VonSina Alonso Garciaschließen
Europa-Park-Chef Roland Mack führt sein Familienunternehmen bereits in der siebten Generation. Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern kämpft er zunehmend mit den Ansprüchen junger Menschen.
Rust – Der Fachkräftemangel ist in Deutschland allgegenwärtig – und macht auch vor dem Europa-Park in Rust nicht Halt. Inhaber Roland Mack (74) bereitet die Suche nach Personal zunehmend Probleme. Insbesondere die Ansprüche junger, potenzieller Bewerber seien „eine große Herausforderung“, wie er gegenüber dem Handelsblatt erklärt. Mit Begriffen wie der häufig geforderten „Work-Life-Balance“ steht der Unternehmer auf Kriegsfuß.
Dass so mancher junger Mensch heutzutage nur noch in Teilzeit arbeiten will, ist für Mack unverständlich. „Ich habe ein Problem mit der Work-Life-Balance“, sagt der Unternehmer. Wenn ich so zurückschaue, kenne ich eigentlich nur die 70- und 80-Stundenwoche.“ In seiner Berufslaufbahn habe er früher zum Teil sogar über Wochen hinweg kein Wochenende gehabt. „Und ich glaube, wenn wir das nicht so gemacht hätten an dem Standort, hätten wir das nicht gepackt.“ Nur durch „enormen Einsatz“ sei es möglich gewesen, das Familienunternehmen Europa-Park zu stemmen.
Roland Mack bezweifelt, dass „mit 28-Stunden-Woche unser Wohlstand zu halten ist“
„Günther Oettinger hat vor kurzem gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass mit einer 28-Stunden-Woche unser derzeitiger Wohlstand zu halten ist“, sagt der Europa-Park-Chef. Die Aussage könne er selbst unterschreiben. „Wenn wir genügend Mitarbeiter hätten, könnte man ja über so etwas nachdenken. Aber wenn einem generell die Leute fehlen, um solche Betriebe überhaupt aufrechtzuerhalten, ist die 4-Tage-Woche ein fast schon unlösbares Problem.“
Wie Mack weiter erklärt, seien die Ansprüche von Arbeitnehmern früher deutlich bescheidener gewesen. Heute würden sich hier ganz neue Herausforderungen auftun, an die man „45 Jahre lang nicht gedacht“ habe. Da seine eigene Arbeitsmoral offensichtlich noch eine andere war, falle es ihm schwer, zu sehen, dass „eine nächste Generation die Dinge unter Umständen anders sieht“. Dennoch müsse er es akzeptieren.
Europa-Park-Chef über Fachkräftemangel: „Mache mir echt Sorgen“
Der Fachkräftemangel bereitet Mack Kopfzerbrechen. „Wir haben zwei große Hotelprojekte on hold (in der Warteschleife, Anm. d. Red.). Ich mache mir echt Sorgen, dass, wenn das Objekt gebaut ist, die Arbeitskräfte fehlen für den Betrieb.“ Wie er erklärt, beschäftige er heute viele Mitarbeiter aus Ost-Europa. „Aber wir brauchen Infrastruktur. Wir haben schon 1.200 Wohnungen für unsere Mitarbeiter, bauen nochmal 600 oder 800 neue.“
Um den Bewerbern entgegenzukommen, setzt der Europa-Park inzwischen auf flexible Arbeitszeitmodelle. Wie das Handelsblatt berichtet, können Mitarbeiter aus über 70 Modellen wählen. Zudem seien auch die Lohnkosten zuletzt um rund 20 Prozent angestiegen, so Mack. „Gottseidank sind wir bei den Eintrittspreisen noch weit weg von den Wettbewerbern in Paris oder auch in den USA.“ Zwar gebe es da noch Spielraum, den er aber ungern ausreizen wolle. „Ich möchte den Park bei der Preisgestaltung auch für Familien attraktiv halten – wobei ich nie auf Qualität und eine perfekte Dienstleistung verzichten würde.“
Mitarbeiter im Europa-Park profitieren von vielen Benefits
Wie Mack betont, profitieren Mitarbeiter im Europa-Park von einigen Benefits. Als Beispiel nennt er Vorteilsregelungen wie der kostenfreie Besuch von Rulantica oder dem Kino, günstigere Übernachtungspreise in den Europa-Park-Hotels sowie Betriebsrestaurants mit gesunder Küche. Darüber hinaus habe der Europa-Park den öffentlichen Nahverkehr verbessert, sodass die Mitarbeiter schnell nach Straßburg, Offenburg, Freiburg und in den Schwarzwald kämen. Auch „tolle Wohnungen“ für die Angestellten sowie die Möglichkeit, ein Festivalgelände für eigene Feiern zu nutzen, zählt Mack als Vorteil auf.
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„Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber auch für junge Menschen“, sagt Mack. „Gerade die Kombination aus Hochschul- und praktischer Ausbildung ist sehr stark gefragt bei uns.“ In puncto Work-Life-Balance fordert der Europa-Park-Chef ein Umdenken: „Wer am Arbeiten keinen Spaß hat, für den ist seine Work-Life-Balance natürlich ein Thema. Wenn man aber am Arbeiten Spaß hat, weiß man nicht, wo die Arbeit anfängt und wo die Freizeit beginnt.“
Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/dpa

