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Der Marienbrunnen am Marktplatz ist ein Sanierungsfall. Warum sich dort der Rost so ausbreiten kann. Unter anderem ein wichtiges Datum sorgt für Zugzwang.
Schwäbisch Gmünd. Der Marienbrunnen, gefühlter Mittelpunkt der Stadt Schwäbisch Gmünd, ist in Gefahr. Der Rost nagt am Mantel des eisernen Bauwerks aus dem 18. Jahrhundert. Ein meterlanger fingerbreiter Riss im Bereich der Brüstung lässt Fachleute nichts Gutes erahnen. Unter dicken Lackschichten aus mehreren „Restaurierungen“ zerbröselt das Wahrzeichen des Marktplatzes.
Gmünder Marienbrunnen wurde "nicht immer mit dem nötigen Fachwissen bearbeitet"
Stadt und Denkmalschützer sind alarmiert und bereiten eine echte Sanierung vor. In der Vergangenheit, darauf hat Denkmal-Experte Rolf-Dieter Blumer schon im vergangenen Jahr hingewiesen, „wurde der Brunnen nicht immer mit dem nötigen Fachwissen bearbeitet“. Um Zuschüsse vom Landesamt für Denkmalschutz und der Denkmalstiftung zu erhalten, muss ein Gutachten vorliegen. Das wird in diesen Tagen fertiggestellt. Fachleute rechnen damit, dass für eine dauerhafte Sicherung des Brunnens die Marke von 100.000 Euro überschritten wird. Deutlich mehr, als die Sanierung des Löwenbrunnens am Münster vor sieben Jahren gekostet hat.
Da ist das Problem: Bei Reparaturen in früheren Jahren wurden wohl Edelstahl und Eisen mit unterschiedlicher Legierung zusammengeschweißt. „Das verträgt sich nicht“, sagt Rolf-Dieter Blumer, viele Jahre im Landesamt für Denkmalpflege Fachmann für Metallobjekte.
Auch eine Überarbeitung der Brüstung vor 15 Jahren brachte keinen Erfolg. Und in der Zeit vor dem Umbau des Marktplatzes zur Fußgängerzone wurde wegen des Autoverkehrs auch noch reichlich Salz gestreut. Das dürfte dem eisernen Brunnen nach Einschätzung von Rolf-Dieter Blumer schon damals zugesetzt haben. Kritisch sehen Fachleute auch die Befestigung der Blumenkästen am Brunnen. Im Bereich der Rohrstützen könnte durch die Dauerbefeuchtung zusätzlich Rost entstehen.
Spendenaktion für den Brunnen in Planung
Unterstützung für die Sanierung soll auch von der Bürgerstiftung Schwäbisch Gmünd kommen. „Die Planungen für eine große Spendenaktion für den Marienbrunnen laufen auf Hochtouren“, sagt der Geschäftsführer der Stiftung, Thilo Störzer. Er erinnert an das Engagement vieler Gmünderinnen und Gmünder bei der Sanierung des Löwenbrunnens. Damals kamen 72.500 Euro Spenden zusammen.
Störzer geht davon aus, dass es auch diesmal wieder Aktionen in der Öffentlichkeit geben wird, um Spenden einzuwerben. Aktuell ist die Bürgerstiftung an vielen Projekten der Stadt beteiligt. Sie bringt sich für die Restaurierung des Wegkreuze an der Waldstetter Brücke ein, für die Platzgestaltung vor dem Schattenmuseum und den Schattenbaum, für die Restaurierung des Löwen im Stadtgarten.
Spätestens 2025 soll der Marienbrunnen grundlegend saniert werden. Auch wegen eines wichtigen Datums im Jahr darauf: dann wird der Marienbrunnen in seiner heutigen Form 250 Jahre alt.
Marienbrunnen – was daran selten ist
Der Marienbrunnen war wie der Löwenbrunnen früher Teil der Wasserversorgung in Schwäbisch Gmünd. Heute ist der Brunnen auf dem Marktplatz beliebtes Fotomotiv. Denkmalforscher Richard Strobel hat den Marienbrunnen in den Gmünder Bänden der Serie „Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg“ ausführlich beschrieben.
„Die Madonna fällt auf wegen ihrer zwei Bildseiten, die verschiedene Typen darstellen“, heißt es dort. Nach Norden die „Maria Lauretana“, nach dem in Loreto verehrten Gnadenbild. Nach Süden ist das die „Immaculata“ mit gefalteten Händen. Sie tritt auf den Kopf der Schlange, die die Erdkugel umwindet. Die Statue sei „wahrzeichenhaft als gegenreformatorischer Impuls der Altgläubigkeit und Weihe der Stadt an Maria errichtet worden“.
Die Doppelfigur habe Seltenheitswert, als Brunnenstatue sei sie einmalig. Geschaffen wurde sie im frühen 18. Jahrhundert. Die Brunnensäule ist nach dem Original von Kaspar Vogt d.Ä. (spätes 16. Jahrhundert) 1983 kopiert worden. Der eiserne Brunnenkasten stammt aus dem Jahr 1776. Immer wieder wurde der Marienbrunnen restauriert, zuletzt 1961 und 1983.

