VonChristiane Mühlbauerschließen
Toni Ortlieb wurde am Sonntag zum neuen Bürgermeister von Benediktbeuern gewählt. Die Wahlbeteiligung blieb mit 65 Prozent allerdings weit hinter den Erwartungen zurück.
Benediktbeuern – Die Spannung flirrte förmlich durch die Luft, als die 34 Wahlhelfer die Stimmzettel der verschiedenen Bezirke auszählten und die Stapel von Hanns-Frank Seller (CSU) und Toni Ortlieb (Benediktbeurer Bürgervereinigung) stets gleich hoch waren. Schon um kurz vor 18 Uhr waren die ersten interessierten Bürger gekommen, und bis 18.30 Uhr versammelten sich immer mehr Benediktbeurer in und ums Rathaus.
Um 18.47 Uhr verkündete Wahlleiter Franz Pölt das Ergebnis: Auf Ortlieb waren 999 Stimmen (51,05 Prozent) entfallen, auf Seller 958 (48,95 Prozent). Ortlieb hatte also 41 Stimmen mehr als Seller erhalten. Damit hat Ortlieb im zweiten Wahlgang sein Ergebnis erheblich verbessert, denn am 30. Juni hatte er mit 31 Prozent den dritten Mitbewerber Rudi Mühlhans (26 Prozent) nur knapp geschlagen.
Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 65,33 Prozent. Das heißt, dass zur Stichwahl noch weniger der 3003 Wahlberechtigten gegangen waren als vor zwei Wochen (68 Prozent).
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Als Pölt im Sitzungssaal des Rathauses im Beisein der beiden Kandidaten und vor dutzenden Zuhörern das Ergebnis verkündete, brandete kräftiger Applaus auf – sowohl für Seller als auch für Ortlieb.
Die beiden Gemeinderatskollegen zeigten sich als faire Lokalpolitiker. „Die Bürger haben entschieden. Sie haben gut entschieden“, sagte Seller. Die Interimszeit in Benediktbeuern sei nun vorbei, sagte der Zweite Bürgermeister. Ortlieb könne nun Dinge, die man im Rat bereits beschlossen habe, weiterentwickeln und neue Dinge anpacken.
„Vergelt’s Gott an alle Wähler“, sagte ein sichtlich emotionaler Toni Ortlieb dann. Der Wahlausgang sei „sehr, sehr knapp“ und es freue ihn „narrisch, dass ich jetzt für Benediktbeuern Verantwortung übernehmen darf“. Er wolle mit allen Gruppierungen im Gemeinderat gut zusammenarbeiten. Zu den zahlreichen Mitarbeitern, zugleich Wahlhelfer, sagte er: „Ich werde mich bemühen, ein guter Chef zu sein.“ Anschließend gab es erneut großen Applaus und Bravo-Rufe.
Ortlieb wird seine neue Aufgabe offiziell am morgigen Dienstag beginnen. Am Mittwoch feiert der Vater von drei Kindern dann seinen 46. Geburtstag. Die konstituierende Sitzung wird am Montag, 22. Juli, stattfinden. Weil Ortlieb jetzt Bürgermeister ist, wird von der Liste der Bürgervereinigung jemand in den Gemeinderat nachrücken. Hanns-Frank Seller bleibt unterdessen bis zur Neuwahl des Gemeinderats im März 2020 Zweiter Bürgermeister.
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Der 59-Jährige ließ am Sonntag offen, ob er 2020 nach 18 Jahren im Gemeinderat für diesen noch einmal kandidieren wird. Die Niederlage trug Seller mit Fassung. „Ich feiere trotzdem“, sagte er. Er habe für die Wahl „den Hut in den Ring geworfen, weil ich darum gebeten wurde“. Seller bezeichnete den Wahlkampf als „gut und fair“ und sagte über Ortlieb: „Wir können uns gegenseitig in die Augen schauen.“ Der entscheidende Unterschied sei wohl gewesen, dass Ortlieb im Wahlkampf auch von Haus zu Haus gegangen sei.
Ortlieb lud am Sonntagabend seine Unterstützer zur Feier nach Hause ein. Am heutigen Montag will er sich von seinen Kollegen und Kunden bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen verabschieden.
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