Wie die Zukunft der Kliniken auf der Ostalb aussieht

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Das Stauferklinikum in Mutlangen soll voraussichtlich ab 2024 Standort der Onkologie im Ostalbkreis sein. Nur dann sei die Zukunft des wichtigen Fachbereichs gesichert, sagte jetzt Sylvia Pansow, Vorständin der Kliniken Ostalb, im Verwaltungsrat. Archivfoto: Jan-Philipp Strobel
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Sylvia Pansow, Vorständin der Kliniken Ostalb, bringt Ist-Analyse und Zukunftskonzept zusammen. Welche Folgen das für die Kliniken in Mutlangen, Aalen und Ellwangen hat.

Aalen

Wie geht es weiter mit den drei Kliniken auf der Ostalb? Im Rahmen des Grobkonzepts für eine für die nächsten 30 Jahre zukunftssichere kliniksche Versorgung im Kreis hat Sylvia Pansow, Vorständin der Kliniken Ostalb, am Dienstag im Verwaltungsrat der Kliniken Ostalb eine Ist-Analyse mit dem Zukunftskonzept zusammengebracht. Mit weitreichenden Folgen. Wie die Gesundheitsversorgung konkret an den Standorten in Mutlangen, Aalen und Ellwangen aussehen soll? Das Ergebnis im Überblick.

Wie Sylvia Pansow in ihrer Präsentation erläuterte, favorisieren Projektleitung und der Vorstand der Kliniken Ostalb bekanntlich das Konzept mit einem Regionalversorger und zwei Grundversorgern in Mutlangen und Ellwangen.

An allen drei Standorten soll nach dem Grobkonzept die Altersmedizin ausgebaut werden. „Hier brauchen wir wegen der eingeschränkten Mobilität der Senioren künftig dezentrale, also wohnortnahe Strukturen“, sagte Pansow. Zudem verwies die Vorständin auf das „bundesweite Geriatriekonzept“, das bei einer Einwohnerzahl von 315 000 Menschen den Bedarf für Klinken für Geriatrie mit 184 Betten und für geriatrische Rehakliniken mit 58 Betten errechne. „Diese Bettenzahl ist schier unmöglich“, stellte sie fest.

Der Regionalversorger soll in der zentralen Notaufnahme für die höchste Notfallstufe - Level 3 - ausgestattet werden, über eine Intensivstation mit 20 Betten verfügen. Zum chirurgischen Bereich gehören unter anderem die Unfallchirurgie, die Urologie, die von Ellwangen zum Regionalversorger wechselt, und die Gynäkologie; zum internistischen Bereich die Onkologie, die Kardiologie und eine Neurochirurgie, die künftig weiter ausgebaut werden soll. Des Weiteren sind unter anderem eine Pädiatrie mit Neonatologie sowie die Gynäkologie vorgesehen.

Das Stauferklinikum in Mutlangen ist übergangsweise der Standort der Onkologie im Ostalbkreis, bis der Regionalversorger realisiert ist. „Wir haben fünf Varianten erarbeitet“, erläuterte Pansow mit dem Hinweis auf eine vielfache Diskussion bereits im Vorfeld. Der Status quo, bei dem bislang an allen drei Kliniken die onkologische Versorgung stattfindet, sei nicht mehr darstellbar. „Wir verlieren sonst die gesamte Onkologie“, so Pansow. Eine Variante mit zwei Standorten in Aalen und Mutlangen werde aktuell geprüft. Mit Gewissheit zukunftssicher sei aber ein einziger Standort – und das sei der in Mutlangen.

Zur künftigen Grundversorgung in Mutlangen zähle allerdings ein Zentrum für ambulante Krebstherapie sowie die bisher in Mutlangen stationierte SAPV – spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Der lokale Mutlanger Versorger verfüge über eine Basisnotfallversorgung mit Innerer Medizin mit Geriatrie, mit Chirurgie und einer Kurzliegerstation mit 20 Betten. Im Zentrum für Interventionen und Diagnostik seien ambulantes Operieren, die Intensivmedizin und die Funktionsdiagnostik angesiedelt. Wegen des Fachkräftemangels sei die pädiatrische und neonatale Versorgung künftig nicht gesichert, so Pansow.

Der Ellwanger Grundversorger soll neben der Basisnotfallstufe ähnlich wie der Mutlanger ausgestattet sein. Hinzu kommen die Fachklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie, -somatik und Psychiatrie. Die Geburtshilfe sei aufgrund sinkender Zahlen nicht zukunftsfähig, so Pansow. Da sei ein Standort beim Regionalversorger realistisch.

Die Gesundheitsakademie soll künftig allein in Ellwangen angesiedelt sein. „Es gibt in Deutschland viele Varianten, wo der Campus nicht auf dem Klinikgelände steht“, verteidigte Pansow die Pläne. Ausschlaggebend sei das Konzept, nicht der Ort. Neben dem Umbau ist eine Erweiterung geplant, wie Kreiskämmerer Karl Kurz informierte. Derzeit laufe die Planung; der Umbau beginne Ende 2024.

In Bopfingen entsteht kein neues Krankenhaus, betonte Landrat Dr. Joachim Bläse. Es gehe darum, Ärzte am Ort zu halten. Sonst machten sich alle gleich auf den Weg zum Regionalversorger. Gleichzeitig müsse man in Richtung Nördlingen schauen, was sich dort tun werde.

Finanzen Bläse sprach auch die Finanzen und das erwartete Defizit von bis zu 45 Millionen Euro an und bezeichnete die Investition in eine neue Struktur als Herausforderung. Bund und Land seien wichtige Geldgeber. Richard Arnold machte die Finanzen ebenfalls zum Thema. „Uns brennt der Kittel“, sagte der Gmünder OB und rechnete vor, dass das Defizit sich pro Tag auf 130 000 Euro belaufe. Jeder Tag, an dem man die Summe nicht aufbringen müsse, sei ein guter Tag. Man müsse vorwärtskommen und dürfe keine Zwischenschritte einlegen. Zudem brauche es Maßnahmen und Kampagnen gegen Fachkräftemangel.

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