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In Baden-Württemberg gibt es so einige interessante Orte zu entdecken. Eine gotische Kapelle auf einer Insel kann aber nur aus der Ferne betrachtet werden.
Ludwigsburg - In Baden-Württemberg gibt es einige sogenannte „Lost Places“. Der bekannteste dürfte das ehemalige Grand Hotel Waldlust in Freudenstadt sein. Auf der Schwäbischen Alb gibt es beispielsweise ein ehemaliges Albdorf, von dem heute nur noch zwei Gebäude übrig sind. Zudem finden sich auch in der Region Stuttgart geheimnisvolle Orte, zum Beispiel in der Barockstadt Ludwigsburg. Besonders bekannt ist das größte unzerstörte Barockschloss Deutschlands, das Schloss Ludwigsburg. Etwas außerhalb der Stadt befindet sich mit dem Seeschloss Monrepos ein weiteres imposantes Bauwerk.
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Das Seeschloss „Monrepos“, französisch für „Meine Ruhe“, wie es auf der Seite visit.ludwigsburg.de heißt, wurde zwischen 1758 und 1764 unter Herzog Carl Eugen von Württemberg errichtet. Ihm sind viele Schlösser in ganz Baden-Württemberg zu verdanken. Vielleicht aber noch interessanter als das Schloss selbst ist eine künstlich angelegte Insel im See hinter der Rückfassade, auf der eine gotische Kapelle steht, die ihren Ursprung in Stuttgart hat. Die Kapelleninsel bei Ludwigsburg darf allerdings nicht betreten werden.
Von den Hohenheimer Gärten nach Ludwigsburg: Die gotische Kapelle bei Schloss Monrepos
Kirchen im Gotikstil üben bis heute eine ganz besondere Faszination und Erhabenheit aus. In Baden-Württemberg gibt es mit dem höchsten Kirchturm der Welt, dem Ulmer Münster, und dem „schönsten Turm auf Erden“, dem Münster in Freiburg, zwei bekannte Beispiele. Die Kapelle auf der Insel im See Monrepos bei Ludwigsburg ist einer solchen gotischen Kirche nachempfunden, allerdings im Maßstab 1:4 erbaut worden. Der Bau begann ursprünglich im Jahr 1787, wurde aber erst zehn Jahre später beendet. Ursprünglich stand die Kapelle im Englischen Dorf in den Gärten der Universität Hohenheim in Stuttgart.
Im Jahr 1803 wurde die Kapelle auf die Insel bei Ludwigsburg verlagert und dort auf einem künstlichen Felshügel mit Ausrichtung zum Seeschloss neu errichtet. Aufgrund ihrer Herkunft wird die Kapelle mitunter aber noch immer als „Hohenheimer Kapelle“ bezeichnet, beispielsweise auf der Seite der Stadt Ludwigsburg. Die Kapelle, die aus einem eingeschossigen Langhaus und einem sich daran anlehnenden viereckigen Turm besteht, wurde im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe stark beschädigt und nachfolgend nicht mehr vollständig aufgebaut. Unterhalb der Kapelle auf der Insel soll sich aber bis heute eine düstere, tiefe Grotte befinden.
Bei dieser Angabe gehen die Quellen mitunter deutlich auseinander. In einem Bericht der Bietigheimer Zeitung vom vergangenen Jahr heißt es, der Gewölbebau unterhalb der Kapelleninsel sei noch immer vorhanden. In anderen Quellen wird die „Felsenhalle“ dagegen als einer der Teile der Kapelle bezeichnet, die die Zeiten nicht überdauert haben. Übereinstimmend heißt es jedoch, dass in einer Haupthalle im Gewölbekeller früher zwölf offenbar aus Wachs geformte Figuren zu finden waren, die um einen runden Tisch saßen und Femgericht hielten. Ihre Rüstungen sollen dabei an der Wand gehangen, ihre Waffen auf dem Tisch gelegen haben.
Nur aus der Ferne zu sehen: Kapelleninsel mit Ruine darf nicht betreten werden
Die gotische Kapelle auf der Insel hinter dem Schloss Monrepos bei Ludwigsburg verströmt eine Aura des Mystischen, fast schon Verwunschenen, zu der mehrere Faktoren beitragen. Zum einen ist die Kapelleninsel im Laufe der Jahre von der Natur erobert worden, sodass die teilweise nur noch als Ruine stehende Kapelle aus einem dichten Gestrüpp aus Pflanzen und Bäumen ragt. Dadurch wirkt sie wie ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit. Zum anderen können Besucher zwar mit Booten an der Insel vorbeifahren und sich die Kapelle somit aus der Nähe ansehen, betreten werden darf die Insel aber nicht.
Das hat ebenfalls zwei Gründe. Zum einen ist die Kapelleninsel, genau wie Schloss Monrepos, im Besitz des Hauses Württemberg, das die Begehung aus Sicherheitsgründen untersagt. Zum anderen ist die Insel ein Naturschutzgebiet für verschiedene Vogelarten und darf deshalb nicht betreten werden. Der Blick aus der Distanz auf die teilweise zerstörte gotische Kapelle auf dem See bei Ludwigsburg macht aber wohl den besonderen Reiz aus. In Baden-Württemberg steht im Übrigen auch das einzige Schloss der Welt, das nach einer Romanvorlage erbaut wurde.
Funfact zur Kapelleninsel bei Ludwigsburg
Nördlich der Altstadt der russischen Stadt Wyborg, an der Grenze zu Finnland, liegt ein Landschaftspark, der ebenfalls den Namen Monrepos trägt. Auf einer Gesteinsformation innerhalb des Geländes steht umringt von Bäumen ein burgähnliches Gebäude, das „Kapelle Ludwigsburg“ genannt wird. Der Geschichte zufolge sind der Park und das Schloss Monrepos in Ludwigsburg aber nach dem russischen bzw. zum damaligen Zeitpunkt finnischen Vorbild gestaltet – nicht umgekehrt.
Demnach war der frühere Besitzer des Landschaftsparks und Gouverneur der damals finnischen Stadt Wyborg ein gewisser Friedrich Wilhelm Karl, der später zum ersten König von Württemberg werden sollte. Nach seinem Amtsantritt ließ Friedrich I. das zum damaligen Zeitpunkt unvollendete Schloss und den Park nahe Ludwigsburg in Württemberg nach dem Vorbild des finnischen Schlosses umgestalten. Schließlich gab er ihm auch denselben Namen: Seeschloss Monrepos.
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