VonJulian Baumannschließen
Tausende Mitarbeiter des Autozulieferers ZF Friedrichshafen haben immer noch keine langfristige Perspektive, nachdem der Konzern Zielbilder für den Stammsitz vereinbart hat.
Friedrichshafen - Der nach Bosch zweitgrößte deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen hatte im laufenden Geschäftsjahr mit der groß angelegten Transformation und der Krise aufgrund der hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal zu kämpfen. Nachdem zunächst die Sorge vor einem drastischen Kahlschlag umgegangen war, bekannte sich die ZF Anfang Juli zum Stammsitz in Friedrichshafen, jedoch noch ohne Jobgarantie. Eine solche, beziehungsweise eine längerfristige Perspektive bis zum Jahr 2028, wurde erst Ende November fest verankert – allerdings auch nicht für die gesamte Belegschaft in der Zeppelinstadt.
Konkret wurde Ende November ein Zielbild für den „Betrieb N“ in Friedrichshafen vereinbart, der die Produktionsbereiche umfasst. „Die Zielbildvereinbarung für den Betrieb N ist ein wichtiger Meilenstein für unseren Standort Friedrichshafen“, hatte ZF-Vorstandsmitglied Peter Laier laut einer Pressemitteilung zur Vereinbarung erklärt. Die Zielbildgespräche für den „Betrieb Z“, der im Wesentlichen die Konzernzentrale sowie die Forschungs- und Entwicklungsbereiche umfasst, dauerten an. Bei einer Betriebsversammlung am 5. Dezember wurden die rund 5.000 Mitarbeiter bitter enttäuscht: Eine Beschäftigungsgarantie gibt es für sie in den kommenden Jahren nicht.
Keine Zielvereinbarung für 5.000 ZF-Mitarbeiter nach Betriebsversammlung am Hauptsitz
Die ZF Friedrichshafen hatte sich im vergangenen Jahr durch milliardenschwere Übernahmen übernommen und musste ein deutliches Umsatzminus verkraften. Zudem fordert die Transformation ihren Preis, sodass der Konzern ganze Sparten auf den Prüfstand stellen musste. Das Zielbild für die Produktion am Stammsitz in Friedrichshafen ist demnach ein wichtiger Schritt für die Arbeitnehmerseite. „Der Abschluss der Zielbildvereinbarung ist ein ermutigendes Signal für die Belegschaft, denn mit ihr sichern wir über die nächsten Jahre viele Jobs ab“, hatte Achim Dietrich, Vorsitzender des N-Betriebsrats erklärt. Eine solche Absicherung hatte der Betriebsrat in der Zeppelinstadt auch für den Z-Betrieb gefordert, allerdings ohne Erfolg.
Wie der SWR berichtet, hatte die Konzernführung der ZF Friedrichshafen die Forderung nach einer Zielvereinbarung für rund 5.000 Mitarbeiter aus den Teilbereichen Verwaltung, Entwicklung, Einkauf und weiteren, die den Betrieb Z bilden, am 5. Dezember abgelehnt. Achim Dietrich reagierte darauf sauer und frustriert und erklärte, er verstehe nicht, warum eine solche Perspektive für die 6.200 Mitarbeiter aus der Produktion möglich sei, für den Rest der Belegschaft aber nicht. Aktuell steht bei der ZF auch in Saarbrücken ein drastischer Stellenabbau im Raum, dem im schlimmsten Fall bis zu 7.000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




ZF will Beschäftigungsgarantie bis 2026 – allerdings nicht für gesamte Belegschaft
Dass die Betriebsversammlung bei ZF am Dienstag für die Beschäftigten des Z-Betriebs nicht mit dem erhofften Erfolg verbunden war, ist gerade jetzt kurz vor Weihnachten ein erheblicher Schock. Daran ändert wohl auch das Weihnachtsgeld wenig, dass der Konzern in diesem Jahr an die Tarifbeschäftigten ausgezahlt hatte. ZF-Personalchef Frank Iwer sieht die Verhandlungen um eine Zukunftsvereinbarung für den Z-Betrieb in Friedrichshafen allerdings noch nicht gescheitert, wie er laut der WirtschaftsWoche bei einer Pressekonferenz im Anschluss der Betriebsversammlung erklärte. Er habe schließlich den „Auftrag vom Vorstand, die Verhandlungen zum Abschluss zu bringen – einschließlich des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen“.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 164.869 (Stand: 2022) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 43,8 Milliarden Euro (2022) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Allerdings gibt es für die Verhandlungen noch einige Knackpunkte. Beispielsweise will die ZF den Mitarbeitern nur eine Beschäftigungsgarantie bis 2026 gewähren und dies nur für eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitern. Zugleich versprach der Personalchef aber, dass der Konzern „eigentlich keine Kündigungen“ brauche, aber definitiv zum Sparen angeleitet sei. Bosch hatte mit der IG Metall eine Beschäftigungsgarantie bis 2027 für die deutschen Mobility-Standorte vereinbart, bei der ZF wird eine umfassende Zukunftsperspektive wohl noch dauern. Beispielsweise steht derzeit auch das ZF-Werk im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke auf der Kippe.
Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen

