VonSilke Schederschließen
Rund 6000 Schaulustige lockte das US-Car-Treffen am Pfingstsonntag und -montag auf den Tölzer Festplatz. Ein Besuch glich einer Zeitreise in die 1950er Jahre.
Bad Tölz – Irgendwann will sich Frank Gaw in seinem 58er Pontiac Bonneville begraben lassen. Weltweit existieren keine 100 Stück mehr von diesem Modell. „Wer so ein Auto hat, gibt es nicht her,“ sagt der Geltinger. Wer so ein Auto hat, zeigt es her. So wie Frank Gaw und die anderen Boliden-Liebhaber bei der achten Auflage des US-Car-Treffen am Pfingstsonntag und -montag in Bad Tölz.
Rund 1200 „Schätzchen“ reihen sich auf dem Festplatz aneinander, von Babyrosa über Quietschgelb bis Knallblau. Der amerikanische Traum auf vier Rädern. Familien mit Kindern schlendern ebenso durch die Reihen wie Männer mit Elvis-Tolle und Frauen in Petticoat-Kleidern. Für sie gibt es nichts Schöneres als glitzernden Chrom, den Geruch von Benzin und das Röhren von Motoren.
„Neeeeeed oglanga!“
Ein Spaziergang über den Tölzer Festplatz gleicht an diesen beiden Tagen zum Teil einer Zeitreise in die 1950er Jahre. Claudia Geith liebt diese Zeit und das Lebensgefühl von damals. Ich bin zu spät geboren worden“, sagt Geith und lacht. Mit ihrem Partner Hans Eisenhut reist sie im Sommer an fast jedem Wochenende zu einem anderen Treffen, um mit ihm seinen roten Buick Le Sabre aus dem Jahr 1959 zu präsentieren. „Neeeeeed oglanga“ steht auf einem Schild hinter der Windschutzscheibe. Auf einem Schild daneben ist zu lesen, dass der 250-PS-starke Motor 15 bis 18 Liter verbraucht. Und der Klimaschutz? Geith winkt ab. „Ein neuer SUV braucht oft sogar mehr.“
Genauso bunt wie die Autos ist das Rahmenprogramm, das sich die Jailhouse Gastro GmbH hat einfallen lassen, um den rund 6000 Besuchern das amerikanische Lebensgefühl nahe zu bringen. Die Burger und Steaks werden von „Pin-up-Girls“ serviert, 40 Aussteller bieten Lederwaren, Autozubehör und Schmuck an. Sogar ein Barbier kümmert sich in einem Zelt um die Haare und Bärte der Männer. Es gibt ein Bullriding, Bodypainting und Carwash-Shows. Auf einer Bühne sorgen verschiedene Live-Bands für Rockability Musik, einer Spielart des Rock’n’Roll. „Der Sound ist toll, die Burger gut und die Atmosphäre entspannt“, lobt Elisabeth Pauli aus Weilheim.
Auch Mitorganisatorin Stephanie Hörmann ist sehr zufrieden. Im Gegensatz zu den Jahren zuvor hat es nicht geregnet – nur die Feuershow am Sonntagabend fiel mehr oder weniger ins Wasser. Außerdem konnten sie und „Jailhouse“-Wirt Peter Frech dank des Erlöses einen Scheck über 3500 Euro an die Stiftung „Schneekristalle“ von Michaela Gerg überreichen. Die ehemalige Skirennläuferin aus Lenggries unterstützt mit der Stiftung benachteiligte Kinder.
Auftakt für drei weitere Großveranstaltungen
Das US-Car-Treffen bildet traditionsgemäß den Auftakt für das Veranstaltungsjahr rund um das „Jailhouse“. Weiter geht es am 13. und 14. Juli mit „Brot & Spiele“, gefolgt vom Harley-Treffen vom 16. bis 18. August. Den Abschluss bildet das Oberland Trucker Treffen am 7. und 8. September. Auch im kommenden Jahr werden wohl alle vier Events stattfinden. Ob die vier Veranstaltungen, die weit über die Grenzen von Bad Tölz bekannt sind, auch im Jahr 2021 tausende von Besuchern in die Kurstadt locken, steht indes noch nicht fest. Laut Stephanie Hörmann hängt das davon ab, ob die Jailhouse Gastro GmbH den Pachtvertrag mit Vermieter Dietrich Sailer bis März 2026 verlängert oder nicht.
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