Wasseralfingens Ortsvorsteherin Andrea Hatam will's erneut wissen

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Bereits seit 15 Jahren – das sind drei Amtsperioden – steht Andrea Hatam an der Spitze des Wasseralfinger Ortschaftsrats.
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Die Ortschefin möchte für eine vierte Amtszeit  kandidieren. Warum sich für dieses Ehrenamt in Wasseralfingen schwer Gegenkandidaten finden lassen.

Aalen-Wasseralfingen. Lange hat sie mit sich gerungen, jetzt steht ihr Entschluss: Andrea Hatam (SPD) will sich bei den anstehenden Kommunalwahlen im Juni erneut als Kandidatin für die Wahl des Ortsvorstehers bzw. der Ortsvorsteherin in Wasseralfingen bewerben. Seit drei Amtsperioden – insgesamt seit 15 Jahren – steht die heute 68-Jährige an der Spitze des mit knapp 12.000 Einwohnern größten Aalener Stadtbezirks.

Aus den drei vorausgegangenen Ortschaftsratswahlen ist die SPD-Rätin jeweils als Stimmenkönigin hervorgegangen. Im Interview mit Redakteurin Ulrike Wilpert spricht Andrea Hatam unter anderem darüber, was es bedeutet, einen großen Stadtteil mit einer vergleichbaren Einwohnerzahl wie etwa die Stadt Bopfingen im Ehrenamt zu führen.

Frau Hatam, lange Zeit haben Sie die Frage, ob Sie sich ein viertes Mal für die Ortsvorsteher-Wahl zur Verfügung stellen wollen, mit einem klaren Nein beantwortet. Jetzt gab es offenbar einen Sinneswandel?

Andrea Hatam: Mein Entschluss, erneut für die Wahl der Ortsvorsteherin zu kandidieren, steht. Und zwar unabhängig davon, ob sich ein oder mehrere Gegenkandidaten finden werden. Eine Einschränkung allerdings gibt es: Denn meine Kandidatur mache ich abhängig vom Ausgang der Kommunalwahlen; also davon, wie viele Bürgerinnen und Bürger bei den Ortschaftsratswahlen für mich stimmen werden. Bei den zurückliegenden drei Ortschaftsratswahlen konnte ich jeweils die meisten Stimmen erringen.

Das wäre Ihre vierte Amtsperiode als Ortsvorsteherin in Wasseralfingen. Kommt man irgendwann an eine persönliche Grenze, wo man sagen muss: jetzt reicht's?

Das kann ich Ihnen leider nicht beantworten, denn ich fühle mich noch längst nicht an meiner Grenze. Ich habe in meinem gerade zu Ende gegangenen Madagaskar-Urlaub gemerkt, dass die Rente für mich jetzt noch viel zu früh wäre. Denn ich habe immer noch große Lust auf das Amt, habe viele Pläne, fühle mich fit genug und bin gesund.

Sind mögliche Gegenkandidaten von den Fraktionen CDU, Grüne oder Freien Wählern in Sicht?

Ich weiß nicht, ob – beziehungsweise wer – für die Wahl des Wasseralfinger Ortsvorstehers antreten möchte. Wie gesagt: Ich mache meine Entscheidung davon nicht abhängig.

Bei den vergangenen Kommunalwahlen hat Josef A. Fuchs (CDU) als potenzieller Kandidat für den Ortsvorsteher kurz vor der Wahl zurückgezogen, weil sich die Aufgaben des Wasseralfinger Ortsvorstehers nicht im Nebenjob erledigen lassen. Was sagen Sie dazu?

Ortsvorsteher ist kein Beruf und keine hauptamtliche Arbeit, sondern eine ehrenamtliche Tätigkeit. Dafür bezieht man demzufolge kein Gehalt, sondern eine sogenannte ehrenamtliche Aufwandsentschädigung. Zudem: In einem 12.000 Einwohner starken Stadtbezirk gibt es sehr, sehr viele Aufgaben und ganz unterschiedliche Themen, die zu bearbeiten oftmals sehr zeitintensiv ist. Hinzu kommen viele Veranstaltungen, Vereins- und viele Jubilarbesuche. Das alles nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Wenn man all diese Aufgaben verantwortungsbewusst erfüllen will, meine ich persönlich, dass das in Wasseralfingen im Nebenjob nicht machbar ist.

Das klingt, als würde die Aufgabe des Wasseralfinger Ortsvorstehers vom Aufwand her nach einer hauptamtlichen Stelle verlangen.

Ich bin der Meinung, dass man sich in einem Ehrenamt viel freier für Themen und Projekte im Ort einsetzen kann. Ein Hauptamtlicher wäre viel mehr der Aalener Stadtverwaltung verpflichtet. Ein hauptamtlicher Ortsvorsteher käme meiner Meinung nach nur dann in Frage, wenn sich kein Kandidat für dieses Ehrenamt finden sollte.

Die meisten hauptamtlichen „Dorfbürgermeister“ einer Mini-Gemeinde ab 1000 Einwohner werden in Baden-Württemberg in die Grundgehaltsstufe A12, Gruppe 10, eingestuft, was einem monatlichen Bruttoverdienst von 5240 Euro entspricht. Hinzu kommt eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 13,5 Prozent. Wie finden Sie das?

Das habe ich, ehrlich gesagt, noch nie im Internet aufgerufen, weil ich mich sonst aufregen würde. Meine ehrenamtliche Aufwandsentschädigung als Ortsvorsteherin eines 12.000 Einwohner zählenden Stadtbezirks liegt bei monatlich 2900 Euro brutto. Ich muss dazu sagen: Ich habe meine Aufgabe noch nie unter dem Gesichtspunkt des Verdienstes gemacht. Meine Motivation ist, dass ich für Wasseralfingen, für die Bürgerinnen und Bürger hier im Ort etwas umsetzen möchte.

Wie viele Stunden sind Sie für Ihr Ehrenamt im Einsatz?

Das habe ich noch nie zusammengezählt. Täglich von Montag bis Freitag vier bis fünf Stunden im Rathaus, hinzu kommt an den Wochenenden und nach Feierabend der Besuch von Jubiläen und Vereinsveranstaltungen sowie  die sehr aufwendige Organisation von eigenen Veranstaltungen wie Weihnachtsmarkt oder Schlossfest, aber auch Veranstaltungen im Museum oder die Kunst am Sieger-Köder-Weg. Heißt: Jeden Abend sitze ich mehrere Stunden am PC, beantworte Mails oder schreibe Reden.

Ist das der hauptsächliche Grund, warum sich in Wasseralfingen nur äußerst schwer Kandidaten für dieses Ehrenamt finden?

Dazu kann ich nichts sagen. Meiner Meinung nach lässt sich diese Aufgabe nicht aufrechnen mit dem, was man am Ende als Aufwandsentschädigung dafür erhält. Sondern man muss diese Aufgabe mit sehr viel Herzblut, Engagement und vielleicht auch Idealismus machen.

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