Der Alleinerziehenden-Treff der Diakonie Oberland feiert zehnjähriges Bestehen. Mütter und Väter ohne Partner bekommen hier handfeste Hilfe und praktischen Rat.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Kinder, Job und Haushalt gut unter einen Hut zu bringen, ist ein Fulltime-Job – erst recht, wenn man keinen Partner hat und allein für das Wohlergehen der Familie verantwortlich ist. Oft fehlen Alleinerziehenden Zeit, Raum und auch Geld, um sich Unterstützung oder eine Auszeit vom Alltag zu verschaffen. Die Diakonie im Oberland und die evangelische Kirchengemeinde Bad Tölz haben vor zehn Jahren deshalb einen Alleinerziehenden-Treff ins Leben gerufen.
Jeden zweiten Samstag im Monat kommt die Gruppe zusammen. Währenddessen wird eine Kinderbetreuung organisiert. Dabei geht es nicht nur um einen Ratsch bei Kaffee und Kuchen, es gibt auch handfeste Hilfestellung, Austausch und gegenseitigen Rat in praktischen Dingen. Betreut wird der Alleinerziehenden-Treff von Ilka Öhrlein von der sozialen Beratungsstelle der Diakonie Oberland in Zusammenarbeit mit der Familienförderstelle des Landratsamtes. Ehrenamtlich unterstützt wird Ilka Öhrlein seit vier Jahren von Claudia Schneider.
Die 48-jährige Tölzerin ist die Mutter des neunjährigen Florian und stieß vor etwa sechs Jahren als Betroffene dazu, bevor sie anfing, sich auch für die Gruppe zu engagieren. „Zunächst hat Frau Öhrlein mir beim Antrag für eine Mutter-Kind-Kur geholfen“, erinnert sie sich. „Dann hat sie mir vom Alleinerziehenden-Treff erzählt.“
Claudia Schneider fühlte sich dort sofort angekommen. „Ich hab Gleichgesinnte getroffen“, sagt sie. „Und ich kann immer etwas mitnehmen.“ Anfangs brauchte sie zum Beispiel Beistand, wenn Gerichtsverhandlungen mit dem Kindsvater anstanden. In anderen Situationen stand sie wiederum anderen mit Rat und Tat zur Seite.
Vom Austausch von Kinderkleidung oder kindgerechten Ausflugszielen bis hin zur Hilfe bei der Wohnungssuche reicht die Palette der gegenseitigen Unterstützung.
Ilka Öhrlein und Claudia Schneider organisieren zudem regelmäßig Veranstaltungen mit verschiedenen Referenten, zum Beispiel vom Jugendamt oder der Erziehungsberatungsstelle, mit Psychologen, Juristen oder auch mal einer Kosmetikerin.
Auch zwei Väter sind dabei
Es werden Feste und Ausflüge organisiert. Auch der halbjährliche Brunch ist beliebt. Zwei Väter sind ebenfalls mit von der Partie. Jürgen Bärwinkel aus Geretsried ist einer davon. „Es tut einfach gut zu sehen, dass man nicht allein ist“, sagt er. Anfangs fand er es durchaus komisch als „Hahn im Korb“. Aber „hier geht es nicht um Frauen oder Männer, sondern nur darum, dass wir alleinerziehend sind“, findet der 50-jährige Vater von drei Kindern, der als Bäcker und Konditor arbeitet. „Wir sind absolut auf Augenhöhe“.
Natürlich können die Kinder immer mitkommen. Gerade wenn sie noch kleiner sind, ist das oft auch nicht anders möglich. Und es sind inzwischen Freundschaften entstanden, sodass man beispielsweise an den manchmal problematischen Wochenenden gemeinsam unterwegs sein kann.
„Willkommen sind alle“ sagt Claudia Schneider, „egal, ob die Kinder noch klein sind oder schon älter.“ Zum Jubiläumsfest ist ein fröhliches Kinder- und Erwachsenenprogramm mit Kaffee, Kuchen und Brotzeit sowie Gesangs- und Tanzeinlagen geplant. Dazu sind alle in der Zeit von 15 bis 21 Uhr in die „Arche Noah“ eingeladen. (ig)
Praktische Infos
Der Alleinerziehenden-Treff in Bad Tölz findet jeweils am zweiten Samstag im Monat von 15 bis 18 Uhr im Kindergarten Arche Noah am Schützenweg 14 statt. Interessierte sollten sich vor dem ersten Treffen unter Telefon 0171/1 60 81 35 anmelden.
Lesen Sie auch:
US-Car-Treffen: Amerikanischer Traum auf vier Rädern
Zum Vatertag: Früher waren Männer Alleinverdiener - Jetzt basteln sie auch mal Schultüten
Rosentage in Bad Tölz: Die Bilder