Gabriel-von-Seidl-Gymnasium

Abiturfeier mit Gänsehaut-Momenten

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Die notenbesten und engagiertesten Tölzer Abiturienten bekamen Rosen und Buchgutscheine überreicht.
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147 Tölzer Abiturienten bekommen ihr Zeugnis. Die Abirede schreiben sie in der Nacht davor, ihren Oberstufenbetreuer feiern sie wie einen Rockstar. Und der Schulleiter mahnt: Die Bildungselite soll sich jetzt bloß nichts einbilden.

Bad Tölz – Applaus bekommen sie alle für ihre Grußworte: der Dritte Bürgermeister Christof Botzenhart, der Zweite Landrat Thomas Holz, die Damen und Herren von Förderverein und Elternbeirat. Doch als Markus Zimmermann in der Abiturrede erwähnt wird, ist nur noch Geschrei und Gekreische zu hören. Die jungen Frauen und Männer in Dirndln und Lederhosen feiern ihren Oberstufenbetreuer wie einen Rockstar, der in Lederjacke seine Gitarre schrubbt. Zimmermann schrubbt nicht, er hebt nur kurz jubelnd die Hände. Am Ende seiner eigenen Rede bricht er in Tränen aus, die Stimme versagt. Der Moment zeigt, wie respektvoll, großherzig und schön ein Schüler-Lehrer-Verhältnis sein kann.

Für Meditationstrainer und Bio-Resonanz-Therapeuten wäre die Turnhalle des Tölzer Gymnasiums am Freitag ein spannender Ort gewesen. So viele stolze Eltern und Lehrer, erwartungsfrohe Schüler: Die Halle ist regelrecht aufgeladen mit positiven Schwingungen. Kein Wunder bei dem Erfolg, den die Abiturfeier bescherte: Wer gewinnt schon den WM-Titel und den Oscar an einem einzigen Tag? Den Abiturienten des Seidl-Gymnasiums, die sich hier ihre Zeugnisse abholen, ist das gelungen. Zumindest wenn es nach den metaphorischen Ansprachen ihrer Lehrer und Eltern geht.

Bei aller Emotion berichtet Schulleiter Alexander Göbel nüchtern die Fakten: 151 Schüler traten an, 147 schafften das Abitur – 44 mit einer Eins vor dem Komma, sechs sogar mit der Paradenote 1,0. Der Gesamtschnitt: 2,32. Das „B“ in Abitur stehe für „Bildungselite“, sagt Göbel. „Aber bildet euch bloß nichts darauf ein. Seht auf niemanden herab, der das B nicht hat.“ Der Schulleiter, der gerade ein Jahr im Amt ist, überreicht den Helden des Tages keinen Oscar. Er bringt sie auf den Boden der Tatsachen. Gegen die Mathematik an Hochschulen sei Schul-Mathe „ein Witz“. Dass ihnen nach dem Abitur die gewisse Reife für das Berufsleben noch fehle, würden viele Abiturienten selbst merken: „Deshalb machen sie ein Jahr ,Work and Travel‘ in Australien oder Neuseeland“, sagt Göbel. Anschließend gibt er aber Entwarnung: „Lebensreife ist eine Lebensaufgabe.“

Mit deutlichen Ermahnungen hält sich Laura Mahnel zurück, es sind eher kleine Seitenhiebe, die die 18-Jährige in der Abirede verteilt. So habe der neue Schulleiter Göbel anfangs „sehr sympathisch und cool“ gewirkt. „Ob Sie es wirklich sind, konnten wir aber nicht herausfinden.“ Eine Begrüßung der Oberstufe zum Dienstantritt hätte dabei vielleicht geholfen. Der eine oder andere Lehrer habe die Schüler allerdings besucht – um beim Nikolaus-Fest Punsch und Bier abzustauben. Das meiste Lob bekommt – neben Rockstar Zimmermann – „die Frau Brandl vom Pausenverkauf“. Ihre aufmunternden Worte und Leberkassemmeln hätten viele wieder froh gemacht.

Unterhaltsam war die Abirede, knackig-pointiert eher nicht. Kein Wunder, war sie doch erst in der Nacht zum Freitag entstanden. Wesentlich mehr Stunden hat Marta Zacharias in ihr musikalisches Talent investiert. Sie sorgte mit ihrem Solo an der Harfe – „The Minstrel’s adieu to his native land“ von John Thomas – viereinhalb Minuten lang für Gänsehaut. Da blieb nicht nur dem Oberstufenbetreuer, sondern auch den über 400 anderen Menschen in der Turnhalle die Spucke weg.

Auch am St.-Ursula-Gymnasium in Lenggries wurden die Abiturienten verabschiedet.

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