Am Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern

Neuer Moorwaldlehrpfad eröffnet: Ein neuer „Dschungel“ im Klosterland

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Der erweiterte Moorwaldlehrpfad beginnt ein Stück hinter der Vogelbeobachtungsstation Moosmühle. Auf großen Info-Tafeln werden Pflanzen und Bäume erklärt. Besucher können auch auf einem kleinen Floß fahren und in ein Moorloch steigen.
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Mit zahlreichen Gästen hat das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK)  die Einweihung des neuen Moorwaldlehrpfads im Loisach-Kochelsee-Moor gefeiert. Für Kinder und Erwachsene gibt es dort viel zu entdecken.

Benediktbeuern – Viele Naherholer waren am Dienstagnachmittag verwundert angesichts der „Völkerwanderung“, die sich teils zu Fuß, teils mit dem Fahrrad und teils mit Shuttlefahrzeugen vom Kloster Richtung Moosmühle und weiter bis zum Beginn des neuen Lehrpfads begab. Das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) hatte alle, die in den vergangenen Jahren zur Umsetzung des Projekts beigetragen hatten, zu Einweihung und Führung eingeladen. Gut 40 Personen waren gekommen: unter ihnen Behördenchefs und -mitarbeiter, Freunde und Förder des ZUK, Verantwortliche von der Gemeinde sowie Jugendliche und natürlich die ZUK-Senioren.

Der neue Lehrpfad hat eine lange Geschichte. Sie beginnt mit der Gründung des ZUK 1988. Damals wurde entschieden, den bestehenden Fichtenwald an dieser Stelle zu entnehmen, um das Moor wiedervernässen zu können, berichtete Revierförster Klaus Kalischko beim Rundgang. Alles, was man heute sieht, ist in den vergangenen 30 Jahren dort nachgewachsen: Birken, Eichen, Pappeln, Ahorne und Silberweiden listete Kalischko unter anderem auf. „Die Natur soll sich hier selbst regulieren“, sagte der Revierförster, der den neuen Lehrpfad auch betreuen wird. Ganz wichtig sei das Totholz. Es werde nur entnommen, wenn von ihm eine Gefahr ausgehe, etwa durch Umstürzen. Ansonsten dienen die abgestorbenen Bäume Vögeln und Insekten als Nistplätze.

Feiern und forschen: Das bietet das ZUK 2019

Das ZUK hat den bereits bestehenden Moorpfad in den vergangenen Jahren neu gestaltet und erweitert. Das Zentrum wurde im Rahmen eines Wettbewerbs des Umweltministeriums als eines von 17 Projekten in ganz Bayern ausgesucht und erhielt bei der Umsetzung begleitende Unterstützung von den Bayerischen Staatsforsten. Dessen Vorstandsvorsitzender Martin Neumeyer bezeichnete den „Kosmos in Benediktbeuern als etwas ganz Besonderes“, denn hier stünden „geistige und geistliche Ideen dahinter“. Das Klosterland sei ein „Gottesgeschenk“, lobte Neumeyer und dankte den zahlreichen Engagierten.

Trugen zur Umsetzung des Projekts bei: (v. li.) Fritz Holzträger (ZUK-Senioren), Rudolf Plochmann (Leiter Forstbetrieb Bad Tölz), Josef Niedermaier (Landrat), Roland Kriegsch (Leiter Wasserwirtschaftsamt), Sabine Rauscher (Leiterin Gäste-Info Benediktbeuern), Axel Serwotka (Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft), Martin Neumeyer (Vorstandsvorsitzender Staatsforsten), Hanns-Frank Seller (amtierender Bürgermeister), Werner Buchner (einer der Gründerväter des ZUK), Wolfgang Schröder (Zweiter Vorsitzender des ZUK-Trägerverbunds), Franz Steger (Landratsamt Bad Tölz), Christian Webert (Bereichsleiter Forsten im AELF), Klaus Kalischko (Revierförster) und Pater Karl Geißinger (Rektor des ZUK).

Die Bayerischen Staatsforsten, im Besitz von rund 8000 Quadratmeter Moorfläche, haben in den vergangenen Jahren rund die Hälfte renaturiert, berichtete Neumeyer und sprach über die Bedeutung der Moore für Natur- und Klimaschutz. Landrat Josef Niedermaier kam in seiner Rede auch auf das Spannungsverhältnis von Forst, Landwirtschaft und Naturschutz zu sprechen. Das Verständnis untereinander wachse, freute sich Niedermaier und betonte erneut die Wichtigkeit der Loisach-Kochelsee-Moore für die ganze Region.

Der Moorwaldlehrpfad ergänzt nun das ZUK-Angebot, das bereits aus einem Gehölz- und Klangpfad, Erlebnisbiotopen und der Vogelbeobachtungsstation Moosmühle besteht. Der Pfad beginnt ein Stück hinter der Moosmühle. Große Info-Tafeln erklären Pflanzen und Bäume, zudem gibt es Sitzmöglichkeiten, die sich auch für Schulklassen eignen. Groß und Klein können beim Besuch mit einem kleinen Floß fahren, auf einem Schwebebalken balancieren, durch einen Weidentunnel gehen, auf einer umgestürzten Eiche klettern, eine kleine Seilbahn nutzen und auch testen, wie es sich anfühlt, wenn man bis zum Bauch in einem Moorloch versinkt.

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ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger und Revierförster Kalischko erklärten den Besuchern beim Rundgang Wissenswertes über Fauna und Flora. „Das ist ein toller dichter Dschungel hier geworden“, sagte Geißinger mit Blick auf die jahrzehntelange Entwicklung. „Ich bin gespannt, was sich hier noch alles entwickeln wird.“ Man sehe, wie die Natur Wunden heile, sagte Kalischko in Bezug auf die einstige Fichten-Monokultur. Und das sei sehr schnell gegangen: „Absterben und neu Wachsen liegen hier nah beieinander.“

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