VonSilke Schederschließen
Es war vielleicht nicht der leistungsstärkste Abitur-Jahrgang, der da am Freitag auf Schloss Hohenburg in Lenggries verabschiedet wurde. Aber ein sehr kreativer.
Lenggries – Mitten während der Abiturfeier sprangen die Hauptpersonen plötzlich auf und verschwanden hinter der Bühne. Dort tauschten sie ihre Dirndln gegen Alltagskleidung, setzen sich zum Teil Perücken auf oder klebten sich einen falschen Bart an. Zurück auf der Bühne in der Turnhalle des St.-Ursula-Gymnasiums in Lenggries war schnell klar: Eine klassische Abschluss-Rede hält dieser Jahrgang nicht. Stattdessen führten die Schülerinnen ein kleines Theaterstück auf, in dem sie ihre Lehrer liebevoll persiflierten.
Die meisten Gags und Anspielungen verstanden zwar nur die Mitglieder der Schulfamilie. Aber auch als Außenstehender konnte man herzlich lachen. Zum Beispiel, als sich Sportlehrerin „Lissi“ plötzlich den Rock vom Leib riss und versuchte, in nunmehr kurzer roter Turnhose die Schülerinnen für den „herabschauenden Hund“ zu motivieren – eine Yoga-Übung, die die Mädchen in den vergangenen Jahren offenbar öfter machen mussten.
Vor der Aufführung hatten Patrizia Reuter und Lina Wolff Geschenke an ihre Lehrer verteilt. Vor allem bei ihren Mathe-Paukern bedankten sich die beiden im Namen aller Absolventinnen. Sogar in den Ferien hatten die Pädagogen mit den Mädchen geübt, um sie fit fürs Abitur zu machen. Mit Erfolg: „Niemand ist wegen Mathe durchgefallen“, bilanzierten Reuter und Wolff.
Das gilt nicht nur für dieses Fach: Alle 40 Schülerinnen, die zu den Prüfungen angetreten waren, haben bestanden, sagte Schulleiter Christoph Beck. Er gab den Absolventinnen ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg. „Versucht bitte, die Welt nicht nur durch das eingeschränkte Display eures Smartphones, der sozialen Medien oder der Zehn-Sekunden-Snapchats zu sehen“, sagte Beck mit Blick auf die Unart mancher Menschen, alles mit dem Handy aufnehmen und im Internet teilen zu wollen statt die Wirklichkeit zu genießen. Natürlich wolle man magische Momente festhalten, sagte Beck und zückte spaßeshalber selbst sein Smartphone für ein Selfie. Aber: „Auch das beste Handy und die technisch schnellsten Kommunikationsformen können die echte Begegnung zwischen Menschen nicht ersetzen.“
„Taschentücher raus“ hieß es bei der Ansprache von Vize-Schulleiter Thomas Gampl. „Jetzt endet ein wesentlicher Teil eurer Kindheit und Jugend.“ Doch auch wenn die Schulzeit nun unwiederbringlich vorüber sei: „Hohenburgerinnen bleibt ihr. Das bleibt eure Schule.“ Gleichzeitig bleibe ein Teil der Mädchen zurück. „In unseren Gedanken – und ein bisschen auch in unseren Herzen.“
Auch am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium wurden die Abiturienten verabschiedet.
