Mit 79 Jahren starb Max. A. Hoefter

Das Meer über die Alpen geholt

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Hoefters Meisterstück: das Alpamare. 1970 wurde das Freizeitbad gebaut und entwickelte sich zum Besuchermagneten. 2015 wurde es geschlossen.

Er war der Erbauer des Tölzer Alpamare: Max A. Hoefter. Am vergangenen Mittwoch ist er im Alter von 79 Jahren gestorben.

Bad Tölz – Es gibt Familien, da schwingt bei der Nennung des Namens, sagen wir, ein gewisser Respekt mit. Da sind die Verdienste, die sich eine Familie über Generationen erworben hat, im Tonfall eingepreist. Die Hoefters sind so eine Tölzer Familie. Jetzt, da das Familienoberhaupt Max Anton Hoefter am Mittwoch im Alter von 79 Jahren gestorben ist, ist daran zu erinnern, welch enorme Bedeutung dieses Geschlecht ehemaliger Bierbrauer für Tölz hatte.

Zwei Namen stehen dabei im Mittelpunkt: Anton Höfter, der 1924 in einem wahren Geniestreich all seine Brauereianteile in Tölz an den Münchner Löwenbräu verkaufte und die Mehrheit an der hoch verschuldeten Jod AG erwarb. Zum kaufmännischen Deal kam ein visionärer Coup: Höfter (noch mit ö geschrieben) ließ 1930 die damals europaweit einzigartige Wandelhalle errichten und machte Tölz damit zum bekannten Kurort. Nicht nur C- und B-, sondern auch A-Promis pilgerten nun fürs gesunde Jodwasser an die Isar.

40 Jahre später lieferte sein Sohn Max Anton Hoefter (nun „oe“) sein Meisterstück ab. Der Jodquellenhof-Besitzer und -Betreiber im Zentrum des Badeteils redete nicht nur – was damals viele taten – über ein Hallenbad, sondern baute es. Und zwar eines, das alle bekannten Dimensionen sprengen sollte. Wellenbad, Sauna, Jodbad, Hallenbad: Mit dem „Alpamare“ holte Hoefter das Meer über die Alpen (daher der Name). So etwas gab es zwar in den Staaten, wo Hoefter einst studiert hatte, aber nirgendwo in Europa. Das Alpamare ist die Mutter aller Freizeitbäder, wie sie heute europaweit gang und gäbe sind. Das Publikum strömte nach Bad Tölz. Ins Alpamare zu gehen, viele Tölzer erinnern sich gut, galt jahrzehntelang als Non-plus-Ultra der Freizeitgestaltung. Und Tölz, der einst mondäne Kurort, der nun von Sozialkurgästen lebte, bekam eine einzigartige Frischzellenkur.

Das war zweifellos Max A. Hoefters Verdienst. Das Alpamare, so hielt Bürgermeister Eckart Fadinger bei der Verleihung des Goldenen Ehrenrings der Stadt 1989 fest, sei für die ganze Gegend ein Paradestück und für Tölz „von unschätzbarer Bedeutung“.

Das war richtig und doch nur die eine Seite der Medaille. Die Zwangsehe, in die sich die Jod AG – eine der ältesten Aktiengesellschaften Bayerns übrigens – und die Stadt Bad Tölz und die Gemeinde Bad Heilbrunn für die gemeinsamen Tourismusziele fügen musste, funktionierte in ihrer langen Geschichte selten reibungslos.

Als die Kurkrise kam und der Ruhm des Alpamares angesichts von allüberall aus dem Boden schießenden Bädertempeln sichtlich zu verblassen begann, wurden die in Erfolgszeiten mühsam gekitteten Bruchstellen im gemeinsamen Verhältnis unübersehbar. Und der Tonfall rauer. Dass Max A. Hoefter seit vielen Jahren im schweizerischen Wollerau lebte, mag einer zunehmenden Entfremdung Vorschub geleistet haben.

Der Erbauer des Tölzer Alpamare: Max A. Hoefter.

Vom Fremdenverkehr hatte sich die Jod AG geistig schon lange verabschiedet. 2015 trennte sie sich nach langem juristischen Kleinkrieg mit der Kommune von ihren Flächen in Heilbrunn. Im selben Jahr wurde in Tölz das Alpamare ebenso wie kurz zuvor der traditionsreiche „Jodquellenhof“ geschlossen. Statt Tourismus sollen nun Wohnungen entstehen.

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Honorig, stets zuvorkommend und höflich, so haben den seit 2006 aus dem operativen Geschäft ausgeschiedene Max A. Hoefter der Tölzer Bürgermeister Josef Janker, sein Vorgänger Josef Niedermaier und der frühere Heilbrunner Gemeindechef Martin Bachhuber erlebt. Letzterer fügt an, dass Hoefter „knallhart“ verhandelt habe und Gespräche oft „ein Schritt vor, zwei Schritte zurück“ verliefen.

Zu erwähnen ist schließlich sein großes historisches und religiöses Interesse. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur hat er vor einigen Jahren einmal erzählt, dass er 100-prozentig an die Geschichte der ihm persönlich noch bekannten Mystikerin und Stigmata-Trägerin Resl von Konnersreuth glaube. Hier ist auch die enge Verbindung Hoefters zu seinem großen Engagement für den im Dritten Reich ermordeten katholischen Publizisten Fritz Gerlich zu suchen. Gerlich war ein entschiedener Konnersreuth-Fan. Hoefter finanzierte die wissenschaftliche Bearbeitung des kompletten Gerlich-Nachlasses.

Zu den kaum bekannten, aber bemerkenswerten Facetten des Verstorbenen zählt schließlich auch die – recht gut verbürgte – Geschichte über das, was er tat, als der frühere Stadtrat Robert H. wegen eines nicht gezahlten Bußgelds ins Gefängnis kam. Hoefter hängte das nie an die große Glocke, aber er zahlte die Strafe einfach, und H. war wieder frei.

Christoph Schnitzer

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