VonGünter Hielschließen
Charlotte Borstschließen
Für Freie-Wähler Kreischef Otto Bußjäger sind die Vorwürfe gegen Hubert Aiwanger wegen eines antisemitischen Flugblatts eine „gescheiterte Schmutzkampagne“. Der Wahlkampf wird brisant.
Landkreis – Der Wahlkampf geht in den Endspurt – und hat mit den Vorwürfen gegen Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler und stellvertretender Ministerpräsident wegen eines antisemitischen Flugblatts, das im Schuljahr 1987/88 in seinem Ranzen gefunden worden ist, plötzlich unerwartete Brisanz gewonnen. Wobei mit der Erklärung von Hubert Aiwangers Bruder am Wochenende, er habe dieses Flugblatt verfasst, sich die Erschütterungen bis hin zu Rücktrittsforderungen möglicherweise wieder etwas legen. Im Landkreis München ist am Sonntag, 3. September, ein Wahlkampfauftritt mit Hubert Aiwanger geplant, am Tag vor dem Keferloher Montag, zu dem Ministerpräsident Markus Söder im Festzelt erwartet wird.
Freie-Wähler Kreischef Otto Bußjäger gibt Hubert Aiwanger volle Rückendeckung
Und Hubert Aiwanger wird auftreten in Keferloh. „Selbstverständlich“, bekräftigt Otto Bußjäger, Kreisvorsitzender der Freien Wähler. Die Vorwürfe gegen Hubert Aiwanger sind für ihn mit der Erklärung von dessen Bruder erledigt. Bußjäger spricht von einer „gescheiterten Schmutzkampagne“.
Ab 28. August werden Briefwahlunterlagen für die Landtags- und Bezirkstagswahl verschickt
Ab Montag, 28. August, dürfen die Rathäuser die Briefwahlunterlagen für die Landtags- und Bezirkstagswahl verschicken. Ab heute wird jeden Tag gewählt. Jetzt wollen die Kandidaten Sichtbarkeit erzeugen. Auf der Straße, bei Veranstaltungen, an den Haustüren und vor allem im Internet. Was in diesem Wahlkampf rar ist, sind Podiumsdiskussionen.
Ab 28. August darf im Landkreis München auch plakatiert werden
Ab 28. August darf im Landkreis auch plakatiert werden. Dann startet der Wettlauf um die besten Stellplätze. Auch auf Instagram und Facebook geht es um Aufmerksamkeit und Reichweiten. Im Netz sind die klar im Vorteil, die schon einen höheren Bekanntheitsgrad haben.
„Max macht‘s“: Maximilian Böltl (CSU) im Wahlkampf auf allen Kanälen präsent
Wie zum Beispiel Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl. Der CSU-Direktkandidat im Stimmkreis München Land-Nord ist seit Monaten auf allen Kanälen präsent. „Mit unseren Teams sind wir in allen 13 Kommunen des Stimmkreises aktuell aktiv bei Haustürbesuchen“, berichtet Böltl (40). Die Ortsverbände verteilen Bälle am See, organisieren Infostände und klingeln an Haustüren, berichtet Unterschleißheims CSU-Ortsvorsitzender Stefan Krimmer. Als besonderes Gastgeschenk verteilen die Wahlwerber eine Grillzange mit dem Schriftzug „Weil’s nicht wurscht ist“.
Familientag im Kletterwald
Neben dem klassischen Wahlkampf gibt es auch besondere Ideen: Am 7. September lädt Böltl zu einem Familientag in den Kletterwald Vaterstetten ein. Am 14. September können Familien kostenlos in der Maxx-Arena in Kirchheim auf Trampolinen Spaß erleben.
Kerstin Schreyer (CSU) diskutiert mit Melanie Huml über Flüchtlinge
Bewährte Wege beschreitet Kerstin Schreyer aus Unterhaching. Die CSU-Kandidatin im Süden musste wegen ihrer Krebserkrankung zwar einen Großteil ihrer Veranstaltungen absagen, bekommt aber noch einigen Besuch: Melanie Huml (29.8.) diskutiert das Thema „Integration von ukrainischen Kriegsflüchtlingen“, Manfred Weber (17.9.) berichtet aus Brüssel. Edmund Stoiber tritt am 2. Oktober zum Wahlkampfendspurt in Aying auf.
