Da hilft auch kein Sicherheitssystem

Industriekonzern Dormakaba baut 800 Vollzeitstellen ab – Standort in Baden-Württemberg soll geschlossen werden

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Der Schweizer Konzern Dormakaba hat einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Davon könnten auch die beiden Standorte in Baden-Württemberg betroffen sein.
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Der Industriekonzern Dormakaba will weltweit mindestens 800 Vollzeitstellen abbauen. Ein Standort in Baden-Württemberg wird geschlossen, die IG Metall kämpft um Arbeitsplätze.

Stuttgart/Zürich - Die vergangenen Jahre waren durch die Corona-Pandemie und die unmittelbar daran anschließende Energiekrise durch den Ukraine-Krieg für die weltweite Wirtschaft nicht gerade einfach. Batteriekonzern Varta ist beispielsweise tiefer in die Krise gerutscht und fährt aktuell ein Restrukturierungsprogramm, das den Abbau von 800 Vollzeitstellen vorsieht. Der Industriekonzern Dormakaba mit Hauptsitz in Rümlang im Schweizer Kanton Zürich hat zur Verbesserung der Profitabilität und zum Erreichen der mittelfristigen Wachstumsziele ebenfalls ein Transformationsprogramm ausgerufen, das massive Kosteneinsparungen vorsieht.

Das Unternehmen, das im Jahr 2015 aus einer Fusion der zuvor eigenständigen Unternehmen Kaba mit Sitz in Zürich und Dorma aus Deutschland hervorgegangen war, produziert Sicherheitssysteme wie Hochsicherheitsschlösser oder automatische Türsysteme und ist weltweit tätig. Für das Erreichen der Ziele sieht das Transformationsprogramm bei Dormakaba eine Kosteneinsparung in Höhe von 170 Millionen Schweizer Franken (rund 174 Millionen Euro) und einen Abbau von mindestens 800 Vollzeitstellen bis zum Geschäftsjahr 2024/2025 vor, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung schreibt.

Stellenabbau bei Dormakaba – auch Standorte in Deutschland sind betroffen

Ziel des Transformationsprogramms von Dormakaba ist laut Mitteilung, die weltweite Produktionsstruktur weiter zu konsolidieren, die Anzahl der Zulieferer zu reduzieren, die Beschaffungskapazitäten zu verbessern und die Produktentwicklung durch eine einzige globale Planung neu zu fokussieren. „Wir intensivieren unsere Bemühungen, ein führender Anbieter in der Branche zu werden, der ein Wachstum über dem Marktdurchschnitt erzielt“, sagt CEO Jim-Heng Lee. „Diese Anstrengungen werden Kapazitäten für weitere Wachstumsinvestitionen freisetzen und unsere Innovationsfähigkeit stärken.“ Allerdings wird sich die Maßnahme auch auf das Personal des Industriekonzerns auswirken, der auch mehrere Produktionsstandorte in Deutschland betreibt, davon zwei in Baden-Württemberg.

Produktionsstandorte von Dormakaba in Deutschland:

Standort Bundesland Produkte
Bad Salzuflen Nordrhein-Westfalen Glas-Lösungen
BühlBaden-Württemberg Automatische Türsysteme, Drehkreuze, Sensorschleusen inklusive Softwareinl
Ennepetal Nordrhein-Westfalen Türschließer
Villingen-Schwenningen Baden-Württemberg Leser, Steuerungen, Terminals und Softwarelösungen.
Zusmarshausen BayernAutomatische Türsysteme

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, will Dormakaba den Standort im baden-württembergischen Bühl nahe Baden-Baden bis 2025 schließen, wodurch 270 Mitarbeiter ihren Job verlieren würden. Die Betriebsräte des Standorts haben angekündigt, um jeden Arbeitsplatz kämpfen zu wollen, für Bühl ist die Entscheidung jedoch ein schwerer Schlag. Ob neben Bühl auch der Standort in Villingen-Schwennigen betroffen sein wird, bleibt abzuwarten. Die Umsetzung des Transformationsprogramms „kann sich auf bis zu 1.800 Stellen auswirken, wobei der erwartete Nettoabbau von Vollzeitäquivalenten bei etwa 800 Stellen liegen wird“, heißt es in der Mitteilung.

Industriekonzern Dormakaba will Stellenabbau sozialverträglich gestalten

Wie groß der Stellenabbau beim Schweizer Industriekonzern Dormakaba ausfallen wird und welche Standorte genau betroffen sein werden, wird sich zeigen. „Alle organisatorischen Änderungen treten ab 2023/24 schrittweise in Kraft, sobald die Verhandlungen mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretern in sozialverträglicher Weise abgeschlossen sind.“ Demnach sollen die Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden, was aktuell auch bei vielen anderen Unternehmen der Fall ist. Batteriekonzern Varta hat beispielsweise angekündigt, den Stellenabbau am Hauptsitz in Ellwangen mit einem „Freiwilligenprogramm“ durchführen zu wollen.

Dormakaba hatte offenbar auch deutlich unter der Corona-Pandemie zu leiden und verbuchte im Geschäftsjahr 2019/2020 einen Umsatzrückgang. Wie die nationale Nachrichtenagentur der Schweiz, Keystone-SDA, damals berichtete, hatte der Konzern als Reaktion rund 1.300 Stellen abgebaut. Der Schweizer Konzern beschäftigt weltweit rund 15.000 Menschen in mehr als 50 Ländern. Da der Maschinenbaukonzern HEIDELBERG ebenfalls ein „Wertsteigerungsprogramm“ ausgerufen hat, wächst auch dort die Sorge vor einem Stellenabbau.

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