Weihnachten  allein: Das muss nicht sein

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Für viele gibt es nichts Schöneres als Weihnachten. Für viele gibt es aber auch nichts Schlimmeres: Wer niemanden hat, merkt das an Heiligabend ganz besonders schmerzlich. Allein muss dennoch niemand feiern.

Bad Tölz – Spenden sind wichtig und gut. Die Einsamkeit an Heiligabend aber kann kein Geld der Welt vertreiben. Ein Tölzer Ehepaar wollte deshalb mehr tun, als „nur“ den Geldbeutel aufzumachen: Zusammen mit der katholischen Pfarrei Maria Himmelfahrt laden die beiden am Montagabend ab 19 Uhr alle Menschen, die Weihnachten nicht alleine verbringen wollen, in die Franzmühle ein. Geplant ist eine entspannte Feier mit gutem Essen vom Buffet, stimmungsvoller Musik und einer Tombola. Der Abend kostet die Besucher nichts. „Eine wunderschöne Idee, die den eigentlichen Sinn von Weihnachten ganz gut darstellt“, findet Stadtpfarrer Peter Demmelmair.

Der Bedarf ist da

Bedarf besteht aus Sicht des Geistlichen auf jeden Fall: Egal ob jung oder alt, arm oder reich, alteingesessen oder zugereist: In der Region gebe es sehr viele Menschen, die Weihnachten allein verbrächten. „Die Frage ist, ob sie sich trauen zu kommen.“ Demmelmair hofft es, ebenso wie die Initiatoren. Das Paar selbst möchte sich nicht in den Vordergrund drängen und deshalb anonym bleiben. Viel wichtiger als ihre Namen sei, dass bei der Feier die Tölzer Saitenmusik spielen wird und weihnachtliche Geschichten vorgelesen werden. Und dass es zwanglos und fröhlich zugehen soll. Zur besseren Planung bittet die Pfarrei um einen kurzen Anruf unter Telefon 0 80 41/76 12 60. Kurzentschlossene können aber auch ohne Anmeldung kommen.

Jeder willkommen ist am 24. Dezember auch im „Haus Frisia“ in Bad Tölz. Zum ersten Mal öffnet die Familie Munkert ihre Weihnachtsfeier auch für Nicht-Übernachtungsgäste. „Bevor jemand den Weihnachtsblues bekommt, soll er lieber zu uns kommen“, betont Chefarzt Dr. Ralph Munkert. Unter dem Motto „Weihnachten wie früher mit Freunden“ gibt es ab 14 Uhr Stubenmusik, Plätzchen, Punsch und Kaffee. „Auch der Weihnachtsmann schaut mit ein bis zwei Engeln vorbei“, sagt Munkert. Gegen 17.30 Uhr beginnt das festliche Weihnachtsmenü.

30 Euro kostet die Teilnahme an den Feierlichkeiten. „Wir wollen nichts verdienen“, betont Munkert. Zumindest die Ausgaben für das Essen aber sollen gedeckt sein. Um besser planen zu können, ist eine Anmeldung erforderlich. Interessierte können unter Telefon 0 80 41/50 30 nachfragen, ob noch ein Platz frei ist.

Weihnachten für Obdachlose oft schwer zu ertragen

Wem es besonders schlecht geht, der will meist gar nicht feiern. So wie die Menschen, die vorübergehend im Haus Sankt Jakobus in Bad Tölz ein Dach über dem Kopf finden. Für die bis zu acht Obdachlosen ist Weihnachten „oft nur sehr, sehr schwer zum Aushalten“, weiß Barbara Stärz von der Caritas-Beratungsstelle für Wohnungslose. Ein Christbaum wird für sie zum Symbol für all das, was sie nicht haben. „Darüber geredet wird nicht unbedingt“, sagt Stärz. Die Bewohner werden in den Tagen vor Heiligabend aber deutlich ruhiger. Und sie kritisieren gerne den angeblich schiefen Baum oder die kitschige Dekoration. Alles reiner Selbstschutz, sagt Stärz.

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Trotz Gemaule: Die Mitarbeiten beziehen die Obdachlosen ganz bewusst in die Weihnachtsvorbereitungen mit ein. So können sie den Christbaum, die praktischen kleinen Geschenke und das Festessen, das die Caritas organisiert, besser annehmen, so die Hoffnung.

Auch im Krankenhaus muss an Heiligabend niemand allein sein. Zwar gelten in der Asklepios-Stadtklinik die üblichen Besuchszeiten. „Sonderregelungen, insbesondere in der Intensivmedizin, können gerne mit dem jeweiligen Pflegepersonal abgesprochen werden“, so Sprecher Christopher Horn.

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