„Wir bleiben in Deutschland“

Bosch-Tochter will trotz Inflation und hohen Kosten an Werken in Baden-Württemberg festhalten 

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Aufgrund der hohen Kosten verlagern immer mehr Unternehmen die Produktion ins Ausland. Bosch-Tochter BSH will aber an den deutschen Standorten festhalten – und damit auch an denen in Baden-Württemberg.

Stuttgart/München - Die Inflation und die stark gestiegenen Preise für Energie, Rohstoffe und Personal haben auch die Kosten für die Produktion nach oben getrieben. Auch deshalb verlagern immer mehr Unternehmen Teile der Produktion und damit auch Arbeitsplätze ins europäische Ausland. Deutschland sei inzwischen sogar teurer als die Schweiz, sagte Stihl-Beitratschef Nikolas Stihl und erklärte, er habe wenig Hoffnung für den Produktionsstandort. Die Gewerkschaft IG Metall hatte bereits mehrfach kritisiert, dass gerade die Autozulieferer Zukunftstechnologien zunehmend im Ausland ansiedeln.

Der Haushaltsgerätehersteller BSH, der als Gemeinschaftsunternehmen von Bosch und Siemens gegründet wurde und seit 2015 ein vollständiges Tochterunternehmen des Stuttgarter Technologiekonzerns Bosch ist, will jedoch an den deutschen Standorten festhalten, wie CEO Matthias Metz gegenüber der Wirtschaftswoche erklärte. Das bedeutet konkret auch, dass die Bosch-Tochter an den beiden Standorten in Baden-Württemberg festhalten will, an denen insgesamt rund 3.700 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Bosch-Tochter BSH hält trotz Kostendrucks an deutschen Standorten fest – auch an Giengen und Bretten

BSH hat seinen Hauptsitz zwar in München, die meisten Werke der Bosch-Tochter befinden sich allerdings im Ausland. An den sechs in Deutschland betriebenen Standorten soll aber weiterhin festgehalten werden, obwohl auch BSH den Kostendruck immer deutlicher zu spüren bekommt. „Wir kommen aus Deutschland. Und wir bleiben in Deutschland“, sagte CEO Matthias Metz im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Das Prädikat made in Germany ist für uns enorm bedeutsam.“ Von den sechs deutschen Werken befinden sich zwei in Baden-Württemberg, die demnach ebenfalls bestehen bleiben sollen.

Name BSH Haushaltsgeräte GmbH
Gründung 1967
Hauptsitz München, Bayern
MutterkonzernRobert Bosch GmbH
Branche Haushaltsgeräte
Produkte Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Geschirrspüler, Backöfen, Waschmaschinen, Trockner, Staubsauger und weitere Küchen- und Haushaltsprodukte.
Mitarbeiter rund 63.000 (2022)
Umsatz 15,9 Milliarden Euro (2022)
Standorte in Baden-Württemberg Bretten (Kreis Karlsruhe), Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim)

In Bretten im Kreis Karlsruhe produziert BSH Elektroherde und Dunstabzugshauben der Marke Neff – neben Bosch, Siemens und Gaggenau eine der Hauptmarken des Unternehmens – und beschäftigt rund 1.300 Mitarbeiter. In Giengen an der Brenz im Kreis Heidenheim produzieren dagegen rund 2.600 Angestellte Kühl- und Gefriergeräte für die Bosch-Tochter. Damit entfallen rund 40 Prozent der insgesamt 10.000 Mitarbeiter, die BSH in Deutschland beschäftigt, auf die beiden Standorte in Baden-Württemberg. Eine direkte Beschäftigungsgarantie gibt es für diese trotz Festhaltens an den Standorten jedoch nicht.

BSH: Deutsche Standorte sind gesetzt – Keine Prognose für Zahl der Mitarbeiter

BSH-Chef Metz machte im Interview mit der WirtschaftsWoche zwar deutlich, dass die sechs Werke in Deutschland – und damit die beiden Standorte in Baden-Württemberg – gesetzt sind, eine so eindeutige Aussage über die Mitarbeiterzahl konnte er jedoch nicht machen. „Wie sich die Zahl der Mitarbeitenden entwickeln wird, kann ich nicht prognostizieren“, erklärte er. „Wir fertigen immer in der Nähe unserer Kunden und produzieren deshalb auch in Polen, in der Türkei, in Nordamerika, in China – und bald auch in Ägypten für den nordafrikanischen Markt.“

Bosch-Tochter BSH will an den deutschen Standorten festhalten. Auch an den beiden in Baden-Württemberg.

Die beiden BSH-Werke in Russland plant Bosch Berichten zufolge nach China zu verkaufen, dort sei es aber noch nicht zu einer Übereinkunft gekommen. „Wir arbeiten noch an Lösungen“, so Metz. „Eine Wiederaufnahme der Produktion kommt aber nicht infrage.“ Das Unternehmen hatte die Produktion in den Werken außerhalb der Stadt St. Petersburg im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine eingestellt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jürgen Heinrich

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