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In vielen Berufen macht der Dienstplan zu Weihnachten keine Pause. Einige Menschen im Landkreis verbringen daher den Heiligen Abend in der Arbeit.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Bei Kerzenschein am Christbaum sitzen, Plätzchen naschen und Geschenke auspacken: Nicht alle können so besinnlich den Heiligen Abend im Kreise ihrer Liebsten verbringen. Denn in vielen Berufen macht der Dienstplan zu Weihnachten keine Pause.
So verhält es sich zum Beispiel bei der Polizeiinspektion Bad Tölz. „Wir haben vier feste Schichten und einen vorgeschriebenen Turnus, der entscheidet, wer an Weihnachten arbeiten muss“, erklärt der stellvertretende Dienststellenleiter Andreas Rohrhofer. Das Einsatz-Aufkommen an Heiligabend sei im Voraus nicht abschätzbar. „Wir sind besetzt wie an jedem anderen Tag unter der Woche“, erklärt Rohrhofer. Ich kann mich an Weihnachts-Schichten erinnern, bei denen die Hölle los war. Es gibt aber auch sehr ruhige.“ Je nach dem, wie oft die Beamtem ausrücken müssen, setzen sie sich am Abend des 24. Dezember zusammen und essen gemeinsam mit Kollegen. „Doch dieses Beisammensein kann jederzeit durch einen Einsatz ein abruptes Ende finden“, sagt der Dienststellenleiter.
Auch bei den Landwirten, ist der höchste Feiertag im Jahr nicht immer planbar. „Wir haben an Weihnachten mehr Arbeit als sonst, da die Stallhelfer sich an solchen Tagen frei nehmen“, berichtet Kreisbäuerin Ursula Fiechtner aus Rothenrain (Gemeinde Wackersberg). Die Stallarbeit müsse morgens und abends gemacht, die Tiere müssten versorgt werden.
“Ein anstrengender Balance-Akt“
„Zusätzlich versucht man, seinen familiären Pflichten gerecht zu werden. Die Kinder warten ja aufs Christkind, und die Familie will in die Kirche.“ Alles unter einen Hut zu bekommen, sei nicht selten ein „anstrengender Balance-Akt“. Es gab auch schon das ein oder andere Weihnachtsfest, an dem nichts nach Plan lief. „Einmal kamen an Heiligabend die Kälber auf die Welt, parallel war eins meiner Kind krank. Ich bin nicht aus dem Stall gekommen, und mein älterer Sohn wurde ganz nervös, wann endlich die Bescherung beginnt.“
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Hochkonjunktur zu Weihnachten: Das kennt auch Dekan Thomas Neuberger. Er selbst feiert das höchste Christenfest mit seiner Familie daher erst am 27. Dezember. Aber Neuberger ist damit nicht allein im Pfarrverband Dietramszell. „Wir haben sehr viele ehrenamtliche Helfer, die zu Weihnachten die Kirche schmücken. Auch unsere Mesnerin oder die Kirchenmusiker haben an den Feiertagen kaum frei. Ohne sie würde kein Gottesdienst klappen“, betont der Pfarrer, der am 24. Dezember zwei Gottesdienste abhalten wird.
Weihnachtsfeier am 27. Dezember
Etwas Besonderes haben sich die Inhaber des Tölzer Bistros Pastis, Michael und Sonja Eichmann, einfallen lassen. „Wir veranstalten seit 30 Jahren am 24. Dezember eine Feier im Bistro, zu der jeder kommen kann. Es gibt ein Weißwurstfrühstück.“ Dieser Tag sei trotz hohen Arbeitsaufwands für die Wirtsleute immer ein Höhepunkt im Jahr. „Es kommen viele Stammgäste und auch ehemalige Mitarbeiter. Man merkt, es ist immer eine einmalige Stimmung.“ Dieses Jahr ist das Bistro sogar bis spät in die Nacht geöffnet. „Die vergangenen Jahre haben wir immer um 17 Uhr geschlossen, aber heuer hat ein Mitarbeiter freiwillig angeboten, bis 24 Uhr zu arbeiten.“
Freiwillig an Heiligabend zu arbeiten, ist im Seniorendomizil „Haus Elisabeth“ in Geretsried zwar möglich, „kommt aber eher selten vor“, sagt Leiterin Julia Augner. Für das Küchenpersonal, die Hauswirtschaft und die Pfleger, die im Dienst sind, sei es ein Arbeitstag wie jeder andere. „In den jeweiligen Wohnbereichen schließt sich das Personal öfters zusammen. Dann essen sie gemeinsam oder machen ein paar Minuten länger Pause.“
Gemeinsames Weihnachtsessen unter Kollegen
Für die Bewohner spiele an Heiligabend eine Blaskapelle, und es gebe „ein festliches Essen, teils mit den Angehörigen“, erklärt Augner. Insgesamt arbeiten im „Haus Elisabeth“ am Abend des 24. Dezember 32 Pfleger und Betreuer, vier Mitarbeiter der Hauswirtschaft und drei vom Küchenpersonal.
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Ähnlich sieht es in der Kreisklinik Wolfratshausen aus. Hier sind Reinigungskräfte, Pflegepersonal, Ärzte, Mitarbeiter am Empfang und Therapeuten zur staaden Zeit im Dauereinsatz. „Es werden an Heiligabend lediglich keine geplante Eingriffe durchgeführt, ansonsten ist die Notaufnahme wie an allen anderen Tagen auch ärztlich und pflegerisch besetzt“, sagt Personalleiter Thomas Reichart.
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