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Asyl-Unterbringung: Puchheim lehnt auch Container-Siedlung ab

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In solchen Containern endet die Flucht vieler Menschen aus Krisengebieten.

Die Empörung über die beantragte Erweiterung der Asylbewer-Unterkunft in der Siemensstraße in Puchheim ist noch nicht abgeklungen, da musste sich die Stadt jetzt mit einer weiteren Anfrage zur Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigen.

Puchheim - Ebenfalls im Gewerbegebiet Nord, diesmal am Aubinger Weg, soll nach dem Willen eines Bauherren eine dreigeschossige Container-Anlage für insgesamt 102 Menschen entstehen. Der Bauausschuss des Stadtrats lehnte das Vorhaben einstimmig ab, genau wie das Ansinnen zuvor.

Arbeitsplätze statt Wohnen

Sitzungsleiter und Dritter Bürgermeister Thomas Hofschuster (CSU) fasste in der Sitzung alle Argumente gegen ein neues Flüchtlingsheim - wie sie so oder ähnlich vor zwei Wochen schon im Stadtrat gegen die Aufstockung in der Siemensstraße vorgebracht worden waren - noch einmal zusammen. Gesunde Wohnverhältnisse seien zumal in eher kleinen Räumen mit Doppelstockbetten und einer 72 Quadratmeter großen und versiegelten Fläche als Aufenthaltsbereich vor der Tür nicht zu erwarten. Ein Gewerbegebiet solle Arbeitsplätze schaffen und diene der Produktion, nicht der Wohnnutzung.

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Die Belange der Wirtschaft seien beeinträchtigt, einzelne Unternehmen hätten durchaus schon Bedenken angemeldet. Die Verweildauer - beantragt sind zunächst fünf Jahre - und möglicher weiterer Zuzug seien nicht abzusehen.

Insgesamt überfordert

Zentraler Einwand ist aber, dass man mit einem möglichen „Ghetto“ in abgelegener Lage nicht nur den Flüchtlingen keinen Gefallen täte, für die eben auch der Gesetzgeber bei solchen ausnahmsweisen Unterbringungen in eigentlich nicht dafür gedachten Gegenden „Teilhabe“ und „Integration“ verlangt. Sondern Puchheim insgesamt werde überfordert. Ehrenamtliche Asylhelfer sehen sich nicht mehr in der Lage, weitere Menschen zu betreuen, in Kitas und Schulen fehlt es an Räumlichkeiten und/oder pädagogischem Personal. „Es geht nicht darum, das wir nicht helfen wollen,“ sagte Hofschuster. „Aber das funktioniert nur mit einer überschaubaren Anzahl von Asylbewerbern, die wir auch an die Hand nehmen können.“

Dem gab es von Seiten der Ausschuss-Mitglieder kaum etwas hinzuzufügen. Die geplante Unterkunft wirke „gefängnismäßig“ und nahezu „menschenunwürdig“, hieß es. Und der Standort am Rand der Bahnlinie und neben einer viel befahrenen Straße sei „fast noch schlimmer“ als die Siemensstraße.

Befreiungen vom Bebauungsplan wurden nicht erteilt, das gemeindliche Einvernehmen abgelehnt. Das Landratsamt kann sich darüber hinwegsetzen, möglicherweise haben die Verwaltungsrichter das letzte Wort bei der Siemensstraße und dem Aubinger Weg. op

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