Traurige Gewissheit

Warum das Wolfsrudel im Schwarzwald als erloschen gilt

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Mit dem Tod des einzigen Wolfswelpen in Baden-Württemberg stirbt auch die Hoffnung auf ein Wolfsrudel im Südwesten. Das acht Monate alte Jungtier wurde im Dezember von einem Auto erfasst.

Schluchsee - Er war ein Hoffnungsträger für die Wiederansiedlung von Wölfen in der Region, nun ist er tot: Der einzige bekannte Wolfswelpe Baden-Württembergs kam im Dezember 2023 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Nachdem der Welpe im Sommer in eine Fotofalle in der Gemeinde Schluchsee getappt war, herrschte helle Aufregung im Ländle. Erstmals seit 150 Jahren hätte es im Bundesland zu einer Rudelbildung kommen können. Mit dem Tod des Jungwolfs im Schwarzwald starb jetzt auch die Hoffnung auf eine Wolfsfamilie.

Wie die SWR mitteilte, sei der bekannte Welpe „GW3699m“ von einem Auto erfasst worden, als er die Bundesstraße 500 bei Schluchsee (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) überqueren wollte. Der Kadaver des acht Monate alten Wolfes brachte dem Nachrichtenportal zufolge 20 Kilogramm auf die Waage. Besonders tragisch ist sein Tod für Tierschützer auch deshalb, da er als der erste Nachweis von Wolfsnachwuchs in Baden-Württemberg seit 1866 galt. Weil bislang keine weiteren Welpen bestätigt werden konnten, gilt das Schluchsee-Rudel als erloschen.

Der Wolf hat im Schwarzwald landschaftlich ideale Bedingungen, um sesshaft zu werden

Im Schwarzwald hat es 2023 erstmals Nachwuchs bei Wölfen gegeben. Mit dem Tod des einzigen nachgewiesenen Welpen erlischt auch die Hoffnung auf ein Rudel. (Symbolfoto)

Um als Rudel zu gelten, ist neben zwei adulten Tieren mindestens ein Welpe nötig. Die Elterntiere von GW3699m – GW1129m und 2470f – wurden bereits Anfang des Jahres 2023 immer wieder gemeinsam in der Region gesichtet. Das ließ Experten schon damals vermuten, dass sich ein Rudel bilden könnte. Landwirte reagierten mitunter beunruhigt. So fielen die Wölfe im Schwarzwald über Rinder her.

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Liebe im Tierreich: Diese 14 monogamen Tierarten beweisen, dass wahre Liebe kein Auslaufdatum hat

Zwei Ottern kuscheln miteinander.
Bis zu 20 Tiere leben in den Gruppen, die Riesenotter bilden. Davon bringt jedoch nur ein monogames Pärchen Otter-Kinder auf die Welt, die im Anschluss gemeinsam von der Gruppe großgezogen werden. Stirbt einer der beiden Partner, hat das Auswirkungen auf die ganze Gruppe – sie zerbricht. Schuld daran ist die monogame Lebensweise der Otter, die sich bis über den Tod hinaus treu bleiben. In den tropischen Regenwäldern Südamerikas hätte unter anderem diese Eigenschaft beinahe dazu geführt, dass die Riesenotter aussterben. (Symbolbild) © Panthermedia/Imago
Eine Gruppe Erdmännchen, aufrecht stehend und wachsam auf dem Wachposten.
Auch Erdmännchen leben in kooperativen Gruppen zusammen. Ein monogames Pärchen sorgt für den Fortbestand. Als soziale Tiere arbeiten die Erdmännchen eng zusammen, um ihr Revier zu verteidigen und den Nachwuchs aufzuziehen. Etwas unromantisch ist die Handhabung fremder Kinder: Das dominante Pärchen duldet sie nicht und scheut auch vor deren Tötung nicht zurück. © imagebroker/Imago
Zwei Papageien stecken die Köpfe zusammen.
„Lebenslang“ gilt auch unter Papageien. Aufgrund von Geschmack, Charakter und Persönlichkeit verlieben sie sich ineinander. Ist die Entscheidung erstmal getroffen, gilt der Pakt für den Rest ihres Lebens – und das ist gar nicht mal so kurz. Mit einer Lebenserwartung von bis zu 100 Jahren können Papageien sogar älter werden als Menschen. Doch es gibt auch Gerüchte über dreiste Fremdgänger im Reich der bunten Vögel. Papageienmännchen gelten in Liebesbeziehungen als besonders sensibel: Sie trauern einer verlorenen Liebe ihr ganzes Leben lang hinterher. Zudem gehören Papageien neben Delfinen und Menschen zu den einzigen Lebewesen, die individuelle Namen erfinden und Artgenossen damit rufen. Das kommt auch dem Nachwuchs in den Papagei-Kindergärten zugute, in dem er untertags abgeliefert wird. Um ihre Kinder nach KiGa-Schluss wiederzufinden, rufen Papageien sie mit ihren Namen. (Symbolbild) © McPHOTO/Imago
Zwei Wölfe stehen auf einem abgestorbenen Baum und halten gemeinsam Ausschau.
Die ewige Liebe gibt es sogar im Reich der wilden Tiere, denn auch unter Wölfen gibt es Monogamie. Ein Wolfs-Paar bleibt ein Leben lang zusammen und sorgt innerhalb eines Rudels für die Nachkommen. Die älteren unter den Tieren in der sozial organisierten Gruppe helfen anschließend bei der Aufzucht mit. © alimdi/Imago
Schabrackenschakal-Familie mit zahlreichen Jungen in der Savanne.
Der Schabrackenschakal gehört zu den Wildhunden und lebt in der afrikanischen Savanne. Trotz ihrer wilden Herkunft sind die Tiere echte Romantiker: Schabrackenschakale leben monogam, wobei – ähnlich wie bei den Wölfen – nur ein Pärchen pro Rudel den Nachwuchs zeugt. © blickwinkel/Imago
Zwei Pinguine rupfen sich liebevoll gegenseitig das Fell.
Die meisten Pinguinarten wählen ihre Partner für ein ganzes Leben. Zwar führen sie fast das ganze Jahr über eine Fernbeziehung, doch wenn sie sich zur Paarung treffen, sind die beiden Liebenden nicht zurückzuhalten: Das Männchen erwartet seine Geliebte Jahr für Jahr am gemeinsamen Nest. Taucht sie allerdings nicht auf, währt der Liebeskummer nicht lange – und der Verschmähte sucht sich kurzerhand eine neue Frau. Kommt seine langjährige Partnerin dann mit Verspätung nach, hat die Affäre das Nachsehen und wird abserviert. Verläuft die Aufzucht der Küken jedoch nicht reibungslos, steht oft die endgültige Scheidung im Raum. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Eine Kakerlake krabbelt auf einer Pflanze.
Nicht gerade ein Tier, an das man beim Thema Monogamie denken würde: die Kakerlake. Einige der Schaben leben erstaunlicherweise monogam bis an ihr Lebensende – das meist nach weniger als einem Jahr vorbei ist. © Pond5/Imago
Ein Storchenpaar mit Küken im Nest.