Grüne spüren Gegenwind - und halten Stand
„Auf Bundes- und Landtagsebene ist der Wahlkampf schon recht turbulent“, sagt Markus Büchler, Kandidat der Grünen im Stimmkreis München Land-Süd. Den Grünen bläst Gegenwind entgegen. „Auch im Internet ist die Meinungsmache in den Filterblasen erstaunlich hitzig“, findet der Oberschleißheimer. Doch das bringt den Grünen nicht aus den Tritt: Der Verkehrsexperte der bayerischen Grünen ist im ganzen Freistaat unterwegs. Am 29. August radelt er von Neuried zu den geplanten Windrädern im Perlacher Forst, gemeinsam mit Spitzenkandidat Ludwig Hartmann und Claudia Köhler, die im Stimmkreis München Land-Nord antritt. Am 2. September liest Spitzenkandidatin Katharina Schulze in der Ismaninger Buchhandlung „Isarbuch“ aus ihrem Lieblingskinderbuch und stellt sich von 10 bis 12 Uhr Fragen des Publikums. „Der September wird entscheidend“, sagt Büchler: „Unsere Ortsverbände packen mit an und haben noch einiges geplant. Und auch der Bundestrend kann sich noch drehen.“
Starke Zahlen auch ohne öffentliche Veranstaltungen
Die AfD hat auf ihren Webseiten keine Termine im Landkreis angekündigt, kein Infostand, keine Veranstaltungen. In Umfragen sind sie dennoch stark.
Freie Wähler mit Spitzenkandidat Hubert Aiwanger am 3. September in Keferloh
Die Freien Wähler sehen sich unerwartet mit den Vorwürfen gegen Hubert Aiwanger konfrontiert – betrachten diese allerdings mit der Erklärung ihres Vorsitzenden und dessen Bruder als erledigt. Beim Keferloher Sonntag am 3. September wird Aiwanger im Festzelt sprechen. Parallel läuft eine Mitmachaktion: Eine Radsuchfahrt von Putzbrunn bis Sauerlach samt Bilderrätsel. Ansonsten setzt Kreischef Otto Bußjäger auf persönliche Kontakte: „Wir sind vor Ort verwurzelt. Uns trifft man beim Bäcker und beim Metzger.“
SPD wendet sich unter dem Titel „18 nach 9“ den Jüngeren zu
Die SPD wendet sich unter dem Titel „18 nach 9“ den Jüngeren zu. Florian Schardt und Christine Himmelberg haben eine Instagram-Kampagne gestartet. Ihre Listenplätze sind Programm: Schardt kann man auf Platz 9 der SPD-Liste wählen, Himmelberg auf Platz 18. Täglich um 21.18 Uhr veröffentlichen sie ein neues Video. Darin berichten sie von ihren Besuchen in allen Polizeiinspektionen im Landkreis, im Bezirkskrankenhaus, in Kinderheimen, bei Johannitern und Maltesern.
In den nächsten Wochen wird man SPD-Wahlkämpfer auch morgens an den S-Bahnhöfen treffen. Statt Flyer zu verteilen, setzen sie auf Humor: „Wir geben den gestressten Pendlern lieber einen witzigen Spruch mit“, kündigt Schardt an.
Kolpingsfamilie Ismaning plant Podiumsdiskussion
Zur Podiumsdiskussion lädt bisher nur die Kolpingsfamilie Ismaning ein. Am 21. September können die Wählerinnen und Wähler im Ismaninger Bürgersaal die aussichtsreichsten Kandidaten live und im direkten Vergleich erleben. Bei solchen Gelegenheiten gab es vor früheren Wahlen auch überraschende, emotionale und vertrauensbildende Momente. Die Debattenkultur, die im politischen Raum so wichtig ist, lässt sich im Internet eben nicht abbilden.





