VonVerena Möcklschließen
Thomas Zimmerlyschließen
Die Flugblatt-Affäre um den stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger (FW) ist seit Samstag Deutschlands Topthema. Der FW-Kreisverband wirkt wie paralysiert. Aiwanger hat nun das Treffen mit den Landtagskandidaten abgesagt.
Update vom 31. August, 18:15 Uhr: Bei den Freien Wählern im Landkreis herrscht in der Flugblatt-Affäre um ihren Vorsitzenden Hubert Aiwanger weiterhin „Krisenstimmung“, so FW-Landtagskandidat Johann Groß. Gestern fand in Esting ein reguläres Wahlkampf-Treffen von Landtags- und Bezirkstagskandidaten der Partei statt, bei dem auch der stellvertretenden Ministerpräsident dabei sein sollte.
„Das Treffen begann um 11.15 Uhr, um 9.30 Uhr hat Aiwanger abgesagt“, so Groß, der aber betont: „Wir haben Verständnis für die Absage.“ Er und die übrigen Bewerber hätten gerne mit Aiwanger die Affäre aufgearbeitet. Und das soll nun bei einem weiteren Termin nachgeholt werden. Eines ist laut Groß klar: „Wir grenzen uns total ab von den Flugblättern.“
Aiwanger-Affäre: Deutliche Worte der Dachauer Direktkandidaten – „Geschichte gezielt gestreut worden“
Bei den Freien Wählern im Landkreis herrscht in der Flugblatt-Affäre um ihren Vorsitzenden Hubert Aiwanger weiterhin „Krisenstimmung“, so FW-Landtagskandidat Johann Groß. Gestern fand in Esting ein reguläres Wahlkampf-Treffen von Landtags- und Bezirkstagskandidaten der Partei statt, bei dem auch der stellvertretenden Ministerpräsident dabei sein sollte. „Das Treffen begann um 11.15 Uhr, um 9.30 Uhr hat Aiwanger abgesagt“, so Groß, der aber betont: „Wir haben Verständnis für die Absage.“ Er und die übrigen Bewerber hätten gerne mit Aiwanger die Affäre aufgearbeitet. Und das soll nun bei einem weiteren Termin nachgeholt werden. Eines ist laut Groß klar: „Wir grenzen uns total ab von den Flugblättern.“
Dachau – Als die Hetzschrift im Schuljahr 1987/88 verfasst und in seinem Gymnasium ausgelegt wurde, war Hubert Aiwanger 17 Jahre alt. Sie hat einen Wettbewerb zum Inhalt, bei dem sich die Teilnehmer „im Konzentrationslager Dachau zu einem Vorstellungsgespräch“ melden sollten. Der 1. Preis: „ein Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz“, der 3. Preis: „ein einjähriger Aufenthalt in Dachau“. Angeblich soll Aiwangers Bruder Helmut der Verfasser gewesen sein.
Wirbel um Hetzblatt: Söder bestellt Aiwanger zu Sonder-Koalitionsausschuss ein.
