Störgeräusche beseitigt

Neue Eibsee-Seilbahn: Grainau fürchtet Verkehrschaos

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Deutlich erkennbar: die Trasse der neuen Bahn, die direkt neben der alten Bahn verläuft.
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Grainau - Die Notwendigkeit einer neuen Seilbahn auf die Zugspitze ist unumstritten. Grainau fürchtet aber das Verkehrschaos. Nun gibt’s ein Konzept, das den Ort milde stimmt.

Es wird eine „Bahn der Rekorde“. Größer, schöner, moderner. Nicht nur Statiker Hans-Georg Leitner sprach bei der Pressekonferenz zum Neubau der Eibsee-Seilbahn auf der Zugspitze gestern in Superlativen. Nur eine Stütze – mit 127 Metern der höchste Stahlträger einer Pendelbahn überhaupt. 3,4 Kilometer freies Schweben von der Stütze zur Bergstation – die längste Freifahrt in einer Gondel. Und 120 Personen, die ab 2017/2018 zeitgleich auf den Gipfel befördert werden.

Genau bei dieser Zahl hatte Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) in der Vergangenheit die Stirn gerunzelt. Das Dorf fürchtet ein Verkehrschaos. Schon jetzt herrscht an sonnigen Wochenenden am Eibsee Ausnahmezustand. Tausende Gäste pilgern zum Baden und auf Deutschlands höchsten Berg.

Peter Huber, Technischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), betonte einmal mehr, mit dem 50-Millionen-Euro-Projekt nicht die Gästezahl, sondern nur den Komfort für Kunden erhöhen zu wollen. Bis zu zweieinhalb Stunden Wartezeit an der Gondel hält er für „unzumutbar“. Derzeit bringt die Seilbahn rund 500 000 Menschen im Jahr auf den Berg, mit 550 00 Kunden nach der Neu-Eröffnung wäre er „sehr zufrieden“.

Der frühere Grainauer Gemeinderat hatte diese hehren Ziele stets bezweifelt und sehr wohl mit deutlich mehr Besuchern – und deutlich mehr Verkehr – gerechnet. Die Volksvertreter lehnten den Neubau im November 2014 mit der Forderung nach einem schlüssigen Verkehrskonzept ab.

„Wir mussten eine Lösung finden“, weiß Huber. Die gibt es nun. Rathauschef Märkl folgte den Ausführungen gestern sehr entspannt, ohne gerunzelte Stirn. „Meine Bedenken sind nicht mehr groß, die Maßnahmen bringen was“, sagte er.

Eine davon hat sich bereits am vergangenen Wochenende bewährt. Denn ein neues Schild an der Zugspitzstraße in Garmisch-Partenkirchen weist Autofahrer darauf hin, wenn die Parkplätze am Eibsee belegt sind. Ein Projekt, um „den sinnlosen Verkehr nach Grainau zu vermeiden“, betonte Huber.

Neue Seilbahn auf Zugspitze mit weltweit höchster Stahlstütze - Fotos

Zugspitz-Seilbahn
So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
Zugspitz-Seilbahn-dpa
Ein Baukran steht auf der Zugspitze. Dort fand eine Pressekonferenz zum Neubau der Zugspitz-Seilbahn statt, die im Jahr 2017 fertig gestellt werden soll. © dpa
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Die neue Seilbahn auf die Zugspitze wird mit nur noch einer Stütze auskommen. Mit ihren 127 Metern ist die Stahlstütze die höchste der Welt. © dpa
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Die neue Seilbahn auf die Zugspitze wird mit nur noch einer Stütze auskommen. Mit ihren 127 Metern ist die Stahlstütze die höchste der Welt. © dpa
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Männer arbeiten auf der Zugspitze und Fundamenten für eine Seilbahn. © dpa
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Eine gerodete Schneise ist auf der Seilbahnstrecke zur Zugspitze zu sehen. © dpa
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Ein Baukran steht auf der Zugspitze. Dort fand eine Pressekonferenz zum Neubau der Zugspitz-Seilbahn statt, die im Jahr 2017 fertig gestellt werden soll. © dpa

Zudem soll die Zahnradbahn Grainau entlasten. Derzeit können an deren Bahnhof in Garmisch-Partenkirchen nur 100 Menschen einsteigen, weil Plätze für Zusteiger am Kreuzeck (30), in Grainau (50) sowie am Eibsee (100) freigehalten werden müssen. Ein Versuch, um die aktuelle Seilbahn zu entlasten und Gästen lange Wartezeiten zu ersparen. Bringt die neue Godel künftig deutlich mehr Kunden in einem Schwung auf den Gipfel, kann die Zahnradbahn deutlich mehr Reisende in Garmisch-Partenkirchen aufnehmen. Und die müssen gar nicht erst nach Grainau fahren. So zumindest die Hoffnung der BZB in der Theorie, Märkl ist für die Praxis optimistisch. „Was hätten wir sonst auch machen sollen? Eine Umgehungsstraße?“ Sehr unrealistisch.

Zudem gibt’s bereits seit einer Woche – und künftig jeden Sommer von Juli bis September – einen Expressbus, der Urlauber dreimal täglich von Garmisch-Partenkirchen zum Eibsee und zurück bringt.

Die Zahnradbahn muss auch die Massen für ein halbes Jahr auffangen, wenn die alte Eibsee-Seilbahn ab Frühjahr 2017 stillsteht. Dafür nimmt die BZB nochmals richtig Geld in die Hand: Acht bis zehn Millionen Euro kostet eine neue Berg-Lokomotive, die für Herbst 2016 bestellt ist. Sie wird „für den Materialtransport benötigt“, erläuterte Huber. Praktisch: Sie kann zudem zwei bis drei Doppel-Waggons mit Gästen Gipfel schieben. Es „wird dann alle eineinhalb Stunden ein Zug mehr eingesetzt“, erläuterte der BZB-Vorstand, „sodass insgesamt 40 bis 50 Prozent der Seilbahn-Kapazität aufgefangen werden können“. Solch eine Lok fuhr bereits in den 1930er bis 1950er Jahren auf die Zugspitze – damals mit rund zwölf km/h, die neue schafft Tempo 20. Es geht eben nichts über den Komfort der Gäste.

Janine Tokarski

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