Abseits der Norm

Sechs der ungewöhnlichsten Bauwerke in Baden-Württemberg

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Normal ist langweilig? Das dachten sich wohl auch bestimmte Architekten im Ländle. BW24 präsentiert eine Auswahl an ungewöhnlichen Bauwerken in Baden-Württemberg.

Stuttgart - Baden-Württemberg hat in Sachen außergewöhnliche Bauwerke so einiges zu bieten. Da wäre beispielsweise die Kochertalbrücke, die höchste Brücke Deutschlands, das zweitgrößte Barockschloss Europas oder auch der Thyssen-Krupp-Testturm, der mit der höchsten Aussichtsplattform der Bundesrepublik aufwartet. Besagter Turm in Rottweil kann aufgrund seiner futuristischen Bauweise durchaus als kurios bezeichnet werden, zumal er auch noch mitten in der ältesten Stadt des Landes steht und dadurch fast wie ein (durchaus beeindruckender) Fremdkörper wirkt.

Das Ländle hat allerdings noch viele weitere Bauwerke zu bieten, die als ungewöhnlich bezeichnet werden können. BW24 präsentiert in einer Auswahl sechs ungewöhnliche oder auch kuriose Bauwerke im Bundesland, die zugleich aber auch als innovativ und besonders bezeichnet werden können.

1. Das Hundertwasserhaus in Plochingen

Wer schon mal mit der Bahn von Stuttgart in Richtung Ulm unterwegs war, hat direkt an den Bahngleisen möglicherweise ein imposantes, aber doch sehr kurioses Gebäude entdeckt. Das Hundertwasserhaus in Plochingen (Kreis Esslingen), eigentlicher Name „Wohnen unterm Regenturm“, wurde vom österreichischen Künstler und Namensgeber Friedensreich Hundertwasser mitgestaltet und von 1991 bis 1994 erbaut. Optisch ist das Haus, zu dem auch eine im gleichen Stil gestaltete zweigeschössige Tiefgarage gehört, nur schwer zu beschreiben – was aber wohl auch den besonderen Reiz ausmacht.

Das Hundertwasserhaus in Plochingen wirkt wie aus einer anderen Welt.

2. Neubau der Universitätsbibliothek Freiburg

Die Bibliothek der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg besteht aus mehreren Gebäuden, kurios mutet allerdings der im Jahr 2015 fertiggestellte Neubau an. Dieser wirkt mit seiner Fassade aus Glas und dunkelmattiertem Chromstahl und einer Fläche von 7.300 Quadratmetern eher wie ein Standort der NASA, als wie die Bibliothek einer Universität. Das futuristische Bauwerk kommt übrigens auch in der Netflix-Serie Biohackers vor, die in Freiburg gedreht wurde. Obwohl der Neubau gigantisch anmutet, klagen Studierende seit langem über einen Mangel an Arbeitsplätzen. Das rührt wohl mitunter daher, dass die Universitätsbibliothek auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Der Neubau der Universitätsbibliothek in Freiburg im Breisgau wirkt durch seine gläserne Fassade sehr futuristisch.

3. „Kiesel“ am Medienhaus am See

Wir bleiben bei Bibliotheken und richten unser Augenmerk auf die Zeppelinstadt am Bodensee. Das Medienhaus am See in Friedrichshafen, nach dem Standort in der Karlsstraße 42 auch k42 genannt, wurde im Jahr 2007 eröffnet und ist durch die gläserne Optik dem Neubau der Unibibliothek in Freiburg nicht unähnlich. Kurios ist aber hauptsächlich eine Ausbuchtung an der Fassade des Gebäudes, die nicht so recht zum Rest passen will. Das ist allerdings Absicht, da der „Kiesel“, wie der Name bereits vermuten lässt, einem Kieselstein nachempfunden ist. In dem Gebäude selbst befindet sich eine technisch gut ausgestattete Bühne mit Platz für rund 100 Zuschauer, auf der regelmäßig Kulturveranstaltungen stattfinden.

Der Veranstaltungsraum „Kiesel“ am Medienhaus am See in Friedrichshafen ist einem Kieselstein nachempfunden.

4. Theaterhaus Stuttgart

Bei diesem Bauwerk muss „ungewöhnlich“ zweifelsohne auch als innovativ und einfallsreich interpretiert werden. Das Theaterhaus am Pragsattel in Stuttgart vereint ein klassisches Backsteingebäude mit einem modernen Neubau und verfügt zudem über eine Installation über dem Eingangsbereich, die an einen Baucontainer erinnert. Das Theaterhaus im Stadtteil Feuerbach ist eines der größten kulturellen Zentren seiner Art in Europa und wird jährlich von über 300.000 Besuchern besucht. Es verfügt mit seinen vier Veranstaltungshallen über fast 2.000 Sitzplätze. Zudem beherbergt das Gebäude auch Proberäume, Werkstätten, ein Restaurant und Büroräume.

Das Theaterhaus Stuttgart vereint eine Backsteinfassade mit modernen Neubauten und einem industriellen Flair.

5. Baumwipfelpfad im Schwarzwald

Vielleicht kein klassisches Bauwerk, aber durchaus kurios und interessant, ist der Baumwipfelpfad im Schwarzwald. Dieser schlängelt sich wie eine Art Wendeltreppe auf einer Strecke von 1.250 Metern durch die wilde Natur des Mittelgebirges unweit der Gemeinde Bad Wildbad (Kreis Calw). Ein Holzsteg führt zu einem 40 Meter hohen Aussichtsturm, der sich spiralförmig in den Himmel schraubt und einen guten Blick auf den Schwarzwald bietet. Auf der gesamten Strecke finden sich zudem Hinweistafeln, die Besucher mit Informationen zur Flora und Fauna versorgen. Im Schwarzwald thront übrigens auch der höchste Baum Deutschlands.

Der Baumwipfelpfad im Schwarzwald ist über einen Kilometer lang und führt zu einem spiralförmigen Aussichtsturm.

6. Mercedes-Benz Museum und Porsche Museum in Stuttgart

Zu guter Letzt müssen auch zwei der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in der Landeshauptstadt eine Erwähnung finden. Sowohl das Mercedes-Benz-Museum in Bad Cannstatt als auch das Porsche Museum in Zuffenhausen bieten eine imposante Reise durch die Geschichten von zwei der wichtigsten Autobauer der Welt. Optisch wirkend sie jedoch beide ungewöhnlich. Das Mercedes-Benz-Museum wurde vom niederländischen Architekten Ben van Berkel entworfen, ist an die Doppelhelix der DNA angelehnt und so konzipiert, dass im Inneren möglichst viel Platz zur Verfügung ist. Mercedes-Benz hat schließlich auch einiges zu zeigen.

Die Museen von Mercedes-Benz und Porsche sind Touristenmagneten.

Das „neue“ Porsche Museum, das 2009 eröffnet wurde, ist weltweit auch für die Kunstinstallation bekannt, die mehrere Automodelle der Marke auf einer Skulptur zeigt. Das Hauptgebäude selbst steht in leichter Hanglage und besteht aus einem sogenannten Basement mit bis zu vier Etagen. Dieser Baukörper steht auf 115 Bohrpfeilern mit einem Durchmesser von jeweils 1,2 Metern und einer Länge von bis zu 25 Metern. Im Erdgeschoss befindet sich hinter einer Glasfront der Eingang mit einem schmalen Foyer, wo Kassentresen, Café und Museumsshop angeordnet sind. Insgesamt hat das Porsche Museum eine Gesamtnutzfläche von 21.000 Quadratmetern.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Horst Rudel

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