Sie sind die Alltagshelden der Corona-Krise: Die Verkäufer in Supermärkten, das Personal im Krankenhaus und viele andere. In unserer Serie stellen wir einige davon stellvertretend vor.
Bad Tölz – Für die meisten spielt sich das Leben in der Corona-Krise in den eigenen vier Wänden ab. Doch es gibt auch viele Menschen, die in Berufen arbeiten, in denen Homeoffice keine Option ist. Die Verkäuferin im Supermarkt, das Pflegepersonal im Krankenhaus, der Mitarbeiter in der Bäckerei, beim Metzger oder an der Tankstelle – sie und viele andere halten den Laden am Laufen. In einer kleinen Serie stellt der Tölzer Kurier diese „Alltagshelden“ vor – stellvertretend natürlich für den ganzen Berufsstand.
Der Alltag von Andreas Wind steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Zusammen mit seinem Team betreut der Reichersbeurer auch an Covid-19 erkrankte Patienten auf der Intensivstation der Asklepios-Stadtklinik Bad Tölz. Der 38-Jährige ist dort der pflegerische Leiter. Angst vor einer Ansteckung habe er keine, sagt er, aber Respekt. „Natürlich sehe ich die Bilder aus Italien und New York, und das beschäftigt mich“, gesteht er. Da komme bei ihm schon manchmal die Frage auf, wie sich das Ganze wohl hier entwickle. Aber vor allem fühle er mit den Kollegen in den anderen Ländern, sagt er.
Winds Tagesablauf ist momentan unter anderem davon bestimmt, Dienstpläne so anzupassen, dass vor allem die Kollegen mit Familie gut durch diese schwere Zeit kommen. „Und natürlich ist es auch meine Aufgabe, die Ängste meiner Kollegen im Blick zu haben.“ Manche Mitarbeiter seien zu Beginn der Krise sehr unruhig gewesen, aber „wir gehen damit offen und transparent in unserem Team um und haben sogar eine Whatsapp-Gruppe, um auf Sorgen und Ängste einzugehen“. Am Ende habe die Situation den Zusammenhalt im Team erhöht, sagt Wind. „Die Kollegen gehen gerne mal den Extrameter für den anderen.“ Letztlich müsse sich auch keiner Sorgen machen, denn die Sicherheitsvorkehrungen seien extrem hoch und Material, um sich zu schützen, gebe es genug.
In der Krise gibt es endlich Anerkennung
Tatsächlich kann der 38-Jährige der Krise sogar etwas Positives abgewinnen: Er habe das Gefühl, dass sein Berufsstand endlich die Anerkennung bekomme, die er verdiene, sagt Wind. „Es ist schön zu sehen, dass man was wert ist.“ Er habe die Hoffnung, dass das auch nach der Corona-Krise noch so ist. Und noch etwas freut ihn: „Meine Frau arbeitet im gleichen Beruf wie ich, und wir bekommen auch in unserer Heimatgemeinde ganz viel Rückendeckung.“ Die Notbetreuung der Kinder sei sofort geregelt gewesen, und es gebe liebe Nachbarn, die beispielsweise an Ostern einfach das Osterlicht vorbeigebracht hätten.
Im Leben von Andreas Wind gab es zwei Erlebnisse, die seine spätere Berufswahl nachhaltig beeinflusst haben: Zum einen war da ein schwerer Unfall, der ihn eine Woche ans Krankenhausbett fesselte, zum anderen der Tod seines Opas. Zusammen mit seiner Oma hatte Wind ihn auf seinem letzten Weg begleitet.
Die Ereignisse von damals und, wie er lächelnd zugibt, seine handwerkliche Ungeschicktheit ließen ihn schnell den Entschluss fassen, dass er auch beruflich Menschen Gutes tun will. „Mit Menschen zu arbeiten, ihnen zu helfen, auch seelisch, das ist es, was ich gerne mache“, betont er.
An Hobby ist derzeit nicht zu denken
Neben seiner Berufung, Menschen zu helfen, hat Wind noch eine zweite Leidenschaft: Fußball. „Ich bin seit 24 Jahren Schiedsrichter“, sagt er. Das eigene Talent als Spieler sei eher überschaubar gewesen, erinnert er sich an seine Anfänge. Aber die Lust am Spiel war einfach zu groß. Und so sei er dem Beispiel seines Vaters gefolgt und habe einfach die Schiedsrichterpfeife in die Hand genommen. „Für einen 14-Jährigen war das eine großartige Persönlichkeitsschule“.
Doch an sein Hobby sei im Augenblick leider nicht zu denken, sagt Wind. Er freue sich aber schon jetzt auf die Zeit, wenn er wieder auf dem Platz stehen darf. Und hoffentlich sei dann jeder etwas entspannter als vor der Krise. „Ich glaube aber, dass es allen ganz gut tut, sich jetzt wieder auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren.“ (Arndt Pröhl)
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