Bayerische Oberlandbahn

Ärger mit der BOB - Pendeln gleicht „Zugfahrt in Indien“

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Die Bayerische Oberlandbahn ist ein wichtiges Verkehrsmittel in der Region und wird von Schülern, Pendlern und Ausflüglern genutzt. An manchen Tagen sind die Züge sehr voll.
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Ein Pendler hält das tägliche Gedränge in der Bayerischen Oberlandbahn nicht mehr aus. Langfristig helfe nur die Elektrifizierung der Strecke, sagt der Bob-Pressesprecher.

Lenggries/Gaißach/Bad Tölz Da scheint jemand die Nase wirklich voll zu haben: Mit einer „Zugfahrt in Indien“ vergleicht ein Berufspendler aus Lenggries seinen morgendlichen Weg nach München – „nur, dass keine Fahrgäste auf den Dächern der BOB-Züge sitzen.“ Besonders schlimm sei es Anfang des Monats in Gaißach gewesen.

Bereits in Obergries seien die Abteile derart überfüllt gewesen, dass die Schulkinder in Gaißach teilweise nicht mehr hätten zusteigen können. „Die Passagiere stauten sich eng gedrängt bis in die Gänge.“ Auch in Bad Tölz und Reichersbeuern hätten einige Fahrgäste am Bahnsteig zurückbleiben müssen. Auch, wenn es an diesem Tag besonders heftig gewesen sei: Beinahe täglich komme es in den Zügen der BOB zu ähnlichen Situationen, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Diese Aussage bezweifelt Christopher Raabe. „Ein generelles Problem können wir nicht feststellen“, sagt der Pressesprecher der Bayerischen Oberlandbahn. An schönen Wochenenden im Herbst oder Frühjahr komme es gelegentlich zu Engpässen, wenn alles Tagesausflügler auf einmal vom Tegernsee aus zurück nach München fahren wollen. Dass es Pendler wegen Überfüllung nicht in den Zug schaffen, passiere dagegen „äußert selten“. An jenem 7. November sei um 6.48 Uhr ein Zug wegen einer Störung am Triebfahrzeug kurz vor Gaißach liegen geblieben. „Der hat vermutlich gefehlt“, sagt Raabe mit Blick auf die geschilderten Zustände.

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Der Forderung nach mehr Zügen zu den Stoßzeiten erteilt der BOB-Pressesprecher eine Absage: „Wir fahren sowieso schon mit voller Kapazität.“ Außerdem sei der Fahrplan ohnehin schon sehr dicht getaktet, und es fehlten Kreuzungsbahnhöfe. Generell handle es sich wegen der vielen Übergänge und Kreuzungen um eine sehr störanfällige Strecke. Dieser Umstand trage zu der regelmäßig kritisierten Unpünktlichkeit der BOB bei.

Als Berufspendler plant der Lenggrieser nach eigenen Angaben jeden Tag eine Verspätung von fünf bis zehn Minuten ein – alle 14 Tage sogar von 30 oder 60 Minuten. „Vom Hörensagen weiß ich, dass viele Schüler in Bad Tölz und Holzkirchen regelmäßig wegen der Verspätungen der BOB zu spät zum Unterricht kommen.“ Das gelte natürlich auch für die Arbeitnehmer. „Der wirtschaftliche Schaden, den das tägliche Chaos bei der BOB verursacht, dürfte enorm sein.“ Ganz zu schweigen von dem „kleinen Nervenkrieg“, den die Pendler tagtäglich aushalten müssten.

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BOB-Pressesprecher Christopher Raabe hofft, dass die neuen Fahrzeuge, die ab Mai 2020 auf der Strecke zum Einsatz kommen, die Fahrgäste ein wenig für die Verspätungen entschädigen werden (wir berichteten). „Das wird ein qualitativer Quantensprung.“ Langfristig helfe aber nur die Elektrifizierung der Strecke.

Kritik gibt es auch wegen eines anderen Problems – nämlich wegen zu leiser Durchsagen am Bahnhof in Holzkirchen. „Das versteht man kaum“, moniert Udo Mayr aus Gaißach. Verantwortlich dafür ist die Deutsche Bahn. „Generell gibt es da einen Interessenkonflikt zwischen Fahrgästen und Anwohnern am Bahnhof“, erklärt ein Pressesprecher. Die Lautsprecher verfügen in der Zeit von 19 bis 7 Uhr über eine automatische Nachtabsenkung.

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Ein technischer Defekt liege am Holzkirchner Bahnhof derzeit nicht vor, sagt der Sprecher. Man müsse unterscheiden zwischen automatischen Ansagen und solchen, die individuell eingesprochen werden müssen, zum Beispiel bei Störfällen. Hier gebe es stimmlich durchaus eine schwankende Qualität, sagt der Pressesprecher. „Der Teamleiter wird die für Holzkirchen zuständigen Mitarbeiter im Ansagezentrum noch einmal sensibilisieren, dass die Ansagen gut verständlich sein sollen.“

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