewesen ist. Als ich ihm sagte, er solle aufhören, riss er das Dach am Wahlkampfstand mit. Ich wollte dann eine Aufnahme von ihm machen und bin ihm hinterher. Als er das sah, schlug er auf mich ein und drückte mich in ein Hochbeet und fügte mir auch Schürfwunden zu.

Haben Sie sich gewehrt?
Kiesewetter: Nein, ich habe aber den Vorgang aufgenommen. Kurz danach kam auch schon die Polizei, der ich angeboten habe, dass ich von einer Anzeige absehe, wenn sich die betreffende Person entschuldigt. Jetzt warte ich ab, ob es der Polizei gelingt, den Mann zu einer Entschuldigung zu bringen.

CDU-Politiker Roderich Kiesewetter: Schürfwunden an Hand und Schienbein

Wie schwer sind Ihre Verletzungen?
Kiesewetter: Es ist nichts Wildes, es sind nur Schürfwunden an der Hand und am linken Schienbein. An der Hand hat es ein bisschen geblutet. Es ist okay.

Die Polizei spricht von einem der Polizei bekannten Bürger Aalens.
Kiesewetter: Ich habe erst hinterher erfahren, wer der Mann gewesen ist. Ich bin sehr erstaunt, in welcher Szene er sich aufhalten soll. Offensichtlich gehört er zu denen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland infrage stellt. Aber die genauen Hintergründe muss die Polizei klären. Was ich auch nicht wusste, ist, dass er Kandidat für den Aalener Gemeinderat ist. Das ist schon ein eigenartiges Demokratie-Verständnis.

Roderich Kiesewetter: Scheue nicht die politische Auseinandersetzung

Ist Ihnen eine derartige Attacke schon einmal widerfahren?
Kiesewetter: Nein, das ist das erste Mal, dass ich körperlich attackiert wurde.

Wie betroffen macht Sie das?
Kiesewetter: Ich bin schon ein wenig konsterniert, da ich die politische Auseinandersetzung auch nicht scheue. Aber wenn es von vorneherein auf Gewalt ausgelegt ist, Anrempler, Schläge und das Zufügen von Schürfwunden, dann ist das jenseits eines sinnvollen Verhaltens. Das ist völlig daneben.

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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