Tölzer Gymasium und Musikschule

150 Mitwirkende bei „Mass of the Children“: Einfach überwältigend

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Akustisch und optisch ein Erlebnis: Rund 150, meist jugendliche Mitwirkende begeisterten am Wochenende in der Stadtpfarrkirche in zwei ausverkauften Konzerten.

Besser kann die Werbung für die Musikstadt Bad Tölz nicht sein: Rund 150, meist jugendliche Mitwirkende begeisterten in der Stadtpfarrkirche in zwei ausverkauften Konzerten.

Bad Tölz Die Musikschule, das Gymnasium und der Kirchenchor führten John Rutters „Mass of the Children“ auf. Überwältigendes Klangvolumen und berührende Zartheit bildeten die Gegenpole dieses Kirchenkonzerts.

Zu Beginn stand die Filmmusik von „Die Kinder des M. Mathieu“, ein Leinwanderfolg von 2004, auf dem Programm. Die Sängerinnen und Sänger des Gymnasiums aller Altersstufen (Leitung Elisabeth Scheucher) und die Orchestermusiker (vorbereitet von Harald Rossberger) arrangierten sich bestens mit der französischen Komposition. Zwar hätte der Chor noch weitaus mehr aus sich herausgehen können. Aber diese Darbietung der gefühlvollen Melodien gab den Charakter der Geschichte des Lehrers und der Internatskinder treffend wieder. Das Orchester, geleitet von Organist Christoph Heuberger, setzte stets sehr gefühlvoll ein und baute wunderbare Legati auf. Im Kirchenraum kam die symphonische Stärke des Ensembles viel besser zur Geltung als gewöhnlicherweise beim Sommerkonzert im Kurhaus. So einfühlsam gestützt, entwickelte der Chor die musikalischen Höhepunkte bestens.

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War die Filmmusik weniger abwechslungsreich, sorgte Rutters Messe umso mehr für Ausgleich. Als sich der Kirchenchor dazu gesellte, ergab die Fülle an Musizierenden ein hochimposantes Bild. Die Jüngsten trugen weiße Oberteile, um optisch nicht unterzugehen.

Das „Gloria“ riss die Zuhörer mit seinem spannenden Fünf-Achtel-Takt mit. Neben dem Tempo sorgte das Crescendo für Gänsehaut. Beeindruckend hielten die Aufführenden die Spannung. Der Einsatz der Solisten sorgte immer wieder für Verlangsamung und Verinnerlichung. Anna Karmasin (Sopran) und Ludwig Mittelhammer (Bariton) verbanden ihre Stimmen in großartiger Harmonie.

Zwischen die beiden populären Werke war Thomas Gabriels „Vater unser“ in aramäischer Sprache gesetzt. Es war Glück oder auch Fügung, dass dafür Hanna Buschra Poles gefunden wurde. Heuberger hatte in einer Sitzung des Pfarrgemeinderats auf gut Glück gefragt, ob jemand Aramäisch beherrsche. Pastoralreferentin Brigitte Blösl berichtete tatsächlich von einer Sängerin, die sie in Benediktbeuern gehört habe. Die dortige Chorleiterin Andrea Fessmann, gebürtige Tölzerin und neue Chefin des Münchner Lasso-Chors, wusste, wer gemeint war.

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Buschra Poles ist irakische Christin und schon seit 15 Jahren mit ihrer Familie in Bayern. Ihr Großvater war Kirchenmusiker. Es sei ihr schon lange ein Anliegen gewesen, aramäische Kirchenmusik hier aufzuführen. So kam es, dass sie in der Tölzer Stadtpfarrkirche die Zuhörer berührte. Thomas Gabriel hat dazu eine dezente Orchestermelodie komponiert, die sich dem Text unterordnet. Dennoch waren die Instrumente zunächst stärker als Poles Stimme, die aber sicherer wurde und sich steigerte. Aber die Authentizität war das entscheidende Moment. Vor dem Hintergrund des grausamen Krieges in ihrem Heimatland war ihr Auftritt sehr bewegend. Poles Heimatort ist inzwischen völlig zerstört.

Nach Rutters Finale wollte der Applaus nicht enden, die Zuschauer erhoben sich. Als Zugabe wurde das Erntedanklied „Look at the World“ des britischen Komponisten aufgeführt. Birgit Botzenhart

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