Was sind das für Tierspuren, die man da im Schnee entdeckt? Bei einer Veranstaltung des Zentrums für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern gab es für Familien viel zu entdecken.
Benediktbeuern – Die Bedingungen waren perfekt: Strahlende Sonne, eine weiße Schneedecke, die die Spuren zahlreicher nächtlicher Besucher verriet, und ein kundiger Führer, der diesen ihre Geheimnisse zu entlocken weiß. Allein an den Familien, die sich auf das Abenteuer als „Sherlock Holmes im winterlichen Klosterland“ einlassen wollten, fehlte es am Samstagnachmittag. Martin Malkmus, der Umweltpädagoge des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK), erwog schon, die Wanderung ausfallen zu lassen, als Magdalena an der Hand ihres Vaters um die Ecke bog. Die Fünfjährige aus Bad Tölz wollte Martin Malkmus, selbst mehrfacher Vater, natürlich nicht enttäuschen.
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Das freute – neben der Reporterin des Tölzer Kurier – auch den einzigen anderen Gast, eine kürzlich aus Norddeutschland nach Benediktbeuern zugezogene ältere Dame, die perfekt ausgerüstet für die kleine Expedition an der ZUK-Rezeption erschienen war. Und so konnte es doch noch losgehen.
Auf dem Weg ins Moos fühlt Malkmus bei Magdalena mal ein wenig vor: „Welche Tiere kennst du denn, die jetzt im Winter draußen sind?“ „Unsere Katze!“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Da macht der Pädagoge eine erste Rast, packt Schilder aus dem großen Rucksack, die heimische Tiere abbilden, und heftet jedem Teilnehmer eines auf den Rücken. So wissen die anderen, welches Tier er darstellt, während er das durch Fragen in die Runde herausfinden muss. „Kann ich fliegen? Bin ich ein Raubtier? Kann ich auf den Baum klettern? Sehe ich im Winter anders aus als im Sommer?“ So tastet man sich heran, bis Fuchs und Reh, Hirsch und Hermelin erraten sind.
Malkmus packt weitere Tierbilder aus und legt sie auf die Schneedecke. „Leben die hier alle bei uns? Und sind sie auch im Winter hier?“ Beim Igel ist das schnell geklärt: Der bleibt hier und hält Winterschlaf. Kniffliger wird es schon bei der Heuschrecke. Da muss der Fachmann weiterhelfen: „Die Heuschrecke überwintert nur als Ei und schlüpft im Frühjahr.“ Beim Storch wiederum wissen alle Bescheid.
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Und weiter geht’s. Nach einem kurzen Weg quer über die verschneiten Wiesen bleibt Malkmus erneut stehen. Er ist selbst überrascht, wie viele gut erkennbare Spuren im Schnee zu sehen sind. „Unsere erste Frage lautet aber nicht, von welchem Tier sie stammen. Wir fragen uns erst einmal: War das Tier schnell oder langsam unterwegs? Also auf der Flucht oder auf Beutesuche?“
Als weitere Hilfe teilt Malkmus Karten aus, auf denen die heimischen Tiere mit ihren Spuren verzeichnet sind, sowie Lupen und Maßbänder. Dann kniet er sich in den Schnee vor einer „ganz spannenden Spur“. Wo sind die Vorder-, wo die Hinterfüße? Auch da kann die Spurenkarte weiterhelfen. Und dann kreuzt eine andere Spur: Die Abdrücke im Schnee sind gut einen Meter voneinander entfernt. „Ist das Tier gehüpft?“, gibt Malkmus zu bedenken. „In welche Richtung ist es gelaufen?“ Die Spur wird verfolgt und führt ins Dickicht zu einem Baum. Das erhärtet den Verdacht, dass es sich um ein Eichhörnchen handelt. War es auf der Flucht vor dem Fuchs, der sich als Verursacher der ersten Spur herausgeschält hat? Dazu sei sie zu gleichmäßig, erklärt der Pädagoge. „Das Tier war eindeutig nicht auf der Flucht.“
Anders bei der Spur, die als nächste auftaucht. Sie wird nach Abwägung etlicher Faktoren als die eines Hasen erkannt – und der könnte es tatsächlich sehr eilig gehabt haben, weil er dem Fuchs nicht begegnen wollte.
Da fällt eine ganz feine, zarte Spur ins Auge, die zu einem kleinen Loch führt: Da war eine Maus unterwegs! Weil sie so leicht ist, kann sie über die Schneedecke laufen, ohne einzusinken. Was den Erwachsenen in der Runde dagegen immer wieder einmal passiert.
Doch Malkmus eilt leichtfüßig voran. Er hat ein ganz bestimmtes Ziel, das er aber noch nicht verrät. Auf dem Weg dahin stellt er Rätsel-Fragen: „Das gesuchte Tier ist eines der größten hier bei uns. Es hat ein dickes Fell.“ Der Hirsch? Doch der kann es nicht sein, denn Malkmus fährt fort: „In Bayern war das Tier schon mal ausgerottet, doch jetzt kommt es wieder. Es hat ganz scharfe Zähne und kann gut schwimmen. Und es wohnt in einer Burg, die es selber baut.“ Okay, jetzt ist das Rätsel geknackt. Aber wieso ist der Biber eines der größten Tiere? „Der ist tatsächlich größer als ein Reh“, bestätigt der Fachmann.
Und damit ist die Expedition am Mühlbach angelangt, wo der Biber unübersehbar sein Quartier aufgeschlagen hat. Rundum spitz abgenagte Baumstämme und ein über den Wasserlauf gebauter Damm sprechen eine deutliche Sprache. Den nachtaktiven Tieren selber begegnet man zwar nicht, doch Malkmus packt einen Plüsch-Biber und ein echtes Biberfell aus dem Rucksack. „Es gibt nur ein Tier, dessen Fell noch dichter ist. Und das ist der Fischotter“, erklärt er. „Beim Biber finden sich immerhin 20 000 Haare auf einem Quadratzentimeter.“ Auch die Klauen sind gut erkennbar vorhanden samt der Schwimmhäute. Und Malkmus weist auf eine gespaltene Kralle hin: „Das ist die Putzkralle, also der Kamm des Bibers.“
Auf dem Rückweg zum Kloster fällt noch eine besondere Spur auf: Der charakteristische Dreizehen-Abdruck deutet auf einen Vogel hin. „Aber wieso läuft der eine solch lange Strecke?“ Das wird sein Geheimnis bleiben, doch dann bricht die Spur ab und rechts und links davon sind Flügelabdrücke im Schnee zu erkennen. „Eine Flügelspannweite von 80 Zentimetern: Das könnte eine Krähe oder Elster gewesen sein“, meint Malkmus.
Wieder am Ausgangsort angelangt sind sich alle einig: Toll, was es zu entdecken gibt, wenn man die nötige Anleitung zur Aufmerksamkeit bekommt. Und alle, die nicht dabei waren, haben was verpasst.
Diese „Spurensuche im Klosterland“ bietet das Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern im Winter mehrmals an. Nächster Termin ist am Rosenmontag, 4. März, von 14 bis 17 Uhr. Da liegt der Schwerpunkt schon auf Entwicklungen in der Natur im Frühjahr. Die Tour eignet sich für Schüler zwischen sieben und 13 Jahren. Natürlich können auch Eltern mitkommen. Infos und Anmeldung bei Regina Folte unter Telefon 0 88 57/88-759 oder E-Mail bildung@zuk-bb.de. Die Teilnahme kostet 10 Euro. Infos im Internet auf www.zuk-bb.de. Das neue Jahresprogramm wird in Kürze vorgestellt. (Sabine Näher)