Funkmasten in Ameranger Ortsteil geplant

Aus der Traum vom schnellen Mobilfunk in Evenhausen? Zauneidechse sorgt für Baustopp

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Weil auf dem geplanten Baugrund eine streng geschützte Zauneidechse entdeckt wurde, ist der Bau des Mobilfunkmastens in Evenhausen vorerst gestoppt.

Zu früh gefreut? Spätestens im Herbst soll der Mobilfunkmasten im Ameranger Ortsteil Evenhausen für sicheren Empfang sorgen. Doch: Ein kleines Reptil hat allem Anschein nach ein Veto eingelegt gegen das Vorhaben und den Standort.

Amerang/Evenhausen - Beinah schon feierlich wurde in der Juni-Sitzung des Gemeinderats verkündet, dass der Bau des 40 Meter hohen Mobilfunkmastens zeitnah in Angriff genommen werde und somit ein Funkloch-Ende in Evenhausen in Sicht ist.

Zauneidechse hemmt Bauvorhaben

Im Juli starteten die ersten Erdarbeiten. Doch weit kamen die Arbeiter nicht: Bei Beginn der Maßnahme - konkret des Freimachens des Baufeldes - wurde durch die ökologische Baubegleitung (ÖBB) das Vorkommen der europarechtlich geschützten Zauneidechse festgestellt. Dies bestätigt Sibylle Gaßner-Nickl vom Landratsamt Rosenheim auf Nachfrage der Redaktion.

Zauneidechse

Die Zauneidechse ist nach deutschem und europäischem Recht streng geschützt. Das bedeutet, es ist nicht nur verboten, die Tiere selbst zu fangen oder zu töten, sondern auch ihre Lebensräume zu zerstören oder zu beschädigen. Von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wurde das Tier 2020 und 2021 zum „Reptil des Jahres“ ernannt. 

Bereits in der Vergangenheit wurden an dem Standort Vorkommen der Zauneidechse gefunden. Diese konnten bislang erfolgreich umgesiedelt werden.

Das erneute Auffinden der Tiere führte nun - wie in solchen Fällen üblich - zu einem sofortigen Baustopp: Die Arbeiten wurden seitens der ÖBB eingestellt und Rücksprache mit der unteren Naturschutzbehörde bezüglich des weiteren Vorgehens gehalten.

Artenschutzrechtliche Ausnahme

Daraufhin habe die ausführende Firma Abel Mobilfunk aus Engelsberg bei der höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberbayern eine Ausnahme von den „Störungs- und Verbotstatbeständen des Artenschutzrechts“ beantragt. Diese artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung wurde nun unter gewissen Auflagen - sogenannten Nebenbestimmungen - erteilt.

„Wir befinden uns aktuell in der Umsetzung dieser Auflagen und leiten alle erforderlichen Maßnahmen mit hoher Priorität in die Wege“, heißt es aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Firma Abel Mobilfunk zum aktuellen Stand.

Ziel der Baufirma - die im Auftrag von Telefónica agiert - ist es, die Arbeiten baldmöglichst und im Rahmen aller naturschutzrechtlichen Anforderungen wiederaufzunehmen.

„Wir sind zuversichtlich, dass sich eine Lösung finden wird und das Projekt planmäßig voranschreitet. Nach derzeitigem Planungsstand wollen wir mit den Baumaßnahmen im September beginnen.“

Es besteht also weiterhin Hoffnung für die Evenhausener auf beständigen Mobilfunk - mitsamt heimischer Eidechse in unmittelbarer Nachbarschaft. (mb)

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