VonDieter Dorbyschließen
Wie wird die Kreisstadt den Asiatischen Laubholzbockkäfer wieder los? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Stadtratssitzung am Donnerstagabend. Frank Nüßer von der Landesanstalt für Landwirtschaft gab dabei einen umfassenden Überblick.
Wie sehr der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) Miesbachs Bürger bewegt, zeigte sich am Donnerstag bei der Sitzung des Stadtrats: Die Zuhörerplätze waren allesamt belegt – immerhin gab es Infos aus erster Hand, wie es mit dem ALB weitergehen soll. Über zwei Stunden referierte Frank Nüßer, Leiter der Arbeitsgruppe ALB-Bekämpfung an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), stellte den Käfer, die Befallszonen, Vorgehen, Rechtsgrundlagen und Alternativen zur Fällung vor.
Käfer-Besonderheiten
Der schwarze, weiß getupfte ALB wird 1,9 bis 3,9 Zentimeter groß, ohne Fühler. Er frisst erst kreisrund Rinde weg, um in einen Schlitz im Holz ein Ei abzulegen. Davon legt er 100 bis 200 Stück. Die Larve frisst sich ins Holz rein, schädigt die saftführenden Kanäle des Baums, biegt eine Hand breit nach oben ab und baut sich eine Höhle zum Verpuppen. Nach zwei Jahren ist der Käfer fertig entwickelt. Er frisst sich durch das Holz ins Freie. Dabei, so berichtete Nüßer, können ihn nicht mal Alu-Plaketten am Baum stoppen: „Er frisst sich durch.“
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Allgemeinverfügung
Um befallene Bäume sowie Gehölze aus der Befallszone (100 Meter Umkreis eines befallenen Baumes) entnehmen zu können, muss die LfL eine Allgemeinverfügung erwirken. Diese erfolgt für Miesbach, wenn die Erstbegehung – also das Monitoring in der Befallszone – abgeschlossen ist. Der Zeitrahmen ist offen, denn bei Regen können die Baumkletterer die Käferspuren kaum erkennen. Im Anschluss an die Allgemeinverfügung ist eine öffentliche Infoveranstaltung geplant.
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Kostenersatz
Der Freistaat hat der Stadt bereits 100 000 Euro als Soforthilfe bewilligt bekommen. Im Anschluss gibt es eine sogenannte Top-Up-Förderung für zu entfernende Gehölze auf Privatgrundstücken, wenn die Soforthilfe aufgebraucht ist. Grundsatz des Freistaats: Dem privaten Grundstückseigentümer sollen durch den ALB keine Kosten entstehen.
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Alternativen
Die große Frage für die Stadträte: Gibt es Alternativen zum Fällen in der 100-Meter-Befallszone? Lässt sich der Waitzinger Park retten? Kaum. „Es gibt kein Ermessen“, stellte Nüßer klar. Befallene Bäume müssen entfernt werden, nicht befallene werden erhalten, wenn sie von besonderer Bedeutung sind. Dann müssten sie per Monitoring überwacht werden – und das wäre teuer: Auf vier Jahre schätzt Nüßer die Kosten bei 49 Bäumen im Waitzinger Park auf 450 000 Euro. Und: Das dünne Kronengeäst müsste gekappt werden, weil es die Baumkletterer nicht kontrollieren können.
Entsorgung
In Miesbach soll ein Platz eingerichtet werden, an dem kontaminiertes Grüngut gelagert, gehäckselt und in Container verladen werden kann, um anschließend verbrannt zu werden. Die Stadt sucht noch nach einem geeigneten Platz. Bis dahin ist das Grüngut vor Ort zu lagern.
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Brennholz-Nutzung
Für viele Miesbacher wird die Quarantänezone – abhängig von der Flugfähigkeit des ALB 2000 Meter im Umkreis eines befallenen Baumes – zum Problem. In diesem Bereich darf bis zur Aufhebung der Quarantäne, also im Idealfall für vier Jahre (= zwei Entwicklungszyklen) – kein Holz bewegt werden, um eine Verbreitung des ALB zu verhindern. Das gilt auch für Brennholz. Land- und Forstwirte sind besonders betroffen. Generell gilt: Holz aus der Quarantäne darf weder aus noch innerhalb der Zone bewegt werden. Erlaubt ist das Einführen von außen, aber nur an einen Punkt in der Zone.
Reaktionen
Für Dritten Bürgermeister Michael Lechner (FW) ist der Käfer der „Fluch der Globalisierung“. Ziel müsse nun eine effektive Bekämpfung sein, um den ALB innerhalb von vier Jahren los zu sein. Dabei sei klar: „Wir werden Zugeständnisse machen müssen.“ Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) hofft, „dass wir mit einem blauen Auge davon kommen“. Auf jeden Fall sollte der Erhalt des Waitzinger Parks „alle Anstrengungen wert sein“. Wobei er es nicht nachvollziehen könne, warum es für Alternativen zur Fällung keine Zuschüsse gebe. Für Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) ist klar, dass sich das Stadtbild „komplett verändern“ wird. Umso wichtiger sei es, die LfL zu unterstützen, um dem Käfer schnell Herr zu werden. „Wir müssen zusammenstehen und an einem Strang ziehen“, betonte sie, „denn irgendwann wollen wir von dem Viech wieder Ruhe haben.“
Infostelle LfL
Für Verdachtsfälle und Infos ist die LfL in Freising so zu erreichen: Telefon 0 81 61 / 71 57 30, E-Mail an alb@lfl.bayern.de.
ddy
