VonMartin Simonschließen
Die „Außerklinische Intensivpflege Kliniken Ostalb“ ist ein wichtiger Faktor für die Nachnutzung freiwerdender Flächen in der Virngrund-Klinik. Was geplant ist und wie der Bürgermeister dazu steht.
Bopfingen. In Bopfingen ist ein Umzug der Wachkomastation sehr wahrscheinlich. Im Zukunftskonzept über die Neuordnung der klinischen Angebote der Kliniken Ostalb, ist die Umsiedlung der medizinischen Einrichtung von Bopfingen nach Ellwangen nämlich vorgesehen.
Auf Anfrage sagt Susanne Dietterle, die Pressesprecherin der Kreisverwaltung zu diesem Thema: „Die notwendige Strukturanpassung der klinischen Angebote bis zur Fertigstellung des Neubaus in Essingen ist jetzt zentrale Aufgabe, die bis 2027 umgesetzt sein soll. In der Nachnutzung freiwerdender Flächen in Ellwangen sollen verschiedene Leistungsangebote ausgebaut werden. Unter anderem ist der Umzug der Wachkomaeinheit dabei eine wichtige Option.“
Bürgermeister Dr. Gunter Bühler weiß von den Plänen. „Ganz sicher wäre ein Wegzug der Wachkoma-Einrichtung emotional ein herber Verlust für Bopfingen“, sagt er. Die Belegschaft dort sei sehr engagiert und identifiziere sich mit ihrem Job.
Eine „Stand-alone-Lösung“ wäre nicht zielführend
Vor 20 Jahren sei Pflege im Wachkoma nicht im gesellschaftlichen Bewusstsein gewesen, heute und besonders in Bopfingen sei dies anders, meint Bühler.
Hier gebe es Partnerschaften, beispielsweise mit der Realschule, hier sei der Gedanke ans Wachkoma im Bewusstsein verhaftet.
„Wenn Pflegekräfte, die ihre Arbeit mit großer Hingabe tun, zu ihrem Arbeitsplatz weiter fahren müssen, ist das schon ein Verlust“, sagt Bühler.
Klar sei aber auch, meint der Bürgermeister, dass die Etablierung einer Wachkomastation an der Klinik in Ellwangen eine sinnvolle Lösung sein könne – solange dies keine Stand-alone-Lösung sei.
Es könne sicher Synergien geben in den Bereichen Organisation und Verwaltung, wenn es gelinge, an der Klinik in Ellwangen Angebote zu schaffen, die zu einer Wachkoma-Station passen. Hier meint Bühler das Thema Überwachung von Patienten.
Dabei sei es gleich, ob diese Angebote vom Landkreis kämen oder von privaten Anbietern, meint er.
Entsteht das geplante Gesundheitszentrum nun am Ipf?
Ein Wegzug der Wachkoma Aktiv Pflege aus Bopfingen erspare dem Landkreis, dem die Einrichtung gehört, eine dort nötige Sanierung, denn die Bauten seien in die Jahre gekommen.
„Ob man eine oder zwei Millionen in ein Haus im Bestand steckt, das muss man sicher gut überlegen“, sagt Bühler. Ein Umzug, der aber nur die Sanierungskosten einspare, sei zu kurz gedacht, passende Ergänzungsangebote in Ellwangen seien schon gefordert, meint er.
Im Medizinkonzept des Landkreises ist auch ein Gesundheitszentrum für Bopfingen vorgesehen. Dessen inhaltliche Ausrichtung ist noch offen, genau so wie ein möglicher Standort für eine solche Einrichtung.
Bühler sähe ein solches Zentrum, das den gesamten östlichen Raum des Landkreises versorgen soll, am liebsten in der Bopfinger Innenstadt angesiedelt. Zieht das Wachkoma nun aber aus, dann könnte der Landkreis die Brache am Fuße des Ipfs als Standort für ein Gesundheitszentrum ins Auge fassen.
„Ja, das ist richtig, das könnte schon eine Rolle spielen. Ich meine aber, dass das Wachkoma für die Anforderungen eines Gesundheitszentrums nicht optimal geeignet ist. Das Gebäude liegt mitten in einem Wohngebiet. Wir haben jetzt schon Parkplatzprobleme dort. Es gibt hier bislang auch keine ÖPNV-Anbindung“, sagt Bühler.
Konkret seien die Pläne für den Umzug der Wachkoma-Station wohl noch nicht, zumindest sei noch niemand damit auf ihn zugekommen, sagt Bühler. Er rechne aber hier schon mit einer Veränderung.
„Außerklinische Intensivpflege Kliniken Ostalb“ – so läuft es in Bopfingen
Die Wachkoma AktivPflege wurde zum 1. Juli 2024 zur „Außerklinischen Intensivpflegeeinrichtung“ umgewidmet. Sie firmiert seither als „Außerklinische Intensivpflege Kliniken Ostalb“. Bisher war sie eine spezialisierte Langzeitpflegeeinrichtung für Menschen im apallischen Syndrom. Seit 2004 wurden dort Patienten mit hoher pflegerischer Qualität versorgt.
Der Bund hat die Außerklinische Intensivpflege neu geregelt. Darunter versteht man die medizinische und pflegerische Versorgung von Schwerstkranken mit erhöhtem behandlungspflegerischen Überwachungsbedarf außerhalb einer Klinik. Betroffene brauchen umfangreiche medizinische und pflegerische Betreuung, weil bei ihnen jederzeit lebensbedrohliche Komplikationen auftreten können. Sie werden beispielsweise beatmet oder künstlich ernährt.
Es galt neue Versorgungsverträge und Entgeltvereinbarungen zu schließen. Patienten im Wachkoma sind meist auch der Außerklinischen Intensivpflege zuzuordnen, aber nicht immer. Daher die Umwandlung.
Aktuell werden in Bopfingen 13 Patienten versorgt, davon zwölf, die in die Außerklinische Intensivpflege fallen (Stand Juli 2024). Inzwischen kann die Einrichtung Patienten im Wachkoma und Patienten mit ALS oder nach Hirninfarkten betreuen.
In der Außerklinischen Intensivpflege wirken, wie bisher neben Pflegefachkräften mehrere Gesundheitsfachberufe mit – Logopäden, Atmungs-, Ergo- und Physiotherapeuten. Die neue Richtlinie sieht vor, dass verordnende Ärztinnen und Ärzte die Koordination der medizinischen Behandlung und die Erstellung von Behandlungsplänen verantworten.
Das Pflegeheim hat ein Jahr Übergangszeit, um die neuen Kriterien zu erfüllen. In dieser Zeit werden die neuen Personalvorgaben umgesetzt und das Team geschult.

