So bewertet Aalens OB Brütting eine mögliche Klinik in Essingen

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Die Gemeinde Essingen möchte sich um einen Klinik-Neubau beim Gewerbegebiet "Stockert" bewerben.
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Der Aalener Oberbürgermeister Frederick Brütting vergleicht Lage, Kosten und Grundbesitz mit der Kombi-Lösung am Ostalbklinikum.

Aalen. Zu einem möglichen Zentralklinikum in Essingen nimmt nun Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting Stellung. Sollte sich der Kreistag für den Neubau eines solchen Krankenhauses entscheiden, könnte es im Stockert bei Essingen entstehen. Der Essinger Gemeinderat steht mit einstimmigem Beschluss vom Dienstag, 31. Oktober, hinter diesem Lösungsvorschlag.

Brütting schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite: „Das ist erstmal eine gute Sache, denn jetzt kann man konkret die beiden Alternativen „Neubau auf der grünen Wiese in Essingen“ und „Kombi-Lösung am Ostalbklinikum“ vergleichen.“ Er kommt zu folgender ersten Einschätzung:

Bisherige Nutzung: Der Bebauungsplan umfasst laut Brütting eine Fläche von 21,5 Hektar. Die Fläche bestehe überwiegend aus Äckern und Wiesen und sei bisher im Flächennutzungsplan als Fläche für die Landwirtschaft und für ökologische Ausgleichsmaßnahmen eingeplant. „Von dieser Fläche wiederum sollen 11,5 Hektar für eine Klinik genutzt werden“, schreibt Brütting und fügt zum Vergleich an: „Die notwendigen Flächen am Ostalbklinikum für die Kombi-Lösung sind schon weitgehend versiegelt.“ Der Landwirtschaft gingen also keine Flächen verloren.

Das Gelände für einen möglichen Klinik-Neubau. Links das Gewerbegebiet "Stockert", rechts Essingen.

Die Lage: „Von den möglichen Flächen auf der Gemarkung Essingen ist das aber mit Sicherheit die Fläche, die für eine Bebauung noch am besten geeignet ist“, schreibt der Aalener OB. In der Verwaltungsgemeinschaft Hüttlingen, Essingen, Aalen sei man zum gleichen Ergebnis gekommen. „Für die Fläche spricht vor allem die Nähe zur Bundesstraße“, schreibt Brütting. Außerdem sei das die Fläche, die am nächsten bei Aalen und damit in der Nähe der weiteren zentralen Versorgungseinrichtungen und des größten Wohnstandortes liege.

Die Kosten: „Die Kombi-Lösung am Ostalbklinikum ist nach unseren Erkenntnissen sehr viel günstiger als ein kompletter Neubau“, schreibt Brütting, der den Kostenunterschied auf circa 500 Millionen Euro schätzt. „Das wäre meiner Ansicht nach im Ergebnis eine verdammt teure Verlagerung einer bestehenden Klinik um wenige Kilometer“, so der Aalener OB.

Einstimmig hat sich der Gemeinderat Essingen für diese Fläche als Standort für einen möglichen Klinik-Neubau ausgesprochen.

Herausforderung Grunderwerb: Die Fläche in Essingen brauche zunächst einen Bebauungsplan und eine Änderung des Flächennutzungsplanes. „Ich denke, dass das zwar einige Zeit in Anspruch nehmen wird, aber derzeit möglich erscheint“, schreibt Brütting. Am Ostalbklinikum dagegen sei für die meisten Flächen bereits ein Klinik-Bebauungsplan vorhanden. Entscheidend sei aber wohl, dass die Fläche in Essingen aus über 60 Grundstücke bestünde, 30 davon müsste der Ostalbkreis allein für die Klinik Privatleuten abkaufen. Brütting: „Der Grunderwerb dürfte wohl die größte Herausforderung sein.“ Zumal die Zeit für eine neue Klinikstruktur dränge. Der Gemeinderat in Essingen hat Brütting zufolge am Dienstag auch den Beginn eines Umlegungsverfahrens beschlossen. Damit könnten die Eigentumsverhältnisse neu geordnet werden. „Aber: Ein solches Verfahren dauert erfahrungsgemäß mindestens fünf Jahre!“, warnt Brütting. Am Ostalbklinikum dagegen seien acht Hektar bereits im Eigentum des Ostalbkreises. Die weiteren Flächen seien im Eigentum der Stadt Aalen. „Alle notwendigen Flächen sind dort sofort verfügbar“, schließt der Aalener OB.

Züge halten nicht mehr am ehemaligen Bahnhof in Essingen. Die Gemeinde wünscht sich den Bahnhalt zurück.

Bahnhalt: Brütting geht auch darauf ein, dass die Gemeinde Essingen mit dem Beschluss zur Fläche für einen Klinikneubau auch den Bahnhalt in Essingen verbunden hat. Zum Hintergrund: Im Moment halten Züge in Essingen nicht. Doch die Gemeinde wünscht sich den Bahnhalt. Der Aalener OB schreibt dazu: „Bisher war es so, dass der Bahnhalt Gmünd-Ost nach Aalen-West die größeren Fahrgastpotenziale als Essingen hatte.“ Essingen wäre damit nur an dritter Stelle und hätte derzeit keine Aussicht auf den Bahnhalt. „Das könnte sich aber für Essingen tatsächlich mit einer Klinik und den damit verbundenen Fahrgästen ändern“, schreibt Brütting. Essingen könnte bei den Potenzialen nun vor Gmünd-Ost liegen. Dann würde aber Gmünd die Aussicht auf einen weiteren Bahnhalt bei Hussenhofen verlieren. „Beide Bahnhalte gehen nicht“, so Brütting. Dieses Dilemma sei nun mit der Klinik-Debatte verknüpft.

Fazit: Brütting schließt: „Mir scheint, als ob immer mehr für die schnellere und günstigere Kombi-Lösung am Ostalb-Klinikum spricht.“

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