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Es gibt neue Pläne für die abgebrannte Reithalle in Icking. Sie stoßen auf unterschiedliche Reaktionen.
Icking – Im Dezember vorigen Jahres unterbreitete Johann Abfalter dem Ickinger Gemeinderat, was er anstelle der bei einem Großbrand völlig zerstörten Reithalle bauen wolle. Die Räte erteilten dem Gesamtkonzept eine Abfuhr. Es sah unter anderem zwei massive, dreigeschossige Baukörper mit 44 Wohneinheiten, eine Abfüllanlage, einen Kindergarten und ein Bürogebäude vor. Am Donnerstagabend präsentierte der Grundstückseigentümer im Rahmen eines öffentlichen Diskussionsabends eine neue Version, in die Überlegungen aus einem Workshop des Gemeinderats eingeflossen sind. Auch darüber wurde intensiv diskutiert.
Bürogebäude in L-Form
„Diese Planung soll bewusst zuerst mit den Bürgern diskutiert werden, bevor der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheidet“, sagte Bürgermeisterin Margit Menrad zu Beginn der Veranstaltung mit rund 50 Interessierten. Die von Planer Georg Tahedl vorgestellte Variante sieht im südlichen Teil des Areals, wo die Ruine der Reithalle steht, sechs versetzt angeordnete Mehrfamilienhäuser vor. 38 Wohnungen von 37 bis 80 Quadratmetern könnten so entstehen. Im nördlichen, höher gelegenen Bereich des Grundstücks ist ein Bürogebäude in L-Form vorgesehen.
„Wir haben alle Register gezogen, um in der Höhe einzusparen“, sagte Tahedl. Zwar rage der Büro-Neubau etwas über den alten Bestand hinaus, aber „die Nachbarschaft ist in der Sicht nicht beeinträchtigt“. Zwei unmittelbare Nachbarn aus dem Hauserweg zeigten sich angetan: „Der Vorschlag ist recht gut und die Höhenentwicklung ist auch in Ordnung“, lautete ihre Einschätzung.
Dem mochten etliche Vorredner nicht zustimmen. Gerhard Haisch sorgte sich um den Baumbestand. „Wir stehen da am Rande des Naturschutzgebiets. Das ist das Tor zum Riemerschmidpark. Da braucht man sehr viel Sensibilität“, sagte der Architekt und empfahl Grundstückseigentümer und Planer: „Fangen Sie nochmal von vorne an.“ Stadtplanerin Vera Winzinger, die von der Gemeinde in die Entwicklung des Gebietes einbezogen worden ist, versicherte, man werde diesen Aspekt berücksichtigen.
Städtebaulicher Vertrag vereinbart
Micaela Händel, die durch das Projekt ebenfalls die „Perle des Isartals“ gefährdet sieht, sprach einen weiteren Aspekt an, der viele Besucher beschäftigt: „Wie wird das Verkehrsproblem gelöst?“ Die Erschließung sei angesichts des schmalen Isarwegs das Hauptproblem. „Die Anzahl der Stellplätze lässt auf viel Verkehr schließen“, argwöhnte ein anderer Teilnehmer. Bürgermeisterin Menrad erklärte, man könne „die Erschließung erst klären, wenn das Objekt tatsächlich so kommt“. Deshalb strebe die Gemeinde die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans an. Dann sei es Sache des Eigentümers, die verkehrsmäßige Erschließung sicherzustellen, beispielsweise durch eine Ampelanlage. Zudem könne in einem Durchführungsvertrag festgeschrieben werden, für wie viele Wohnungen zu einem festgelegten Mietpreis die Gemeinde das Vergaberecht habe. Für das geplante Bauvorhaben sei in einem ersten städtebaulichen Vertrag mit dem Eigentümer bereits ein Belegungsrecht für 50 Prozent der Wohnfläche vereinbart, sagte Menrad.
Dr. Beatrice Wagner, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Ortsgruppe und Bürgermeisterkandidatin, bekannte: „Mir ist es zu wuchtig, zu städtisch, zu wenig Natur.“ Sie regte an, die Bürger noch in einem Workshop an der Entwicklung zu beteiligen. Der Zug ist wohl abgefahren, wenngleich die Bürgermeisterin versicherte: „Es ist ein Konzept, kein fertiger Entwurf.“
Laura von Beckerath-Leismüller, Bürgermeisterkandidatin der Ickinger Grünen, beanstandete, dass im neuen Plan die in allen vorherigen Varianten enthaltene Kindertagesstätte fehle. Davon sei Abstand genommen worden, erläuterte Menrad, weil der ursprünglich interessierte Betreiber abgesprungen sei. Auch die in der Reithalle geplante Abfüllanlage für eine kleine Wasserquelle ist im neuen Plan nicht zu sehen. Die werde es in der geplanten Form auch nicht geben, versicherte Abfalter, aber, so der Inhaber der Mineralwasserfirma „St. Leonhard“: „Eine Entnahme wird kommen, aber mit Ableitung.“
Bedenken gegen Bürogebäude
Größere Bedenken gibt es gegen das vorgesehene Bürogebäude. „Ein so massives Bürogebäude passt nicht an diesen Ort“, monierte Gemeinderätin Vigdis Nipperdey. An ein Bürogebäude zu denken, habe sogar die Regierung empfohlen, entgegnete die Rathauschefin. Zudem habe es dazu eine konkrete Anfrage gegeben. Die Firma Vallen Systeme, derzeit im Schäftlarner Weg ansässig ist, will sich vergrößern und „gerne in Icking bleiben“, wie Geschäftsführer Thomas Duschl konkretisierte. Und der Standort am Isarweg sei wegen der Nähe zur S-Bahn und die Anbindung zum nahe gelegenen Hotel ideal.
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Eine Anwohnerin bat abschließend, über die Höhe der geplanten Gebäude nochmal nachzudenken. Eine Erkenntnis wie beim Rewe, „wo hinterher jeder gesagt hat, so hoch haben wir es uns nicht vorgestellt, muss sich ja nicht wiederholen“, meinte die Ickingerin.
rst
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