VonJulian Baumannschließen
Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der Aufzugbauer TK Elevator angekündigt, am Standort im Kreis Esslingen 500 Stellen abbauen zu wollen. Nach langen Verhandlungen wurde diesbezüglich eine Einigung erzielt, die allerdings nicht für alle zufriedenstellend sein dürfte.
Stuttgart/Neuhausen - Im Dezember, wenn sich das Jahr allmählich seinem Ende neigt, freuen sich die meisten Arbeitnehmer auf die Feiertage und in vielen Fällen auch auf Bonuszahlungen. Viele Firmen in Baden-Württemberg zahlten den Mitarbeitern 2022 ein Weihnachtsgeld. Für die Angestellten des Standorts Neuhausen (Kreis Esslingen) des Aufzugbauers TK Elevator begann der Dezember 2022 allerdings mit einer Hiobsbotschaft. Das ehemals zum ThyssenKrupp-Konzern gehörende Unternehmen hatte in einer Pressemitteilung die Neuaufstellung des Standorts angekündigt, der zwei Drittel der Belegschaft zum Opfer fallen sollen.
Aufgrund hoher Betriebskosten und einem veränderten Marktumfeld müssen aktuell viele Unternehmen im Südwesten Stellen abbauen. Batteriekonzern Varta will 800 Vollzeitstellen bauen und hat am Hauptsitz in Ellwangen (Baden-Württemberg) ein Freiwilligenprogramm für einen sozialverträglichen Stellenabbau gestartet. Dieses Ziel verfolgt auch TK Elevator am Standort in Kreis Esslingen, wie das Unternehmen im Dezember bekannt gab. Nach langen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern wurde nun eine Einigung erzielt. Die fällt aber nur für bestimmte Mitarbeiter positiv aus.
TK Elevator will im Kreis Esslingen massiv Stellen abbauen, den Abbau aber sozialverträglich gestalten
TK Elevator mit Hauptsitz in Essen und Verwaltungssitz in Düsseldorf ist einer der größten Hersteller von Aufzugsanlagen und hat als Teil von ThyssenKrupp beispielsweise auch den 2017 eröffneten Testturm in Rottweil, der ältesten Stadt Baden-Württembergs, gebaut. Ein atemberaubendes Video zeigt den 5 Jahre langen Bau des ThyssenKrupp-Testturms in Rottweil. Der Standort in Neuhausen auf den Fildern ist der einzige Produktionsstandort für Aufzüge in Deutschland, soll aufgrund einer veränderten Marktlage aber neu ausgerichtet werden. „Mit der Neuausrichtung geht eine Fokussierung der Produktion am Standort einher und führt zu einem Abbau von insgesamt rund 500 Stellen innerhalb der kommenden zwei Jahre“, hieß es im Dezember.
Demnach sollen am Standort nur noch 300 Mitarbeiter bleiben, für die TK Elevator laut der Mitteilung eine Standortsicherung bis 2030 festgelegt hat. „Wir wollen gemeinsam mit dem Betriebsrat für alle betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine sozialverträgliche Lösung finden“, hatte Christoph Buss, Executive Vice President Product & Supply Chain bei TK Elevator im Dezember erklärt. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichten, konnte eine solche Lösung nach langen Verhandlungen mit dem Betriebsrat gefunden werden. Demnach soll der Stellenabbau unter anderem auch mit betriebsinternen Wechseln zu anderen Standorten abgewickelt werden.
„Stimmung ist unruhig“: Langjährige Mitarbeiter profitieren von hohen Abfindungen, andere weniger
Zu den sozialverträglichen Anreizen gehören in den meisten Fällen auch Abfindungen, die laut der IG Metall Esslingen im Fall von TK Elevator durchaus großzügig ausfallen. Demnach liegt der Abfindungsfaktor zwischen 1,3 und 1,5, während die Regelabfindung eher bei 0,5 anzusiedeln ist. Da dieser Faktor aber zunächst mit dem Bruttomonatsgehalt und anschließend mit der Anzahl der Jahre im Unternehmen multipliziert wird, profitieren nicht alle gleich von der Einigung. „Bei langjährigen Mitarbeitern kommen so auch sechsstellige Beträge zusammen“, erklärte Gewerkschaftssekretär Max Czipf. Langjährige Mitarbeiter könnten sich dadurch einen lukrativen Wohlstand sichern, für viele andere Mitarbeiter des Aufzugbauers sehe die Lage aber weniger positiv aus.
„Der Stellenabbau ist weiterhin schmerzhaft. Die Stimmung ist unruhig und die Motivation ist am Boden“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Georgios Triantafillidis laut den Stuttgarter Nachrichten. Nach Bekanntgabe des Stellenabbaus hätten viele Mitarbeiter die Möglichkeit in Anspruch nehmen wollen. „Wir erhoffen uns, dass wir die Betroffenen sozial verträglich abbauen können.“ TK Elevator hatte allerdings im Dezember die Wichtigkeit des Standorts Neuhausen für das Unternehmen betont und angekündigt, „in unmittelbarer Nähe“ ein hochmodernes Exzellenzzentrum errichten zu wollen. „Wir glauben weiterhin an den Produktionsstandort Deutschland. Die Ingenieursexpertise hierzulande ist einzigartig“, hatte Christoph Buss erklärt.
Rubriklistenbild: © Silas Stein/IMAGO & Ronald Wittek/dpa (Fotomontage: BW24)