Johann Groß (Freie Wähler Landkreis)
Die Freien Wähler im Landkreis Dachau fanden sich gestern Abend zu einem Krisentreffen zusammen. Frühestens am heutigen Montag wollen sie eine gemeinsame Presseerklärung veröffentlichen. „Die Geschichte ist gezielt gestreut worden“, behauptet Johann Groß, FW-Direktkandidat für den Landtag und stellvertretender Kreisvorsitzender. „Mehr gibt es nicht zu sagen.“
Bernhard Seidenath (CSU)
Der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath mahnt zur Vorsicht bei der Einordnung der Causa Hubert Aiwanger und spricht von einer „zweischneidigen Geschichte“. Den Inhalt des Flugblatts „verurteile ich aufs Schärftste“, so Seidenath, „aber der Vorfall ist 35 Jahre her und der Verfasser war offensichtlich der Bruder. Hubert Aiwanger selbst hat sich distanziert.“ Nach seinen Informationen sei „die Geschichte schon länger unterwegs“. Und jetzt, nur sechs Wochen vor den Landtagswahlen, werde sie öffentlich gemacht. Wenn er dies alles bedenke, so Seidenath, „sehe ich keinen Grund für eine Rücktrittsforderung“. Der Wähler werde schon wissen, was er tut. Kurzum: „Es gilt in der Sache kühlen Kopf zu bewahren.“
Dr. Frank Sommerfeld (FDP)
„Die Sache schockiert mich zutiefst. Solch ein extremes Gedankengut kann es doch nicht geben“, meint Dr. Frank Sommerfeld, Direktkandidat der FDP für das Landesparlament. „Ich bin dennoch vorsichtig“, so der Orthopäde, der dabei an die Sache mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern denkt. Wenn sich Aiwanger „distanziert, muss das sehr erkennbar geschehen“. Laut Sommerfeld, der viele Beziehungen zu Israel pflegt, habe der Verfasser „das Flugblatt in geistiger Umnachtung geschrieben“. Aiwanger billigt er zu, „dass er jetzt eine Lernphase durchmacht“. Nur: „Das Ganze kann man nicht bloß als Jugendsünde sehen – es geht darüber hinaus.“
(Unser Dachau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)
Martin Modlinger (Grüne)
Martin Modlinger, Direktkandidat der Grünen für den Landtag, ist entsetzt von Hubert Aiwanger. In erster Linie aber nicht wegen des „ekligen und hetzerischen Pamphlets“. Er berufe sich gerne auf gesicherte Fakten, wie er erklärt. Daher: „Ich will ihn nicht danach beurteilen, was er damals gemacht hat, sondern, was er heute macht.“ Um zu erkennen, dass Hubert Aiwanger nicht geeignet für das Amt des Vize-Ministerpräsidenten sei, brauche er kein Hetzblatt von vor 30 Jahren, sagt Modlinger. Dafür reiche der Auftritt Aiwangers bei der Demo gegen das Heizungsgesetz im Juni in Erding. Der Chef der Freien Wähler hatte damals verkündet, dass jetzt der Punkt erreicht sei, „wo endlich die schweigende große Mehrheit sich die Demokratie wieder zurückholen muss“. Die Grünen verurteilten Aiwangers Worte damals aufs Schärfste und forderten sogar seinen Rücktritt. „Das ist demokratiezersetzend auf AfD- und Querdenkerniveau. Das ekelt mich an!“, sagt Modlinger. Man halte die AfD nicht auf, indem man ihre Sprüche kopiert und ihre Positionen vertritt, das helfe nur den Radikalen, so Modlinger. „Wir brauchen keinen niederbayerischen Trump!“, der alles einreiße, was konservative Parteien aufgebaut haben. „Selbst, wenn er damals ein lupenreiner Demokrat war, heute vermisste ich seinen Anstand.“
Hubert Böck (SPD)
„Das geht gar nicht!“, findet Hubert Böck, Direktkandidat der SPD für den Landtag. Mit 16 oder 17 Jahren blöde Sprüche zu machen, kenne jeder, doch das sei nicht damit vergleichbar. Ein solches Pamphlet auf der Schreibmaschine zu verfassen, sei „keine Sache von fünf Minuten, sondern mit einem großen Aufwand verbunden“. Wer mehrere Flugblätter in seiner Tasche habe, der unterstütze die Verbreitung dieses „widerlichen und menschenverachtenden Inhalts“, so Böck. Er halte es für „fragwürdig“, wenn Hubert Aiwanger seine Ämter als bayerischer Wirtschaftsministers und stellvertretenden Ministerpräsident behalten würde. Laut dem SPD-Politiker ist die Regierung nun gefordert, den Fall aufzuklären. „Stellt sich heraus, dass das stimmt, dann darf er nicht weiter unsere Geschicke lenken!“
Jürgen Henritzi (AfD)
„Er war damals ein junger Bursch’, und ich weiß nicht, was ihn geritten hat“, sagt Jürgen Henritzi, Direktkandidat der AfD für den Landtag. Und weiter: „Antisemitismus lehnen wir klar ab. Das ist die Position der AfD auch auf Bundesebene.“ Dass die Angelegenheit genau jetzt aufs Tapet kommt, so Henritzi, sei für ihn befremdlich. Alles in allem: „Wir können das alles nicht goutieren oder verharmlosen.“
Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Dachau finden Sie auf Merkur.de/Dachau.


