VonSilke Schederschließen
1,3 Millionen Euro haben die Gemeinde Reichersbeuern und die Klosterbrauerei Reutberg in die Renovierung der „Altwirts“ gesteckt. An Allerheiligen nehmen die neuen Pächter den Betrieb auf.
Reichersbeuern – Viele Reichersbeurer haben bereits einen Blick durch die Fenster des frisch sanierten „Altwirts“ riskiert. Und schon vor der Eröffnung liegen den neuen Pächtern etliche Reservierungen durch die Vereine vor. Keine Frage: Die Dorfbewohner freuen sich darauf, wenn an diesem Donnerstag die letzte verbliebene Wirtschaft im Ort ihren Betrieb wieder aufnimmt. „Hier scheint es noch wie früher zu sein“, schwärmt Wirt Guido Stocker. „Das Dorf geht wirklich noch in die Wirtschaft.“
Seit Mitte Juni mussten die Reichersbeurer auf ihre traditionsreiche Gaststätte samt dem Saal mit seinen 200 Plätzen verzichten. Nach mehr als drei Jahrzehnten als Pächter hatten sich damals Lutz und Marianne Heumann in den Ruhestand verabschiedet. Seitdem hat sich einiges getan: Zusammen mit der Klosterbrauerei Reutberg hat die Gemeinde rund 1,3 Millionen Euro investiert, um den Mittelpunkt des Dorflebens den heutigen Standards anzupassen.
Neue Küche, neue Schänke
Dazu gehört laut Bürgermeister Ernst Dieckmann eine neue Küche samt Tiefkühlkammer, eine moderne Lüftung und Heizung sowie eine behindertengerechte Toilette. In der Gaststube und dem Saal hat sich optisch nicht allzu viel verändert. „Wir wollten den ursprünglichen bayerischen Charakter erhalten“, betont Dieckmann. An einer neuen Schänke führte dennoch kein Weg vorbei.
Im Saal haben die Bauarbeiter bislang nur moderne Fenster und eine neue Türe eingebaut. Dieckmann hofft, den beliebten Veranstaltungsort für Vereinsversammlungen, Hochzeiten und Theateraufführungen in einigen Jahren im Rahmen der Dorferneuerung umfassend sanieren zu können – also mit finanzieller Unterstützung des Amts für ländliche Entwicklung. Die Kosten müsste die Gemeinde ansonsten aus eigener Tasche zahlen, denn: Der Saal gehört ausschließlich ihr. Die Partnerschaft mit der Klosterbrauerei gilt nur für das Wirtshaus selbst mit den Gaststuben, der Küche und den Nebenräumen. Gemeinde und Klosterbrauerei bilden gemeinsam die Gasthof Altwirt GmbH & Co KG.
Während der Gastraum und der Saal weitestgehend fertig sind, ziehen sich die Bauarbeiten in den fünf Fremdenzimmern noch hin. „Sie werden wahrscheinlich erst im Januar fertig“, sagt Dieckmann. Dann soll es eventuell eine kleine Eröffnungsfeier geben. An Allerheiligen werden Guido Stocker und seine Frau Julia dagegen lediglich um 11 Uhr die Tür aufsperren und auf die ersten Gäste warten. „Wir freuen uns auf die Aufgabe hier im Dorf und würden gerne ein Teil der Gemeinschaft werden.“
Liebe zum Beruf mit der Muttermilch aufgesogen
Guido Stocker stammt aus einer bayerischen Wirtsfamilie aus Pfaffenhofen. Die Liebe zum Beruf „habe ich quasi mit der Muttermilch aufgesogen“, wie Guido Stocker bereits im Sommer dem Tölzer Kurier erzählte. Nach dem Abitur ließ er sich am „Königshof“ in München zum Koch und Kellner ausbilden. Später arbeitete er in Sterne-Restaurants in ganz Süddeutschland. Zuletzt waren er und seine Frau sechs Jahre lang die Wirtsleute in der Schlossbrennerei Tegernsee. Um sich ganz auf den „Altwirt“ konzentrieren zu können, hat das Paar diese Aufgabe aber aufgegeben.
Trotz der Arbeit in Gourmet-Restaurants: Eine bodenständige bayerische Küche bildet die Basis für die neue Speisekarte im „Altwirt“. Neben Obazda und Schweinsbraten setzt Stocker aber auch auf vegetarische, zum Teil mediterrane Gerichte. Mit dieser Mischung, und vor allem mit Qualität, wollen die Stockers überzeugen.
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