„Strategieupdate 2024“

SAP zieht Benefit zurück und schwört Mitarbeiter auf „harte Arbeit“ und „große Disziplin“ ein

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Bei Europas größtem Softwarekonzern wird einiges umgekrempelt. Mitarbeiter sollen wieder mehr in Präsenz arbeiten und ein angekündigter Benefit wird gestrichen.

Walldorf - Die fortschreitende Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zwingt Europas größtes Softwareunternehmen zu einigen Änderungen. Am Dienstag (9. Januar) erhielten die Mitarbeiter der SAP mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) per E-Mail das „Strategieupdate 2024“, mit dem Konzernchef Christian Klein das Unternehmen auf KI, Cloud und höheren Umsatz trimmen will. Das hat auch Auswirkungen auf die Mitarbeiter – im vergangenen Jahr hieß es bereits, SAP wolle die Angestellten in „Performer“ und „Nicht-Performer“ einteilen.

Der Softwarekonzern SAP ist für seine hohen Gehälter und die vielen Benefits für die Belegschaft bekannt, einige davon sollen in diesem Jahr aber offenbar deutlich gekürzt werden. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, wird ein im September 2023 angekündigter Benefit für frisch gebackene Väter doch nicht wie geplant eingeführt. Zudem sollen die rund 110.000 Mitarbeiter der SAP wieder mehr Präsenz zeigen. Im vergangenen Jahr hatte SAP bereits den zusätzlichen freien Tag für Mitarbeiter wieder abgeschafft.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

SAP zieht Freistellung für Väter und Partner zurück, weil Regierung ihre Pläne auch nicht umsetzte

Die SAP hatte im September 2023 angekündigt, frisch gebackene Väter und andere Partner nach der Geburt eines Kindes für sechs Wochen bezahlt freistellen zu wollen. Damit würde der Softwarekonzern deutlich über die von der Bundesregierung geplante zweiwöchige Freistellung hinausgehen. Da diese Planung aber nicht umgesetzt wurde, zieht die SAP das für dieses Jahr geplante Projekt zurück. „Wir nehmen dies zum Anlass, unsere eigenen Pläne in diesem Bereich ebenfalls zu überprüfen“, sagte ein Sprecher des Softwarekonzerns.

Name SAP SE
Gründung April 1972
Hauptsitz Walldorf, Baden-Württemberg
Branche Software
CEOChristian Klein
Mitarbeiter 111.961 (2022)
Umsatz 30,9 Milliarden Euro (2022)

Demnach tritt die sechswöchige Freistellung für frisch gebackene Mitarbeiter bei der SAP nicht wie geplant in Kraft. Das ist allerdings bei Weitem nicht die einzige Neuerung für die Belegschaft des Softwaregiganten. „Ab diesem Monat und mit einer Übergangsfrist bis Ende April 2024 setzen wir voraus, dass Mitarbeitende drei Tage pro Woche im Büro oder vor Ort bei Kunden oder Partnern arbeiten, vorbehaltlich des lokalen Arbeitsrechts und der Beteiligung der Sozialpartner“, führte ein Sprecher auf dpa-Anfrage aus.

SAP-Chef schwört Belegschaft auf „harte Arbeit“ ein – Sparmaßnahmen stehen im Raum

In der Corona-Pandemie wurde das Homeoffice notgedrungen zum hauptsächlichen Arbeitsmodell. Der damalige SAP-Personalchef hatte erklärt, die Pandemie „vermenschliche“ die Arbeitswelt, da man durch die Videomeetings auch privatere Einblicke ins Leben der Mitarbeiter erhalten könne. Einige Unternehmen haben die Möglichkeit des remoten Arbeitens auch nach der Pandemie beibehalten. Bei Mercedes-Benz können die Mitarbeiter beispielsweise vollständig mobil arbeiten, wenn es ihre Aufgaben erlauben. Bei der SAP ist das aber offenbar nicht mehr ohne weiteres möglich.

Softwarekonzern SAP hat einen angekündigten Mitarbeiterbenefit zurückgezogen und schwört die Belegschaft auf harte Zeiten ein.

Wie das Manager Magazin berichtet, sind die SAP-Mitarbeiter von der Fülle an Änderungen, der erhöhten Präsenzpflicht und dem angekündigten Bewertungssystem verunsichert. CEO Klein bemüht sich in der Mail aber, die Belegschaft im laufenden Jahr auf „harte Arbeit“ und „große Disziplin“ einzuschwören. Offenbar sollen zudem bald gewisse Sparmaßnahmen kommuniziert werden. SAP hatte bereits im Januar 2023 angekündigt, weltweit 3.000 Stellen abzubauen und jährlich Kosten von 350 Millionen einsparen zu wollen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Schoening

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