VonAndreas Beschornerschließen
Der Verdacht liegt nahe, dass es in Au schon vor dem sogenannten Patienten Null Corona-Fälle gab. Doch die Bereitschaft, dieser Möglichkeit auf die Spur zu kommen, ist gering. Warum nur?
Au/Hallertau – Bei einem Kind, das die Grundschule in Au besucht, wurde vor einigen Wochen festgestellt, dass es wohl bereits vor der Coronawelle mit dem Virus infiziert war. Das ergab sich aus einem entsprechenden Antikörper-Text. Der Möglichkeit, dass Corona also schon viel früher im Landkreis grassierte als bisher vermutet, und die Überlegung, ob eine damals als Grippe eingestufte Krankheitswelle in Wirklichkeit die ersten Corona-Fälle im Landkreis waren, wird indes nicht mehr verfolgt: Die Schulleitung will sich dazu nicht äußern, die Eltern sehen keine Veranlassung, ihre Kinder deshalb testen zu lassen – und auch das Gesundheitsamt sieht keinen Handlungsbedarf.
Elternbeiratsvorsitzender Stefan Kämpf zumindest hat, so berichtet er auf Nachfrage, noch von keinem Elternteil gehört, das sein Kind testen lassen will, ob es das Corona-Virus bereits gehabt habe. In der Klasse seines Kindes und offenbar auch an der ganzen Schule sei das kein Thema. Und auch der Elternbeirat habe sich damit noch nicht beschäftigt. Die Schulleitung selbst hält sich bedeckt. Leiterin Maria Otto war weder auf telefonische Anfrage noch auf eine E-Mail-Anfrage hin bereit, sich zu dem Thema zu äußern. Sie ließ durch das Sekretariat ausrichten, keine Auskunft zu geben. Das FT solle sich ans Gesundheitsamt wenden.
Auch das Gesundheitsamt will nicht tätig werden
Dort berichtet man, man habe weder von Eltern noch von der Schulleitung irgendwelche An- oder Nachfragen erhalten, was die Möglichkeit einer Corona-Infektion schon vor dem März im Landkreis betrifft. Und auch das Gesundheitsamt selbst werde nicht tätig, wie Landratsamt-Pressesprecher Robert Stangl dem FT mitteilte. Um zu wissen, ob und welche Kinder der Auer Grundschule eine Corona-Infektion bereits hinter sich hätten, müsse man ja einen Serumtest machen – und der sei wissenschaftlich noch nicht zu hundert Prozent belastbar. Und selbst wenn man feststellen würde, dass Kinder der Grundschule Au immun gegen Covid-19 seien, würde das nichts bringen.
„Das würde an den ergriffenen Maßnahmen und dem Konzept, die Infektionsketten zu unterbrechen, nichts ändern“, betont Stangl. Wenn ein paar Prozent mehr Bürger in Au immun wären, würde das noch lange keine Durchseuchung bedeuten. Die getroffenen und erfolgreichen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus seien richtig gewesen und es würde auch keine Veranlassung geben, am jetzigen Konzept etwas zu ändern.
„Da war schon ordentlich was los“
Freilich: Das, was damals als Influenzawelle beschrieben wurde, habe auch andere Schulen und Kindertagesstätten betroffen (in Moosburg und Marzling beispielsweise), mehr als das sonst zu dieser Jahreszeit der Fall war. „Da war schon ordentlich was los“, so Stangl.
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