Störche bringen nicht nur den Menschen die Kinder, sie sind auch selbst tadellose Eltern. Sie leben außerdem weitgehend monogam. Kehren sie im Frühjahr nach Europa zurück, wird jedes Jahr das gleiche Nest bezogen. Meist ist das Männchen zuerst vor Ort, renoviert den Horst und erwartet seine Gemahlin. Trifft sie endlich ein, findet die Begrüßung durch eine Klapperzeremonie statt, bei der beide ihre Köpfe in den Nacken werfen. Kommt der Storchendame allerdings eine Artgenossin zuvor und verführt ihren Gatten oder stirbt einer der beiden Partner, machen sich Störche erneut auf die Suche nach Gefährten fürs Leben. © imagebroker/Imago
Zwei Biber kümmern sich um ein Jungtier.
Biber leben ebenfalls in treuen Partnerschaften. Erst wenn einer der Partner verstirbt, sucht sich der verwitwete Teil eine neue Liebe. Bis dahin trifft man die großen Nagetiere im Familienverbund, bestehend aus Vater, Mutter und bis zu zwei Jahre alten Kindern, an. Gibt es genügend Raum, bleiben geschlechtsreife Familienmitglieder nach Auszug aus der Kinderstube in der Nachbarschaft. © imagebroker/Imago
Zwei Schwäne bilden mit ihren Hälsen ein Herz.
Ab ihrem dritten oder vierten Lebensjahr legen sich Schwäne nach einer Zeit des freien Turtelns auf einen Partner fest und bleiben ein Leben lang zusammen. Haben Mann und Frau erst gemeinsam gebrütet, kommt das einer Ehe gleich: Von nun an lebt das Paar in absoluter Monogamie. Auch für Alleinstehende ist gesorgt: Single-Männer aus der Familie der Höckerschwäne mögen es nicht, alleine zu sein und leben deshalb in Junggesellen-Gruppen. © Pond5/Imago
Zwei erwachsene Nachtaffen sitzt in einer Baumhöhle und schauen in die Kamera.
Das Deutsche Primatenzentrum konnte 2014 in Bezug auf Nachtaffen Erstaunliches mitteilen: „Wir sind die ersten, die echte Treue bei Affen nachweisen konnten. Überhaupt gibt es nur vier Studien an Säugetieren, die genetische Monogamie zeigen“, sagte Biologin Maren Huck. Demnach würden Nachtaffen streng monogam leben. Zudem seien die Männchen fürsorgliche Väter: „Wenn der Vater sicher sein kann, dass der Nachwuchs seine Gene trägt, dann lohnt es sich auch, viel in die Jungenaufzucht zu investieren“, so Huck. © robertharding/Imago
Ein Seepferdchen-Paar halt sich gegenseitig an den Schwänzen fest.
Auch Seepferdchen führen in der Regel monogame Partnerschaften. Sie halten sich oft gegenseitig an ihren Schwänzen fest und vollführen einen äußerst eleganten Morgentanz. Zwar wurde in Zoos schon der ein oder andere Seitensprung beobachtet, doch in Freiheit im Meer gehen Forscher von absoluter Treue aus. Spannend ist außerdem, dass in dieser Beziehung die Männchen den Nachwuchs zur Welt bringen. © Pond5/Imago
Zwei Albatrosse reiben ihre Schnäbel aneinander.
Eine monogame Beziehung unter Albatrossen kann ganze 20 Jahre dauern. Das mag auch an der Tatsache liegen, dass sich die Partner nur einmal im Jahr sehen. Sie treffen sich nur zur Brutzeit, begehen ein zärtliches Begrüßungsritual und sind den Rest der Zeit im wahrsten Sinne des Wortes vogelfrei. In ihrer Verlobungszeit leben Albatrosse enthaltsam: Erst nach einigen Jahren paaren sie sich das erste Mal. Das könnte Forschern zufolge einer engeren und verlässlichen Bindung dienen. © Pond5/Imago
Zwei Dachse vor ihrem Bau.
Streng monogam leben Dachse zwar nicht, doch oftmals bleiben Weibchen und Männchen ihr ganzes Leben lang zusammen. Gemeinsam mit ihren Jungen bilden Dachse feste Familienverbände und legen unterirdisch riesige Dachsburgen mit mehreren hundert Kammern und Gängen an. © blickwinkel/Imago

Mit seinen dichten Wäldern und weiten Flächen bietet der Schwarzwald ideale Bedingungen für Wölfe. Drei Wolfsrüden und eine Fähe gelten dort derzeit als sesshaft. Als sesshaft gilt ein Wolf, wenn innerhalb von sechs Monaten ein eindeutig zuzuweisender Nachweis gefunden wird. Laut einer Umfrage begrüßt jeder Zweite die Rückkehr der Wölfe in Baden-Württemberg. Panik angesichts der Ausbreitung der Tiere ist in den meisten Fällen unbegründet: So ziehen Wölfe sich in der Regel zurück, wenn sie auf Menschen treffen. Wie man sich bei einer Begegnung richtig verhält, erklärte kürzlich das Landesministerium Niedersachsen.

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